The National Times - Frankreich will Abschiebung von Migranten erleichtern

Frankreich will Abschiebung von Migranten erleichtern


Frankreich will Abschiebung von Migranten erleichtern
Frankreich will Abschiebung von Migranten erleichtern / Foto: © AFP/Archiv

Frankreich will die Abschiebung von Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis erleichtern und zugleich in Branchen mit Personalmangel das Einstellen ausländischer Arbeiter vereinfachen. "Es gibt mehr Härte, (...) aber auch Initiativen zur Regularisierung", sagte Arbeitsminister Olivier Dussopt der Zeitung "Le Monde" (Mittwochsausgabe).

Textgröße ändern:

Frankreich hatte im vergangenen Jahr 122.000 Migranten zur Ausreise aufgefordert. Lediglich 17.000 von ihnen verließen das Land im Rahmen einer freiwilligen Rückkehr oder weil sie abgeschoben wurden. Die geringe Zahl der Ausreisen von Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis war in den vergangenen Wochen in Frankreich zum Thema geworden, nachdem einer Algerierin, die das Land hätte verlassen sollen, die Tötung einer Zwölfjährigen zur Last gelegt worden war.

"Wir werden künftig alle Migranten mit Ausreiseaufforderung als gesuchte Personen registrieren", kündigte Innenminister Gérard Darmanin in "Le Monde" an. So könne besser verfolgt werden, wer von ihnen tatsächlich Frankreich verlasse. "Der Präfekt soll ihnen das Leben unmöglich machen und beispielsweise dafür sorgen, dass sie weder Sozialleistungen noch eine Sozialwohnung bekommen. Wir legen einen härteren Gang ein", sagte Darmanin. Er wolle auch die Möglichkeiten einschränken, Widerspruch einzulegen.

Das grundsätzliche Abschiebeverbot für Migranten, die bei ihrer Ankunft jünger als 13 Jahre alt waren, soll den Angaben zufolge gekippt werden. Richter sollen künftig im Einzelfall entscheiden.

Asylverfahren sollen zudem weiter beschleunigt werden. "Es dauert manchmal zwei Jahre, bevor eine Person abschiebbar wird. Das lässt ihr Zeit, eine schwarz bezahlte Arbeit zu finden und möglicherweise Kinder in die Welt zu setzen", sagte Darmanin. Es Zehntausende, die schwierig abschiebbar seien, obwohl sie eigentlich eine Ausreiseaufforderung hätten, bedauerte der Minister. "Wir dürfen keine Zeit lassen, in der Rechte entstehen, die den legalen Entscheidungen der Präfektur widersprechen", sagte Darmanin.

Arbeitsminister Dussopt kündigte seinerseits eine neue Aufenthaltserlaubnis für Branchen mit Personalmangel an. "Es geht um Posten, die ohnehin schon von Migranten ohne Papiere besetzt sind", betonte Dussopt an die Adresse der Rechtspopulisten des Rassemblement National (RN), die fordern, bei der Vergabe von Arbeitsplätzen grundsätzlich Franzosen zu bevorzugen.

Rechte und rechtspopulistische Oppositionspolitiker kritisierten die Vorschläge umgehend als zu liberal und kündigten an, dagegen zu stimmen. "Das läuft auf eine Massen-Regularisierung hinaus, das wäre verrückt", sagte der Abgeordnete Aurélien Pradié, der für den Parteivorsitz der konservativen Republikaner kandidiert. Der Abgeordnete Jean-Philippe Tanguy vom rechtspopulistischen RN rief dazu auf, besser "französische Arbeitslose" auszubilden anstatt Migranten einzustellen.

Der Gesetzentwurf soll Anfang 2023 in der Nationalversammlung debattiert werden. Präsident Emmanuel Macron hatte erst 2019 ein Einwanderungsgesetz auf den Weg gebracht, das die Asylverfahren beschleunigen sollte. Seit der RN von Marine Le Pen im April die größte Oppositionsfraktion in der Nationalversammlung stellt, bekommt das Thema Einwanderung erhöhte Aufmerksamkeit.

A.Parker--TNT

Empfohlen

Scharfe Kritik an Stopp von Stolpersteinen in sächsischem Heidenau

Der Stopp von Stolpersteinen im sächsischen Heidenau stößt auf Kritik und entsetzte Reaktionen. Israels Botschafter Ron Prosor erklärte am Freitag: "Ich bin beschämt". Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sprach von einem "Skandal".

Friedensorganisation: Bundesregierung konterkariert Ziel einer atomwaffenfreien Welt

Die Bundesregierung untergräbt laut der Friedensorganisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) das Ziel einer atomwaffenfreien Welt. "Statt auf eine Eindämmung des Vernichtungsrisikos zu setzen, beteiligt sich die Bundesregierung an nuklearer Eskalation durch die Modernisierung ihrer Atombomber und Bestrebungen hin zu einer Teilhabe an der französischen Atombombe", erklärte der IPPNW-Vorsitzende Lars Pohlmeier am Freitag anlässlich des internationalen Tags für die Abschaffung der Atomwaffen am Samstag.

Mehr als hunderttausend Studierende warten auf Wohnheimplätze in Deutschland

Mehr als hunderttausend Studierende warten derzeit in Deutschland auf Wohnheimplätze. Wie das Deutsche Studierendenwerk (DSW) am Freitag in Berlin mitteilte, waren Mitte September allein in München und Aachen noch jeweils mehr als zehntausend Wartende zu verzeichnen. Grund für die extrem langen Wartelisten für die Wohnheimplätze der Studierendenwerke sei der hohe Kostendruck bei den Mieten, erklärte der DSW-Vorstandsvorsitzende Matthias Anbuhl.

Zentralratspräsident Schuster für Prüfung der Beobachtung der Berliner Linken

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hat sich für die Prüfung der Beobachtung der Berliner Linken durch den Verfassungsschutz ausgesprochen. Er halte dies "generell für richtig und wichtig, wenn in Parteien extremistische Einstellungen geäußert werden und dies zum Teil auch unwidersprochen geschieht", sagte Schuster in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. Er äußerte dabei Zweifel, dass die Berliner Linke ein verlässlicher Partner im Kampf gegen Antisemitismus sein könne.

Textgröße ändern: