The National Times - Autobranche gespalten: Lockerung der EU-Vorgaben könnte Elektro-Vorreiter ausbremsen

Autobranche gespalten: Lockerung der EU-Vorgaben könnte Elektro-Vorreiter ausbremsen


Autobranche gespalten: Lockerung der EU-Vorgaben könnte Elektro-Vorreiter ausbremsen
Autobranche gespalten: Lockerung der EU-Vorgaben könnte Elektro-Vorreiter ausbremsen / Foto: © AFP/Archiv

Der Wandel hin zur Elektromobilität ist laut einer Befragung von Führungskräften in der Autobranche weiter fortgeschritten als oft angenommen. Zugleich sei die Branche in "Vorreiter" und "Nachzügler" gespalten, teilte das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) am Dienstag mit. Besonders Unternehmen, die bereits stark in die Elektrifizierung investiert haben, sprechen sich demnach gegen eine Lockerung des Verbrenner-Aus und der CO2‑Flottengrenzwerte aus.

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Laut der Unternehmensbefragung in Zusammenarbeit mit der Universität Sussex in Großbritannien, für die von August bis November vergangenen Jahres insgesamt 74 Führungskräfte von Fahrzeugherstellern, Zulieferern und weiteren Unternehmen der Branche interviewt wurden, sind die Unternehmen bei der Neuausrichtung ihres Automobilgeschäfts Richtung Elektromobilität teils schon weit fortgeschritten: Mehr als 20 Prozent der befragten Firmen berichteten demnach, bereits vollständig auf E-Mobilität ausgerichtet zu sein; weitere knapp 40 Prozent gaben einen "fortgeschrittenen" Status bei der Neuausrichtung an.

Diese "Vorreiter" unterscheiden sich den Forscherinnen und Forschern zufolge von den "Nachzüglern": Denn ungefähr jedes vierte Unternehmen hat zwar bereits mit der Transformation begonnen, steht aber laut Selbsteinschätzung noch am Anfang - und jedes achte befragte Unternehmen hat sich noch nicht neu in Richtung Elektromobilität ausgerichtet.

Dabei sprechen sich der Erhebung zufolge vor allem die "Vorreiter" für die Beibehaltung des EU‑weiten Verbrenner‑Aus ab 2035 aus. "Und es sind auch diese hochinnovativen Unternehmen, die die Lockerung der CO2‑Flottengrenzwerte für Neuwagen besonders stark ablehnen", erklärte Fraunhofer ISI.

Die "Nachzügler" bevorzugten dagegen "eher eine Verlangsamung der Transformation und stufen die Beibehaltung des Verbrenner‑Aus als wenig attraktiv ein", führte das Institut aus. "Durch eine Auflockerung des Verbrenner-Ausstiegs setzt sich die Bundesregierung auf EU-Ebene also vor allem für die Nachzügler ein, zum Nachteil der innovativen Vorreiter."

In einem Strategiepapier beschreiben die Forscherinnen und Forscher angesichts dieses Befunds die Gefahr, dass die Innovationsdynamik der Branche durch die Position der Bundesregierung ausgebremst werden könnte. Dies wiederum könne die Chance der deutschen Automobilindustrie verspielen, eine Führungsposition im globalen Innovationsrennen hin zur Elektromobilität einzunehmen.

"Gerade jetzt, wo in Deutschland und auf EU‑Ebene über Flottengrenzwerte und den Ausstiegspfad aus der Verbrennertechnologie diskutiert wird, sollte Deutschland nicht nur auf die Stimmen der Nachzügler hören, sondern auch die Unternehmen ernst nehmen, die bereits in die Elektromobilität investiert haben", erklärte Projektleiterin Karoline Rogge. "Denn genau das sind die Unternehmen, die Deutschland im globalen Innovationsrennen wieder nach vorne bringen können und damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie stärken."

Ein "Zickzackkurs" schwäche hingegen "Planungssicherheit und die deutsche Innovationsstärke", kritisierte sie. "Nur mit glaubwürdiger und verlässlicher politischer Unterstützung kann die Transformation der deutschen Automobilindustrie gelingen."

S.Mitchell--TNT

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