The National Times - Erwartungen an Agrarpolitik gehen vor Grüner Woche teils weit auseinander

Erwartungen an Agrarpolitik gehen vor Grüner Woche teils weit auseinander


Erwartungen an Agrarpolitik gehen vor Grüner Woche teils weit auseinander
Erwartungen an Agrarpolitik gehen vor Grüner Woche teils weit auseinander / Foto: © AFP

Vor dem Start der Grünen Woche in Berlin am Freitag treten die Konfliktlinien der Beteiligten an der von der Bundesregierung angestrebten Agrarwende offen zutage. Bei Streitthemen wie dem Tierwohl oder der Gentechnik gehen die Vorstellungen von Landwirten, Umweltschützern und auch innerhalb der Ampel-Koalition teils weit auseinander. Der Deutsche Bauernverband (DBV) meldete derweil, die allgemeine Stimmung in den Betrieben habe sich etwas aufgehellt, der Blick in die Zukunft bleibe jedoch "eingetrübt".

Textgröße ändern:

Ein Bündnis mehrerer Umweltorganisationen forderte am Donnerstag in einem Grundsatzpapier einen tiefgehenden Wandel im Agrarsystem. Darunter fiele etwa eine deutliche Reduzierung der Produktion und des Konsums tierischer Lebensmittel. "Weniger Tiere müssen unter besseren Bedingungen gehalten werden", erklärte Thomas Schröder, Präsident des Tierschutzbundes. Myriam Rapior vom BUND forderte insbesondere einen geringeren Einsatz von Pestiziden und mehr Bio-Landbau.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) verfolgt ähnliche Ziele. Etwa will er trotz Inflationskrise am Ziel der Bundesregierung festhalten, bis 2030 den Bio-Anteil in der Landwirtschaft auf 30 Prozent anzuheben, wie er der "Augsburger Allgemeinen" sagte. Auch der Umbau der Nutztierhaltung hin zu weniger Tieren ist erklärtes Ziel Özdemirs. Ein erster Schritt in diese Richtung soll die verpflichtenden Haltungskennzeichnung von Schweinefleisch sein.

Der DBV als Vertreter der konventionellen Landwirtschaft sieht den Bio-Ausbau erwartungsgemäß kritisch. Die Landwirte verweisen insbesondere auf höhere Erträge - die konventionelle Landwirtschaft sichere maßgeblich die Versorgung mit Lebensmitteln. So kritisierten etwa DBV und Vertreter der Molkereiwirtschaft bei einem Austausch am Donnerstag, dass die Versorgung mit heimischen Milchprodukten "angesichts der Vielzahl ungeklärter politischer Baustellen für die Tierhaltung und Milchverarbeitung offenbar nicht oberste Priorität der Bundesregierung" sei.

Die Milchbauern warnen laut DBV auch vor einer Ausweitung des geplanten Tierwohlkennzeichens für Schweinefleisch auf Molkereiprodukte. Vorher müsse "die große Zahl der im laufenden Gesetzgebungsprozess aufgeworfenen Kritikpunkte sauber abgearbeitet werden. Ansonsten wird dieses Vorhaben zum Misserfolg." Der DBV selbst hatte sich mit Grundsatzkritik am Tierwohllabel zuvor bereits nicht zurückgehalten.

Zur wirtschaftlichen Lage zeichnete der Bauernverband ein gemischtes Bild. Der Bewertungsindex der landwirtschaftlichen Betriebe stieg im Dezember auf 14,9 Punkte, nach 8,4 Punkten im September. Eine Verbesserung gab es demnach für alle Betriebsformen, also Ackerbau-, Futterbau- und Veredelungsbetriebe - letztere umschreiben die Nutztierhaltung. Bei der zukünftigen Lage verschlechterten sich jedoch verglichen mit Herbst die Erwartungen in den Futterbau- und Veredelungsbetrieben.

"Großen Einfluss" auf die aktuelle Lage hätten die Preisentwicklungen an den Agrar- und Energiemärkten: Landwirte profitieren von hohen Preisen für ihre Erzeugnisse, zugleich geht der DBV von einer "stimmungsaufhellenden Wirkung" der staatlichen Entlastungen bei den Energiepreisen aus. "Belastende Einflüsse" seien weiterhin die hohen Futter- und Düngerkosten und die Probleme in der Agrar- und Finanzpolitik.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht jedoch die Lage von Kleinbauern gefährdet und forderte gemeinsam mit landwirtschaftlichen und entwicklungpolitischen Verbänden ein Verbot des Einkaufs unterhalb der Produktionskosten. Während die Preise in Supermärkten mit 20 Prozent über dem Vorjahresniveau etwa doppelt so stark stiegen wie die allgemeine Inflation, "können viele Milch-, Schweine- und Biohöfe am anderen Ende der Lieferkette noch immer nicht ihre Produktionskosten decken", erklärten die Organisationen.

Streit innerhalb der Koalition droht zudem beim Thema Gentechnik: Die FDP forderte von Özdemir, dass er sich für niedrigere Hürden für die sogenannte grüne Gentechnik einsetzt. Die Novellierung des EU-Gentechnikrechts sei "das Schlüsselthema in der Agrarpolitik im Jahr 2023", zitierte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) aus einem Positionspapier der Bundestagsfraktion der Liberalen. Die Grünen stehen der Gentechnik traditionell höchst kritisch gegenüber.

R.Evans--TNT

Empfohlen

Heizkosten 2025 wieder gestiegen - fossile Heizungen "langfristig immer teurer"

Die Heizkosten sind 2025 nach einer Entspannung in den beiden Vorjahren wieder gestiegen - und auch für 2026 rechnet die Beratungsgesellschaft co2online mit weiteren Kostensteigerungen. Langfristig werden fossile Heizungen "immer teurer", erklärte co2online am Dienstag. Laut dem jährlich zusammen mit dem Deutschen Mieterbund erhobenen Heizspiegel können 90 Prozent aller Haushalte ihre Heizkosten heute senken.

Düngemittel-Deal: Trump will Kalisalz aus Belarus statt aus Kanada kaufen

US-Präsident Donald Trump bereitet nach eigenen Angaben ein "umfassendes" Abkommen mit Belarus über den Kauf von Kalisalz vor. "Der Preis wäre deutlich niedriger als das, was wir heute an Kanada zahlen", erklärte Trump am Montag in seinem Onlinedienst Truth Social. Dies sei eine "sehr gute Nachricht für unsere Bauern und Viehzüchter".

Zehntausende Beschäftigte protestieren gegen "Kahlschlag" in der Autoindustrie

Mit Betriebsversammlungen, Kundgebungen und Demonstrationen haben bundesweit zehntausende Beschäftigte der Automobilindustrie gegen einen "Kahlschlag" in ihrer Branche demonstriert. Die IG Metall erklärte am Montag, an dem von ihr ausgerufenen Aktionstag Autoindustrie beteiligten sich rund 175.000 Beschäftigte. IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärte: "Beschäftigte sind nicht länger bereit, für eine Krise zu zahlen, die sie nicht verschuldet haben."

IG Metall: 175.000 Beschäftigte beim Aktionstag Automobilindustrie

Rund 175.000 Beschäftigte in der Automobilindustrie haben nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall am Montag an bundesweiten Aktionen gegen Stellenabbau und Werksschließungen demonstriert. Sie beteiligten sich an insgesamt rund 280 Aktionen, wie die Gewerkschaft am Montag mitteilte. IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärte: "Beschäftigte sind nicht länger bereit, für eine Krise zu zahlen, die sie nicht verschuldet haben."

Textgröße ändern: