The National Times - Bundesregierung will Ausbau von Wasserstoffwirtschaft beschleunigen

Bundesregierung will Ausbau von Wasserstoffwirtschaft beschleunigen


Bundesregierung will Ausbau von Wasserstoffwirtschaft beschleunigen
Bundesregierung will Ausbau von Wasserstoffwirtschaft beschleunigen / Foto: © AFP

Die Bundesregierung will den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland beschleunigen und setzt dafür auch auf Wasserstoff aus nicht erneuerbaren Quellen. Das Kabinett verabschiedete am Mittwoch in Berlin eine aktualisierte Fassung der Nationalen Wasserstoffstrategie. Demnach soll die Produktionskapazität von grünem Wasserstoff in Deutschland bis 2030 auf zehn Gigawatt steigen. Daneben setzt die Bundesregierung aber auch auf Importe und etwa blauen Wasserstoff, der mit Erdgas hergestellt wird.

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Die bisherige Wasserstoffstrategie sah ein Kapazitätsziel für die Produktion von grünem Wasserstoff von fünf Gigawatt bis 2030 vor. Insbesondere mit dem massiven Ausbau der Offshore-Energie und dem Fortschritt bei der Elektrolysetechnologie visiere Deutschland nun doppelt so viel an, heißt es in der Strategie. Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein und muss dazu seine Energieversorgung umstellen, die zu großen Teilen noch auf fossilen Brennstoffen beruht.

Die Wasserstoffstrategie soll die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Quellen vorantreiben und umreißt dafür unter anderem die Fördermöglichkeiten für Wasserstoffprojekte. Bislang beschränkte sich dies auf grünen Wasserstoff, für dessen Herstellung nur erneuerbare Energien eingesetzt werden. Bis es genügend grünen Wasserstoff gibt, sollen nun auch andere Wasserstofffarben gefördert werden.

"Soweit in der Markthochlaufphase notwendig", werde die Regierung zukünftig auch blauen, türkisen und orangen Wasserstoff fördern, heißt es in der Strategie. Blauer Wasserstoff wird vor allem mit Erdgas gewonnen. Dabei wird CO2 freigesetzt, das allerdings anders als beim grauen Wasserstoff abgeschieden und eingelagert wird. Türkiser Wasserstoff entsteht durch die thermische Spaltung von Methan, wobei Kohlenstoff in fester Form anfällt, der ebenfalls eingelagert werden kann. Oranger Wasserstoff wird aus Biomasse oder Abfallverbrennung erzeugt.

Die Wirtschaft begrüßte die Ausweitung. "Bis zur ausreichenden Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff, ist die Industrie auf Alternativen angewiesen", erklärte Holger Lösch vom Bundesverband der Deutschen Industrie. Von Umwelt- und Klimaschützern kam hingegen scharfe Kritik. Nur grüner Wasserstoff könne "bei der Begrenzung der Erderhitzung helfen", erklärte Christiane Averbeck, Vorsitzende der Klima-Allianz Deutschland. Eine Förderung von blauem Wasserstoff, der mit Erdgas hergestellt wird, wäre "ein Festhalten an alten, fossilen Strukturen".

Ein anderer Streitpunkt in der Strategie waren die Sektoren, in denen Wasserstoff zum Einsatz kommen soll. Während das Bundeswirtschaftsministerium von Robert Habeck (Grüne) den Fokus beim Einsatz von Wasserstoff in der Vergangenheit vermehrt besonders auf die Stahlindustrie legte, pochten die FDP-geführten Ministerien für Verkehr und Forschung auf Technologieoffenheit auch für andere Bereiche wie den Verkehrssektor und das Heizen.

"Aus Sicht der Bundesregierung soll die Nutzung von Wasserstoff in den einzelnen Anwendungsfeldern nicht beschränkt werden", hieß es nun. Eine staatliche Förderung solle sich jedoch auf Bereiche konzentrieren, "in denen der Wasserstoffeinsatz zwingend erforderlich bzw. alternativlos ist". Für den Einsatz von Wasserstoff im Straßenverkehr und beim Heizen gibt es Alternativen, etwa E-Autos und Wärmepumpen.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) betonte dennoch, dass Wasserstoff auch im Individualverkehr eingesetzt werden soll. In der aktualisierten Strategie beschränkt sich der Absatz zum Verkehr allerdings auf "schwere Nutzfahrzeuge". Für die Wärmeversorgung spiele der Einsatz von Wasserstoff eine "eher nachgeordnete Rolle".

Für die Versorgung mit Wasserstoff setzt die Bundesregierung außerdem auch massiv auf Importe. Voraussichtlich könne langfristig nur rund ein Drittel des deutschen Bedarfs aus eigener Produktion gedeckt werden, sagte Wirtschaftsminister Habeck. Eine spezielle Strategie, um den Import zu steuern, soll noch folgen.

Die Umweltorganisation Greenpeace warnte vor "überdimensionierten Importzielen", wodurch Deutschland drohe, erneut von autokratischen Regierungen abhängig zu werden. Verena Graichen vom BUND forderte deshalb einen Fokus auf Effizienz und Reduktion der Energienachfrage. "Hier muss die Bundesregierung erheblich nachbessern."

A.Davey--TNT

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