The National Times - Rechercheverband Correctiv: Immer mehr juristische Konflikte um Trinkwasser

Rechercheverband Correctiv: Immer mehr juristische Konflikte um Trinkwasser


Rechercheverband Correctiv: Immer mehr juristische Konflikte um Trinkwasser
Rechercheverband Correctiv: Immer mehr juristische Konflikte um Trinkwasser / Foto: © AFP

Das Klima wird extremer, Niederschlagsmengen gehen zurück: Die Klimakrise ist auch in Deutschland spürbar und hat laut einem aktuellen Bericht des Rechercheverbands Correctiv immer öfter juristische Folgen. "In Deutschland landen Konflikte um die Nutzung von Wasser zunehmend vor Gericht", erklärte die Organisation am Dienstag. In den vergangenen zehn Jahren sei die Anzahl der Prozesse um die Nutzung von Trinkwasser in elf Bundesländern angestiegen.

Textgröße ändern:

So verdoppelte sich im untersuchten Zeitraum etwa die Anzahl entsprechender Gerichtsverfahren in Bayern nahezu von 17 auf 33. Auch in Baden-Württemberg stieg die Anzahl der Prozesse von sechs auf 13. Häufig standen sich in den Verfahren Kommunen und Behörden auf der einen und Unternehmen sowie Landwirte auf der anderen Seite gegenüber.

Insgesamt rund 350 Verfahren wertete der Rechercheverband aus. In den Ländern Hessen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt klagten im Zeitraum 2000 bis 2021 ausschließlich Unternehmen, Landwirte oder Wasserverbände gegen Behörden. Neben der Menge des aus dem Boden entnommenen Wassers war häufig auch der von Industrieunternehmen gezahlte Wasserpreis Gegenstand der Auseinandersetzungen.

Große Unternehmen wie RWE oder der Chemieriese BASF verbrauchten beispielsweise soviel Wasser wie mehrere deutsche Großstädte zusammen und zahlten gleichzeitig oftmals sehr niedrige Wasserpreise. Die Entnahmerechte beruhten demnach häufig auf Genehmigungen, die vor mehreren Jahrzehnten erteilt wurden. "Selten berücksichtigen sie die Klimakrise", erklärte Correctiv. Für Privatkunden seien die Wasserpreise in diesem Jahr hingegen in vielen Regionen angestiegen.

Eine politische Strategie zum Umgang mit einer zunehmenden Anzahl von Auseinandersetzungen um Trinkwasser sei indes nicht vorhanden, kritisierte der Rechercheverband. "Wasserknappheit ist in vielen Regionen schon jetzt Realität: In Niedersachsen fürchten Landwirtinnen und Landwirte um das Wasser für ihre Felder". Auch in Hamburg und Hessen gebe es entsprechende Auseinandersetzungen.

"Trotz dieser Entwicklungen agiert die Bundespolitik behäbig", kritisierte Correctiv. Die umweltpolitische Sprecherin der CDU, Anja Weisgerber, sagte dem Rechercheverband auf Anfrage, dass die Ampel-Koalition den "bereits vorliegenden Entwurf der Nationalen Wasserstrategie endlich zu einem Projekt der gesamten Bundesregierung" machen müsse. Dieser Entwurf sieht laut Correctiv eine Umsetzung von Maßnahmen jedoch erst im Zeitraum 2030 bis 2050 vor. Zudem fehle eine "einheitliche und bundesweite Vorrangregelung für den Fall, dass das Wasser knapp wird", berichtete Correctiv weiter.

T.Allen--TNT

Empfohlen

Monopolkommission kritisiert "Labyrinth" bei Stromhilfen - und sieht KI-Defizite

Bei den Strompreisen in Deutschland ist nach Auffassung der Monopolkommission eine breite Entlastung sinnvoller als ein "Labyrinth der Sonderregeln". Die Bundesrepublik habe über die Jahre ein System aufgebaut, "das kaum noch zu überblicken ist und vor allem große Verbraucher begünstigt, während kleinere Unternehmen oft leer ausgehen", erklärte das unabhängige Expertengremium, das die Bundesregierung in Wettbewerbsfragen berät und am Donnerstag sein neues Hauptgutachten vorlegte.

Trump meidet bei Abflug vom Nato-Gipfel Air Force One aus Katar

US-Präsident Donald Trump hat bei seinem Abflug vom Nato-Gipfel in der Türkei überraschend auf den neuen Luxusflieger aus Katar verzichtet, mit dem er angereist war. Stattdessen hob Trump am Mittwoch mit einer Ausweichmaschine seiner alten Air-Force-One-Flotte aus Ankara ab. Diese landete später für einen Zwischenstopp in Großbritannien. Dort stieg Trump in die Katar-Maschine um. Begleitet wurde dies von Spekulationen, der katarische Flieger habe Sicherheitsmängel und könne zum Ziel eines iranischen Angriffs werden.

OpenAI gibt neues KI-Modell für breite Öffentlichkeit frei

Das US-Unternehmen OpenAI gibt am Donnerstag sein neues leistungsstarkes Modell für Künstliche Intelligenz (KI) für die breite Öffentlichkeit frei. GPT-5.6 soll dann frei zugänglich sein, wie das Unternehmen mitteilte. Auf Druck der US-Regierung hatte OpenAI das Analyse- und Programmiermodell zunächst nur einer begrenzten Zahl heimischer Unternehmen zur Verfügung gestellt.

Studie attestiert Bundesbürgern verzerrte Wahrnehmung ihrer Kaufkraft

Bei vielen Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern klafft einer Studie zufolge eine Lücke in der Wahrnehmung, wie viel Geld sie für den Konsum zur Verfügung haben. Es gebe eine "erhebliche Diskrepanz zwischen wahrgenommener und gemessener Entwicklung der verfügbaren Realeinkommen", teilte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung am Mittwoch mit. Obwohl inflationsbedingte Einbußen im Schnitt schon 2024 wieder ausgeglichen worden seien, fühle sich eine Mehrheit "immer noch schlechter gestellt".

Textgröße ändern: