The National Times - Bevölkerungsstudie belegt neue Landlust in Deutschland

Bevölkerungsstudie belegt neue Landlust in Deutschland


Bevölkerungsstudie belegt neue Landlust in Deutschland
Bevölkerungsstudie belegt neue Landlust in Deutschland / Foto: © AFP/Archiv

Die Wanderungsstatistiken belegen eine neue Landlust in Deutschland. Wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zeigt, gibt es in Dörfern und Kleinstädten heute im Vergleich zu vor zehn Jahren mehr Zuzüge als Abwanderung. Ohne Zuwanderung aus dem Ausland würden die Großstädte im Schnitt Wanderungsverluste einfahren. Gründe für die Landlust sind demnach vor allem die hohen Wohnkosten in den Großstädten, die Digitalisierung und die Coronapandemie mit verstärktem Homeoffice.

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Die Forschenden analysierten die Wanderungsdaten der Statistikämter von 2008 bis 2020 auf Gemeindeebene und verglichen Zu- und Fortzüge zwischen 2018 und 2020 mit dem Zeitraum ein Jahrzehnt zuvor. Von 2018 bis 2020 verzeichneten die Großstädte demnach einen jährlichen Wanderungsgewinn von durchschnittlich 2,5 je tausend Bewohnern - zehn Jahre zuvor hatte der Wanderungsgewinn noch bei 3,2 je tausend Bewohnern gelegen.

Die Landgemeinden legten im Vergleichszeitraum dagegen zu: Zwischen 2018 und 2020 gewannen 63 Prozent und damit knapp zwei Drittel der Gemeinden Einwohner durch Umzüge hinzu. Durchschnittlich verbuchten sie jährliche Wanderungsgewinne von 4,2 je tausend Einwohnern. Zehn Jahre zuvor verloren die Landgemeinden pro Jahr durchschnittlich noch 3,8 je tausend Einwohner durch Abwanderung.

Heute gewinnen selbst abgelegene Regionen Bewohner durch Umzüge hinzu, auch die Entwicklung zwischen Ost und West glich sich an. Seit 2014 ziehen jedes Jahr ähnlich viele Menschen aus dem Osten gen Westen wie umgekehrt. In den ost- und westdeutschen Bundesländern verzeichnen heute mit 62 beziehungsweise 64 Prozent ähnlich viele Landgemeinden Wanderungsgewinne.

Bei der Frage, wer aufs Land zieht, zeichnen sich ganz bestimmte Gruppen ab: Menschen, die innerhalb Deutschlands umziehen, verlassen demnach mehrheitlich die Städte und ziehen aufs Land. Als "landlustigste Altersgruppe" sieht die Studie die 30- bis 49-Jährigen mit ihren minderjährigen Kindern. Die kreisfreien Großstädte verloren von 2018 bis 2020 im Schnitt jährlich 7,5 je tausend Bewohner in dieser Altersgruppe - das waren 2,3 je tausend Menschen mehr als zehn Jahre zuvor.

Die 18- bis 24-Jährigen verlassen hingegen weiterhin in großer Zahl die ländlichen Regionen und strömen in die Großstädte, wo sie nach dem Schulabschluss Universitäten oder andere Ausbildungsmöglichkeiten vorfinden.

Die insgesamt neue Landlust führt die Studie unter anderem auf das knappe Wohnungsangebot und steigende Immobilienpreise zurück, die den zuvor hohen Zuzug in die Großstädte dämpfen. Das treffe vor allem viele junge Familien. Auch Berufseinsteigern falle es heute häufig schwer, eine passende Stadtwohnung in der Nähe des Arbeitgebers zu finden.

Auf der anderen Seite mache die Digitalisierung viele Berufe "landkompatibel". Viele Jobs, vor allem in kreativen und wissensintensiven Branchen, könnten häufig aus dem ländlichen Homeoffice erledigt werden. Nicht zuletzt zwang die Coronapandemie viele Unternehmen, ihren Beschäftigten das Arbeiten im Homeoffice zu ermöglichen. "Die Coronapandemie hat die neue Sehnsucht nach einem Leben auf dem Land nicht verursacht, sie scheint dieser aber einen kräftigen Schub verpasst zu haben", schreiben die Experten des Berlin-Instituts.

J.Sharp--TNT

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