The National Times - EU will bei Halbleitern unabhängiger von Asien werden

EU will bei Halbleitern unabhängiger von Asien werden


EU will bei Halbleitern unabhängiger von Asien werden
EU will bei Halbleitern unabhängiger von Asien werden / Foto: © AFP

Die Europäische Union will ihre Produktion von Halbleitern bis 2030 massiv steigern und damit unabhängiger von Asien werden. Das sieht der sogenannte Chips Act vor, auf den sich Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments am Dienstag grundsätzlich einigten. Zuletzt waren Halbleiter unter anderem in der Autoindustrie Mangelware. Sie sind aber auch in Laptops, Smartphones oder Kühlschränken verbaut.

Textgröße ändern:

Die EU will ihren Weltmarktanteil nach der Einigung von zehn Prozent auf "mindestens 20 Prozent bis 2030" steigern. Da weltweit immer mehr Chips nachgefragt werden, müsste die EU ihre Produktion dafür laut Prognosen vervierfachen. Die EU-Kommission hatte bereits vor dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine im Februar 2022 vorgeschlagen, dafür 43 Milliarden Euro aus öffentlichen und privaten Mitteln zu mobilisieren.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte die Einigung auf den Gesetzesvorschlag, die nun noch formal vom Europaparlament und den Mitgliedstaaten bestätigt werden muss. Der Chips Act schaffe die Grundlage für eine "wettbewerbsfähige Halbleiterindustrie" in Europa, schrieb von der Leyen auf Twitter. Damit werde die "digitale Widerstandsfähigkeit und Souveränität" des Kontinents gestärkt.

Die Chips werden derzeit zu einem großen Teil in Taiwan, China und Südkorea hergestellt. Vor dem Hintergrund chinesischer Drohungen gegen Taiwan war zuletzt die Sorge gewachsen, es könne zu einer ernsten Halbleiter-Krise kommen. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) warnte bei ihrem China-Besuch vergangene Woche vor "dramatischen Folgen" einer solchen Krise.

Bereits während der Corona-Pandemie hatte es weltweit Engpässe bei Halbleitern gegeben. In der Automobilindustrie mussten Unternehmen sogar die Produktion drosseln oder einstellen.

Die zuständige deutsche Grünen-Europaabgeordnete Henrike Hahn nannte die Einigung auf das Chips-Gesetz "zufriedenstellend". Aus dem EU-Budget sollen nach ihren Angaben 3,3 Milliarden Euro für den Ausbau der Industrie fließen. "Dies ist ein guter Schritt, aber wir müssen auf europäischer Ebene noch viel mehr tun", betonte sie.

Die Industrie selbst sieht die Pläne teils skeptisch. Als ein Problem gelten die langen Genehmigungsverfahren für den Bau von Anlagen, die teils mit Umweltschutz-Auflagen begründet sind. Hahn erklärte dazu, es sei ihr "gelungen, den Verweis auf die Einbeziehung von Umweltverträglichkeitsprüfungen in den Schnellgenehmigungen zu streichen".

Auch in Deutschland sind Halbleiter ein großes Thema: Erst Mitte Februar hatte die Bundesregierung eine Ausnahmegenehmigung erteilt, damit der Halbleiterhersteller Infineon mit dem Bau eines neuen Werkes in Dresden beginnen kann. Infineon will dort nach eigenen Angaben fünf Milliarden Euro investieren, "die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte". Die Chip-Fertigung soll 2026 an den Start gehen und rund 1000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Dafür strebt Infineon nach eigenen Angaben eine staatliche Förderung im Umfang von einer Milliarde Euro an. Die EU-Kommission muss dies genehmigen. Das Wirtschaftsministerium wartete das grüne Licht aus Brüssel jedoch nicht ab, um das Projekt zu beschleunigen.

"Halbleiter gehören zu den Schlüsseltechnologien und sind zentral für die Transformation", erklärte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) dazu. "Deshalb müssen wir uns im globalen Wettbewerb behaupten und sind als Bundesregierung bereit, Projekte massiv zu unterstützen."

K.M.Thompson--TNT

Empfohlen

Verbände dringen auf mehr Anstrengungen zur Senkung der Emissionen

Die Umweltverbände Germanwatch und WWF dringen auf zusätzliche Anstrengungen in Deutschland zur Senkung der Treibhausgasemissionen. Die Bundesregierung müsse "ein ehrliches Klimaschutzprogramm vorlegen", das "einen Pfad zur Klimaneutralität 2045 zeichnet", verlangte die Organisation Germanwatch. Die Regierung muss dieses Programm noch im März vorlegen, zuvor will das Umweltbundesamt (UBA) an diesem Samstag die Emissionsdaten für 2025 veröffentlichen.

Grüne fordern von Koalition günstigeres Deutschlandticket und weitere Entlastungen

Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise fordern die Grünen zusätzliche Entlastungen für die Bürgerinnen und Bürger bei Deutschlandticket, Stromkosten und dem Einbau klimafreundlicher Heizungen. Bundeskanzler "Friedrich Merz muss heute beim Koalitionsausschuss Lösungen vorlegen, um das Leben wieder bezahlbar zu machen", sagte Fraktionschefin Katharina Dröge am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Dafür müsse die Abhängigkeit von teuren fossilen Energieträgern verringert werden.

EU-Atompolitik: Umweltminister Schneider kritisiert "rückwärtsgewandte Strategie"

Nach den Äußerungen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zur Atomkraft hat Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) der EU eine "rückwärtsgewandte Strategie" vorgeworfen und bekräftigt, dass Deutschland am Ausstieg aus der Kernkraft festhält. Es spreche Bände, dass der Kern dieser Strategie aus neuen Subventionen für Kernkraftwerke bestehe, erklärte Schneider am Dienstag. "Wenn eine Risiko-Technologie nach einem dreiviertel Jahrhundert noch immer am staatlichen Tropf hängt und es längst bessere Alternativen gibt, sollte man daraus Konsequenzen ziehen."

US-Forscher: Meereisfläche in der Antarktis hat sich dieses Jahr etwas erholt

Die Eisschicht auf dem Meer rund um den Südpol hat sich nach vier Jahren extremer Tiefststände etwas erholt: Wie Forscher des Nationalen Schnee- und Eisdatenzentrums der USA (NSIDC) am Montag mitteilten, wurde das jährliche Minimum der von Meereis bedeckten Fläche der Antarktis für 2026 mutmaßlich am 26. Februar erreicht und betrug 2,58 Millionen Quadratkilometer. Seit Beginn der Aufzeichnungen 1979 sei die gemessene Fläche lediglich 15 Mal kleiner gewesen als in diesem Jahr.

Textgröße ändern: