The National Times - Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Katar

Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Katar


Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Katar
Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Katar / Foto: © SID

MAX VERSTAPPEN: Natürlich musste es ein Sieg sein. Max Verstappen bewies nach seiner Krönung am Samstag, dass er auch als dreimaliger Weltmeister weiterhin nur Gewinnen im Kopf hat. Vom Start abgesehen, war der 49. Formel-1-Erfolg des Red-Bull-Piloten ungefährdet. Fünf Rennwochenenden bleiben ihm in diesem Jahr noch, um ohne großen Druck weiter Geschichte zu schreiben. Die meisten Siege und die meisten Punkte in einer Saison winken, auch einen größeren Vorsprung auf den Vizeweltmeister hatte noch kein Champion in 74 Saisons.

Textgröße ändern:

SERGIO PEREZ: Dieser WM-Zweite, so sah es lange aus, wird Sergio Perez heißen. Wohlgemerkt, obwohl die Saison des Mexikaners von mehr Tiefen als Höhen geprägt war. Doch die Fehler des Routiniers nehmen mittlerweile überhand, aus dem gleichen Material wie Verstappen macht Perez erschreckend wenig. Seine Qualifyings sind chronisch schwach, dadurch bringt er sich in den Rennen immer wieder in Bedrängnis. Noch steht die Teamspitze zu ihm, verweist auf den Vertrag bis Ende 2024. Doch mittlerweile wird jedes Bekenntnis mit einem leisen "aber" versehen. Es gibt Alternativen beim Schwesterteam AlphaTauri, namentlich Daniel Ricciardo, Liam Lawson und Yuki Tsunoda. Wenn die Überlegenheit von Red Bull 2024 nicht mehr so gigantisch sein sollte wie bislang und das Team auch auf eine starke Nummer zwei angewiesen ist, dürften die Tage von Perez gezählt sein.

MCLAREN: Der miserabel in die Saison gestartete Traditionsrennstall schwingt sich auf zum potenziellen ersten Red-Bull-Widersacher, da sich Mercedes, Ferrari und Aston Martin beim Schwächeln munter abwechseln. Oscar Piastri gewann den Sprint in Katar, Teamkollege Lando Norris wäre Verstappen mit besseren Qualifyings in beiden Läufen wohl gefährlich geworden. Das junge und unerschrockene Fahrerduo von McLaren hat den Speed und das Feuer. Die Frage ist: Was leistet das papayafarbene Auto auf Strecken, die nicht so flüssig sind wie Japan zuletzt und nun Katar?

MERCEDES: Die erste Kurve in Katar erinnerte beim ersten Blick an Barcelona 2016 und den Crash zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Beim zweiten Hinsehen muss man attestieren, dass sogar vieles anders ist. Rosberg ist im mittlerweile Ruhestand, Mercedes nicht mehr das Topteam der Formel 1 und vor allem: Lewis Hamilton nahm diesmal die Schuld für den Crash der Teamkollegen voll auf sich. Damit kehrte schnell wieder Ruhe ein bei Mercedes. Kein neuer "Krieg der Sterne". Doch auch hier lohnt sich ein genauerer Blick: Dass das Verhältnis zwischen dem deutlich älteren Rekordweltmeister Hamilton und seinem früherem Fan Russell nicht mehr frei von Spannungen ist, haben die letzten Wochen und Monate gezeigt. Und: In Katar warf Hamilton die bislang größte Chance auf einen Sieg für das Team in diesem Jahr weg, indem er sein Rennen und das von Russell zerstörte.

NICO HÜLKENBERG: Fast ganz hinten kam wieder mal der einzige Deutsche ins Ziel. Nico Hülkenberg wäre im unterlegenen Haas auch bei einem perfekten Rennen wieder an den Punkten vorbeigefahren, das darf man getrost behaupten. Doch er beging auch selbst einen kapitalen Fehler, indem er sich in der Startaufstellung in die falsche Box stellte. Das habe er "verkackt", gab der Routinier im Anschluss entwaffnend ehrlich zu. Zum Heimrennen in Austin in zwei Wochen bekommt sein Haas viele neue Teile. Dann muss es besser werden - auf ganzer Linie.

DIE BEDINGUNGEN: Die Hitze setzte den Piloten zu wie selten zuvor. Die beiden Williams-Fahrer mussten mit Symptomen von Dehydrierung gar ins Medical Center, fast alle Fahrer sprachen von Bedingungen an der Grenze und kühlten ihre Körper so gut es ging herunter. In ihrem Wahn, den Rennkalender möglichst voll zu packen und alle Märkte zu bedienen, stößt auch die Formel 1 ans Limit. Anfang Oktober ist Katar selbst bei Dunkelheit in einem engen, heißen Rennwagen eine Sauna. George Russell sprach von einem Fön, der einem 57 Runden lang ins Gesicht bläst. Wenig ruhmreich war auch die Reifenthematik: Die Pneus lösten sich gefährlich früh auf, selbst kurzfristige Anpassungen an der Strecke änderten nichts. Streckendesigner Hermann Tilke sagte, das Problem habe die FIA hausgemacht, andere zeigten auf Reifenhersteller Pirelli. Die Folge war in jedem Fall ein Imageverlust: Die Piloten mussten aus Sicherheitsgründen mindestens drei Reifenwechsel im Rennen einlegen. Dadurch hatten sie weniger taktische Möglichkeiten im Rennen, der Grand Prix litt dadurch.

SPRÜCHE DES WOCHENENDES: "Es ist okay. Ich habe schon zwei davon zuhause, die sehen alle gleich aus." (Max Verstappen auf die Frage, ob es ihn störe, dass er noch einige Wochen auf seinen WM-Pokal warten muss.)

"Außerhalb des Autos ist er der perfekte Schwiegersohn, im Auto ist das ganz anders." (Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko über Verstappen)

"Es war am Limit heute, extrem heiß. Das heißeste Rennen meiner Karriere. Dagegen ist Singapur ein Furz. Ich brauche jetzt erst mal 'ne Eistonne." (Nico Hülkenberg)

Lewis--TNT

Empfohlen

Nach Blitz-Gegentor: Bayern patzt beim FCA

Der FC Bayern hat nach einem haarsträubenden Patzer von Manuel Neuer und dem schnellsten Gegentor der Bundesliga-Geschichte einen Dämpfer hinnehmen müssen und den Sprung an die Spitze verpasst: Die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany kam zum Start in einen heißen Herbst im bayerisch-schwäbischen Derby beim FC Augsburg nicht über ein 2:2 (0:1) hinaus und konnte das Remis von Borussia Dortmund nicht ausnutzen.

Inklusive Andrich-Hammer: Leverkusen holt ersten Auswärtssieg

Dank eines Blitzstarts und viel Offensivpower hat Bayer Leverkusen in der Fußball-Bundesliga den ersten Auswärtssieg der Saison eingefahren. Beim FSV Mainz 05 behielt die Werkself in einem wilden Spiel mit 4:3 (2:2) die Oberhand. Trotz erneuter Schwierigkeiten spielt Bayer mit dem neuen Trainer Carles Martínez früh um die Champions-League-Plätze, ausgerechnet Robert Andrich brachte das Team früh auf Kurs.

Historisches Solo: Seixas triumphiert in der Lombardei

Wunderkind Paul Seixas ist bei der 120. Ausgabe der legendären Lombardei-Rundfahrt mit dem ersten großen Sieg seiner Karriere in die Geschichtsbücher des Radsports gestürmt. In Abwesenheit des verletzten Dauersiegers Tadej Pogacar triumphierte der Franzose als Solist, mit 20 Jahren und 16 Tagen ist Seixas der jüngste Gewinner des fünften und letzten Monuments des Jahres.

Perfektes Wochenende fortgesetzt: Verstappen auf der Pole

Red-Bull-Star Max Verstappen hat sein perfektes Wochenende in Singapur fortgesetzt und sich erstmals die Pole Position für das Nachtrennen gesichert. Der viermalige Formel-1-Weltmeister, der zuvor bereits den verregneten letzten Sprint des Jahres gewonnen hatte, drehte bei trockenen Bedingungen in 1:31,373 Minuten die beste Rundenzeit. Verstappen greift nun am Sonntag (14.00 Uhr MESZ/Sky) nach seinem ersten Grand-Prix-Sieg in Singapur.

Textgröße ändern: