The National Times - Kritik an von der Leyen: EU-Kommission gibt zehn Milliarden Euro für Ungarn frei

Kritik an von der Leyen: EU-Kommission gibt zehn Milliarden Euro für Ungarn frei


Kritik an von der Leyen: EU-Kommission gibt zehn Milliarden Euro für Ungarn frei
Kritik an von der Leyen: EU-Kommission gibt zehn Milliarden Euro für Ungarn frei / Foto: © AFP/Archiv

Kurz vor dem EU-Gipfel in Brüssel hagelt es Kritik an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ihre Kommission gab am Mittwoch in Brüssel gut zehn Milliarden Euro für Ungarn frei, die wegen Rechtsstaats-Mängeln in dem Land eingefroren waren. Viele vermuten einen anrüchigen Deal, um den ungarischen Regierungschef Viktor Orban zur Aufhebung seines Vetos gegen geplante Ukraine-Entscheidungen zu bewegen.

Textgröße ändern:

Bei dem Vorweihnachts-Gipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs geht es ab Donnerstag um weitere milliardenschwere Ukraine-Hilfen sowie um den Beginn von Beitrittsgesprächen mit Kiew. Orban blockiert die Pläne allerdings bisher. Kritiker halten dem Rechtspopulisten "Erpressung" vor, weil er zugleich Geld von der EU zurückforderte.

Die Kommission erklärte nun, Ungarn habe die verlangten Maßnahmen für die Unabhängigkeit seiner Justiz umgesetzt. Dadurch seien Regionalfördermittel "nicht mehr blockiert" und Ungarn könne "Rückerstattungen in Höhe von bis zu rund 10,2 Milliarden Euro fordern". Das ist fast die Hälfte der 21,7 Milliarden Euro, die die EU im Streit mit Orban eingefroren hat. "Besser spät als nie", jubelte Ungarns Europaminister Janos Boka auf Facebook.

Aus dem Europaparlament kam parteiübergreifend scharfe Kritik: Von einem "katastrophalen Signal" sprach der EU-Abgeordnete Daniel Freund (Grüne). Von der Leyen zahle "das größte Bestechungsgeld in der EU-Geschichte an den Autokraten und Putin-Freund Viktor Orban", schrieb Freund auf dem Kurzbotschaftendienst X, ehemals Twitter.

Der FDP-Europaabgeordnete Moritz Körner schrieb, von der Leyen opfere die Demokratie in Ungarn, um die in der Ukraine zu retten. "Bisher hat Ungarn nur Reformen auf dem Papier geliefert, und selbst die reichen nicht aus." Laut einem Parlamentsbericht bleibt etwa der irregulär ernannte Präsident des Obersten Gerichtshofs in Ungarn im Amt, womöglich auf Lebenszeit.

"Die Kommission hätte die Gelder zu keinem schlechteren Zeitpunkt freigeben können", rügte auch die CSU-Politikerin Monika Hohlmeier, die dem Haushaltskontrollausschuss im Europaparlament vorsitzt. Allen müsse klar sein, dass die zehn Milliarden Euro in den Händen von Orban-Vertrauten seiner Fidesz-Partei und regierungstreuen Oligarchen landeten.

Die großen Fraktionen im EU-Parlament hatten erfolglos versucht, von der Leyen von der Entscheidung abzubringen. Diese machte aber bei einer Rede in Straßburg deutlich, die geplanten Ukraine-Hilfen von 50 Milliarden Euro hätten für sie Priorität.

Die Kommission entscheidet alleine über die Mittelfreigabe für Ungarn, die Mitgliedsländer können diese nicht mehr verhindern. Bisher hielten sich die EU-Staaten mit Kritik an von der Leyen zurück, selbst wenn einige Diplomaten ihr "schlechtes Timing" vorwarfen.

Eine Ausnahme machte Luxemburg. Außenminister Xavier Bettel hatte zuvor gewarnt, wenn Ungarn sein Veto aufhebe und dafür so viel Geld bekomme, sehe das nach einem "Deal" aus, der sicher nicht das Vertrauen der Bürger in Europa stärke. "Das riecht nicht gut", betonte Bettel. Aus deutschen Regierungskreisen hieß es dagegen, von der Leyen genieße das "vollste Vertrauen" Berlins.

Belgiens Regierungschef Alexander de Croo kritisierte Orban: "Das hier ist nicht ein ungarischer Basar, auf dem alles gehandelt werden kann", sagte er in Brüssel.

Wegen des Verdachts auf Veruntreuung europäischer Haushaltsmittel hatte die EU im vergangenen Jahr erstmals ein Rechtsstaatsverfahren gegen Ungarn eingeleitet und weitere Milliarden auf Eis gelegt. Im Clinch liegt Budapest mit Brüssel auch wegen anderer Grundrechts-Verstöße, etwa bei den Rechten von Asylbewerbern, sexuellen Minderheiten und Akademikern.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte in seiner Regierungserklärung zum EU-Gipfel im Bundestag den Widerstand Ungarns angesprochen. Er will sich auf dem Gipfel nach eigenen Worten sowohl für die Ukraine-Hilfen als auch für die Beitrittsverhandlungen mit Kiew stark machen.

F.Morgan--TNT

Empfohlen

KI: China "respektiert" Trumps Wortwahl "Superintelligenz"

Die chinesische Regierung "respektiert" nach eigenen Angaben die Wortwahl von US-Präsident Donald Trump, der statt "Künstlicher Intelligenz" künftig den Ausdruck "Superintelligenz" verwenden will. Peking messe der Übernahme des Begriffs durch Trump "Bedeutung bei", erklärte das chinesische Außenministerium am Samstag. Alle Parteien sollten im KI-Bereich den "Austausch verstärken" und "nach einem Konsens suchen".

Verkehrsminister Bilger unzufrieden mit Sanierungstempo der Bahn

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) ist unzufrieden mit dem Sanierungstempo der Bahn. "Mit der bisherigen Umsetzung der Korridorsanierungen – dem Modernisieren von Gleisen, Weichen, Bahn- und Sicherheitstechnik – bin ich überhaupt nicht zufrieden", sagte Bilger dem "Spiegel". "Man kann niemandem erklären, warum Pendlerstrecken so lange gesperrt werden und die Situation danach noch immer nicht besser ist."

Social-Media-Sucht: Tiktok wendet Prozess in USA durch millionenschweren Vergleich ab

Die Videoplattform Tiktok hat mit einem Vergleich einen für Montag angesetzten Prozess im US-Bundesstaat Alabama wegen mutmaßlich mangelhaften Schutzes Minderjähriger vor Social-Media-Sucht abgewendet. Wie Generalstaatsanwalt Steve Marshall am Freitag (Ortszeit) mitteilte, soll das Unternehmen im Rahmen der Einigung mindestens 100 Millionen Dollar (umgerechnet 88 Millionen Euro) zahlen und die tägliche Nutzungszeit für junge Nutzer auf zwei Stunden begrenzen.

OpenAI: Von Nutzern hochgeladene Bilder landen irrtümlich auf externen Internetseiten

KI-Agenten des ChatGPT-Entwicklers OpenAI haben nach Angaben des Unternehmens 53 Bilder aus Nutzerkonten irrtümlich ins Netz gestellt. Die Bilder seien ohne Wissen des Unternehmens auf externen Internetseiten veröffentlicht worden, teilte OpenAI am Freitag mit. Die Links seien nicht öffentlich aufgelistet gewesen.

Textgröße ändern: