The National Times - Bundestag beschließt Nachtragshaushalt mit Milliardentransfer in Klimafonds

Bundestag beschließt Nachtragshaushalt mit Milliardentransfer in Klimafonds


Bundestag beschließt Nachtragshaushalt mit Milliardentransfer in Klimafonds
Bundestag beschließt Nachtragshaushalt mit Milliardentransfer in Klimafonds

Der Bundestag hat am Donnerstag den von der Bundesregierung vorgelegten zweiten Nachtragshaushalt für 2021 beschlossen. Er sieht vor, dass der Energie- und Klimafonds (EKF) um 60 Milliarden Euro aufgestockt wird, um zusätzliche Investitionen in Klimaschutz und Digitalisierung zu finanzieren. Dazu werden nicht benötigte Kreditermächtigungen verwendet. Die Unionsfraktion hält das Vorgehen für verfassungswidrig und will vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

Textgröße ändern:

Mit der Mehrheit der Ampel-Koalition fasste der Bundestag zunächst in namentlicher Abstimmung einen Beschluss, der die Nutzung einer Ausnahme von der Schuldenbremse mit dem Fortbestehen der Pandemie-Situation begründet. "Nach dem massiven wirtschaftlichen Einbruch im Jahr 2020 bleiben umfangreiche angebots- und nachfrageseitige Maßnahmen notwendig, um die deutsche Volkswirtschaft wieder auf einen langfristig nachhaltigen Wachstumspfad führen zu können", heißt es in dem Text. Dazu gehörten auch "zukunftsgerichtete Impulse zum Beispiel für den Klimaschutz".

Danach erfolgte die Verabschiedung des Nachtragshaushalts, ebenfalls in namentlicher Abstimmung. Scharfe Kritik kam von Union und AfD. Es handele sich um einen Haushaltsentwurf, "der darauf hinausläuft, die Schuldenbremse zu umgehen", sagte Unions-Fraktionsvize Mathias Middelberg (CDU). "Sie wollen nicht die Pandemie bekämpfen, sondern Klimawendepolitik und wahrscheinlich auch noch andere Projekte damit finanzieren." Dabei wolle die Koalition Schulden de facto erst 2024 und 2025 machen, diese jedoch auf die Schuldenbremse im Jahr 2021 anrechnen.

"Wir müssen diesen Nachtragshaushalt ablehnen, wenn wir unsere Verfassung ernst nehmen", sagte Middelberg weiter. Zuvor hatte die Union bereits angekündigt, dass sie den Etat durch eine Normenkontrollklage vor dem Bundesverfassungsgericht zu Fall bringen und zudem versuchen will, dessen Anwendung durch ein Eilverfahren zu stoppen.

Der AfD-Politiker Wolfgang Wiehle warf der Koalition vor, Geld in bereits "üppig gefüllte Rücklagen" zugunsten von "ideologischen Projekten zum Umbau der Gesellschaft" zu stecken. Allerdings warf Wiehle zudem der Union vor, dies in ihrer Regierungszeit auch getan zu haben.

Redner der Ampel-Fraktionen verteidigten die Etatvorlage. "Wir wollen ein Long Covid für die deutsche Wirtschaft verhindern", sagte der SPD-Haushaltsexperte Dennis Rohde. Zugleich gehe es darum, durch nachhaltige Transformation der Wirtschaft "den Planeten lebenswert zu erhalten". Genau dieses Vorgehen habe auch die Union 2020 mitgetragen, als ebenfalls Geld aus dem Corona-Konjunkturpaket für Klimaschutz und mehr Nachhaltigkeit ausgegeben worden sei.

"Sie gehen auf einen Rechtsweg. Wir gehen auf einen nachhaltigen Weg unter Einhaltung des Rechts", sagte der FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke an die Union gewandt. Es gehe darum, "Pandemiefolgen nachhaltig zu überwinden", sagte der Grünen-Haushälter Sven-Christian Kindler. Er rief die Union auf, dass sie "jetzt auch in der Opposition Verantwortung übernimmt" und warf CDU und CSU "Doppelmoral" vor.

Linken-Parteichefin Janine Wissler sprach hingegen ebenfalls von "Trickserei". Zwar sei es "richtig, Geld für Klimaschutz und Energiewende bereit zu stellen", ebenso müsse aber gegen wachsende soziale Ungleichheit vorgegangen werden. Dazu forderte Wissler eine generelle Abkehr von der Schuldenbremse sowie eine einmalige Vermögensabgabe für Reiche.

T.Bennett--TNT

Empfohlen

Polarforscher wegen Ausbreitung der Vogelgrippe in der Antarktis alarmiert

Polarforscher haben wegen der Ausbreitung der Vogelgrippe in der Antarktis Alarm geschlagen. Eine besonders gefährliche Variante des Virus, die sein Team im April 2024 auf dem weißen Kontinent habe nachweisen können, sei in der Lage, "100 Prozent" der infizierten Tiere zu töten, sagte der chilenische Veterinärmediziner Víctor Neira am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Die Variante habe sich mittlerweile stark ausgebreitet.

US-Energieminister: "Klima-Kult" belastet Europas Wirtschaft

US-Energieminister Chris Wright hat Europa einen zu starken Fokus auf die Bekämpfung des Klimawandels vorgeworfen. Ein "Klima-Kult" habe Europas Energiepreise in die Höhe getrieben, während der Kontinent weniger davon produziere, sagte Wright am Dienstag in einem Interview der Nachrichtenagentur AFP. Diese Konzentration auf das Klima habe "die wirtschaftlichen Chancen für Europäer verringert", fügte er hinzu.

Schädlicher Weichmacher im Urin von Kindern und Jugendlichen nachgewiesen

Im Urin von Kindern und Jugendlichen sind nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) erneut Rückstände eines schädlichen Weichmachers gefunden worden. In 92 Prozent der zwischen April und Juli vergangenen Jahres gesammelten Proben wurde ein Abbauprodukt eines Weichmachers nachgewiesen, der als fortpflanzungsschädigend gilt und in der EU nicht zugelassen ist, wie die Behörde am Dienstag in Dessau mitteilte. Quelle waren wie schon in früheren Untersuchungen Sonnenschutzmittel.

Russische Schattenflotte auf Ostsee: Greenpeace warnt vor Ölpest bei Havarie

Greenpeace hat vor schweren Umweltschäden durch eine mögliche Havarie eines Öltankers der sogenannten russischen Schattenflotte auf der Ostsee gewarnt. Von Finnland über Schweden und Deutschland bis nach Dänemark wären im Falle einer Ölpest Meeres- und Küstenschutzgebiete betroffen, die für das Überleben von Seevögeln, Meeressäugern und als Kinderstube vieler Fischbestände entscheidend seien, erklärte die Umweltschutzorganisation am Montag in Hamburg.

Textgröße ändern: