The National Times - Streit in "Ampel" über Verbot von Öl- und Gasheizungen ab 2024 spitzt sich zu

Streit in "Ampel" über Verbot von Öl- und Gasheizungen ab 2024 spitzt sich zu


Streit in "Ampel" über Verbot von Öl- und Gasheizungen ab 2024 spitzt sich zu
Streit in "Ampel" über Verbot von Öl- und Gasheizungen ab 2024 spitzt sich zu / Foto: © AFP/Archiv

Der Streit zwischen der FDP und den Koalitionspartnern über das geplante Verbot neuer Öl- und Gasheizungen ab 2024 spitzt sich zu. Während die Liberalen am Mittwoch Widerstand gegen die Pläne ankündigten, erinnerten die Grünen die Partei an zuvor getroffene Vereinbarungen sowie den Koalitionsvertrag. Kern der Pläne ist, dass ab 2024 nur noch neue Heizungsanlagen in Gebäude eingebaut werden dürfen, die mindestens 65 Prozent der Wärme aus Erneuerbaren erzeugen.

Textgröße ändern:

Am Dienstag war ein gemeinsamer Referentenentwurf aus dem Grünen-geführten Wirtschaftsministerium und dem SPD-geführten Bauministerium bekannt geworden. Demnach soll der Einbau neuer Gas- und Ölheizungen ab 2024 verboten werden. Im Koalitionsvertrag ist das 65-Prozent-Ziel für neue Heizungen erst ab Anfang 2025 festgeschrieben. Wegen des Ukraine-Kriegs hatte die Koalition aber bereits vor einem Jahr entschieden, dass diese Vorgabe "möglichst" bereits ab Anfang 2024 gelten soll. Nun werden die Pläne konkretisiert, es soll aber Ausnahmen geben.

Die FDP wirft den Koalitionspartnern seitdem vor, mit ihren Plänen weit über die getroffenen Vereinbarungen hinauszugehen und will sie stoppen. "Der FDP-Fraktion liegt kein Entwurf zum Verbot von Öl- und Gasheizungen vor", sagte Fraktionschef Christian Dürr dem "Tagesspiegel". "Dazu wird es auch nicht kommen." Er befürchte, dass durch das Verbot die Bau- und Mietkosten weiter steigen könnten.

"Pauschale Verbote halte ich für falsch - stattdessen sollten wir technologieoffen bleiben und dafür sorgen, dass auch klassische Heizungen in Zukunft klimaneutral betrieben werden können", sagte Dürr. Ähnlich äußerte sich Fraktionsvize Lukas Köhler in den Funke Medien. Die Koalition habe sich zwar auf das 65-Prozent-Ziel verständigt. "Auf politische Technologieentscheidungen haben wir dabei jedoch ganz bewusst verzichtet."

Eine Gasheizung könne die Anforderungen durch den Einsatz von Biogas oder Wasserstoff ebenso erfüllen wie eine Wärmepumpe, sagte der FDP-Politiker. Es sei wichtig, sich auf die Umsetzung der 65 Prozent zu beschränken, "statt Eigentümer und Mieter darüber hinaus durch immer neue Vorschriften bei der Gebäudedämmung oder dem Betrieb, der Wartung und regelmäßigen Optimierung der Heizungsanlagen unnötig zu belasten".

Grünen-Chef Omid Nouripour sagte RTL und ntv, bei den Plänen handle es sich um eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag. "Die FDP soll vielleicht schauen, wo sie alles zugestimmt hat, was sie jetzt plötzlich nicht mehr wissen will." Es gehe darum, bei neuen Einbauten dafür zu sorgen, dass diese auch klimafreundlich seien.

Unionsfraktionsvize Ulrich Lange kritisierte vor allem, dass die Pläne höhere Kosten bedeuten würden. "Im aktuellen Umfeld mit knappem Baumaterial, hohen Zinsen und Fachkräftemangel können wir keine Maßnahmen gebrauchen, die das Bauen und Wohnen noch weiter verteuern." Vorwiegend mit Erneuerbaren laufende Heizungen seien aber oft "doppelt so teuer wie eine Öl- oder Gasheizung".

Kritik kam auch von Kommunal- und Wirtschaftsverbänden. Es gebe viel zu wenig Fachkräfte, um die Umrüstungspläne umzusetzen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, der "Bild"-Zeitung. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) bezeichnete die Pläne als "nicht machbar" - zum Zeitpunkt des geplanten Verbots werde in Deutschland "nirgendwo genug grüner Wasserstoff oder Biomethan vorhanden" sein "und via Gasverteilnetz beim Endkunden ankommen".

Der Mieterbund und der Sozialverband SoVD forderten eine "sozialverträgliche Ausgestaltung" des Verbots. Umwelt- und Klimaschutz und Sozialverträglichkeit dürften "nicht in Konkurrenz miteinander stehen", sagte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier der Mediengruppe Bayern. Wer diese Ziele formuliere, müsse gleichzeitig "eine Antwort darauf geben, wie die Folgen für Millionen Menschen mit kleinem Geldbeutel abgefedert werden können".

D.Cook--TNT

Empfohlen

Frei mahnt rasche Reformen an - und sagt Merz Rückhalt der Fraktion zu

Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) hat die Koalition zu einer unbeirrten Fortsetzung des Reformkurses unter Führung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) aufgerufen. In der Unionsfraktion verfüge der Kanzler dafür auch nach den Niederlagen bei den jüngsten Wahlen über den nötigen Rückhalt, sagte Frei am Dienstag in Berlin vor Beginn der Fraktionssitzung. "Der Bundeskanzler hat unsere Unterstützung."

Verkehrstechnik-Messe Innotrans in Berlin eröffnet - Rekordzahl von Ausstellern

Mit einer Rekordzahl von Ausstellern hat am Dienstag die Verkehrstechnik-Messe Innotrans Berlin begonnen. 3170 Aussteller und damit 200 mehr als 2024 zeigen bis Freitag ihre neuesten Fahrzeuge, wie die Messe Berlin mitteilte. Es sei "die größte Innotrans" in ihrer 30-jährigen Geschichte.

IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn - Arbeitgeber: "Realitätsfern"

In der anstehenden Tarifrunde für 3,7 Millionen Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie fordert die IG Metall fünf Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Mehrere Bezirke teilten am Dienstag die Beschlüsse ihrer Tarifkommissionen mit - am Mittwoch soll der Gewerkschaftsvorstand die Forderung für die gesamte IG Metall beschließen. Der Arbeitnehmerverband Südwestmetall wies die Forderungen umgehend als "realitätsfern" zurück. Die Tarifverhandlungen beginnen im Oktober.

CSU-Politiker Hoffmann: Koalition einig bei Härtefallregelung für Frühverrentung

Die Koalition hat sich nach CSU-Angaben bereits auf eine Härtefallregelung geeinigt, um besonders belasteten langjährig Versicherten einen früheren Renteneintritt zu ermöglichen. Hier seien sich Union und SPD "schon einig", die Vereinbarung müsse nun aber noch "ausformuliert" werden, sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann am Dienstag in Berlin.

Textgröße ändern: