The National Times - Britische Regierung kippt Konjunktur- und Steuersenkungspaket fast vollständig

Britische Regierung kippt Konjunktur- und Steuersenkungspaket fast vollständig


Britische Regierung kippt Konjunktur- und Steuersenkungspaket fast vollständig
Britische Regierung kippt Konjunktur- und Steuersenkungspaket fast vollständig / Foto: © AFP

Demütigung für Premierministerin Liz Truss: Der neue britische Finanzminister Jeremy Hunt hat das erst vor drei Wochen von der Regierung angekündigte Konjunktur- und Steuersenkungspaket fast vollständig gekippt. Wie Hunt am Montag in einer Fernsehansprache und im Parlament sagte, werden "fast alle" Steuerpläne rückgängig gemacht. Nach diesem Rückzieher scheinen nach Ansicht von Beobachtern die Tage von Truss in der Downing Street gezählt.

Textgröße ändern:

Priorität für die Regierung habe vorerst die Wiederherstellung der "Stabilität", sagte Hunt bei der Vorstellung von Eckpunkten seines neuen Haushaltsplans. Später sagte er im Parlament, Truss und er seien am Sonntag übereingekommen, "fast alle" Steuerpläne zurückzunehmen. Er kündigte die Einrichtung eines Beratergremiums in Wirtschaftsfragen an, dem vier Experten von außerhalb der Regierung angehören sollten.

"Keine Regierung kann die Märkte kontrollieren, aber jede Regierung kann Gewissheit über die Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen geben", sagte Hunt im Parlament. Sein Vorgehen ließ das britische Pfund gegenüber dem Dollar und dem Euro in die Höhe schnellen, während die Anleiherenditen sanken.

"Ich fürchte, es wird weitere schwierige Entscheidungen geben, sowohl bei den Steuern als auch bei den Ausgaben, wenn wir unsere Verpflichtung erfüllen, den Anteil der Schulden an der Wirtschaft mittelfristig zu senken", warnte Hunt. Alle Ressorts müssten ihre Anstrengungen verdoppeln, um Einsparungen zu erzielen, und einige Ausgabenbereiche müssten gekürzt werden.

Sein Ministerium wolle auch überprüfen, ob ein kostspieliges Einfrieren der Gas- und Strompreise über diesen Winter hinaus beibehalten werden kann, kündigte Hunt bei seiner Fernsehansprache an. Nach der Überprüfung solle festgelegt werden, wie die Regierung die massiv gestiegenen Rechnungen für Strom und Gas "über April kommenden Jahres hinaus" subventionieren werde. Der Haushaltsplan soll am 31. Oktober komplett stehen.

Premierministerin Truss hatte erst am Freitag ihren Vertrauten, den bisherigen Finanzminister, Kwasi Kwarteng gefeuert und durch Ex-Außenminister Hunt ersetzt. Ein vor drei Wochen von Kwarteng angekündigtes Steuersenkungspaket hatte wegen einer drohenden hohen Staatsverschuldung für Unruhe an den Finanzmärkten gesorgt, die Zinsen für britische Staatsanleihen in die Höhe schießen und das Pfund einbrechen lassen.

Truss wollte sich am Montagabend mit Parlamentsabgeordneten treffen. Die Premierministerin steht seit Tagen massiv unter Druck. Ihr Steuersenkungspaket hatte zu Kopfschütteln und heftigem Unmut auch in den Reihen der konservativen Regierungspartei geführt.

Das Paket, mit dem die Regierung das Wirtschaftswachstum ankurbeln und die hohe Inflation dämpfen wollte, sah unter anderem eine Steuersenkung für Spitzenverdiener und ein kostspieliges Einfrieren der Gas- und Strompreise vor. Anleger fürchteten eine Anhäufung neuer Schuldenberge.

Truss nahm bereits die geplante Steuersenkung für Reiche zurück, sah sich aber weiter harscher Kritik und Rücktrittsforderungen ausgesetzt. Britische Medien spekulierten am Wochenende bereits über ihre Nachfolge.

Die oppositionelle Labour-Partei warf den regierenden Tories vor, für "Chaos und Fiasko" verantwortlich zu sein. "Dies ist eine Tory-Krise, die in Downing Street gemacht wurde, aber die normalen Arbeiter zahlen den Preis", sagte Labours finanzpolitische Sprecherin Rachel Reeves im Parlament.

P.Sinclair--TNT

Empfohlen

Peseschkian sieht Entscheidung über Ende des Iran-Kriegs bei den USA

Irans Präsident Massud Peseschkian sieht die Entscheidung über ein Ende des Iran-Kriegs bei den USA. "Wir wollen nicht weitermachen", sagte Peseschkian dem US-Sender Fox News in einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview. "Amerika muss entscheiden, ob es dies beenden will oder nicht", sagte er laut der Übersetzung des Senders. Dem Iran sei der Krieg "aufgezwungen" worden. Verantwortlich dafür seien "von Israel ausgehende Provokationen".

Xi von Trump zu Staatsbankett im Weißen Haus empfangen

US-Präsident Donald Trump hat Chinas Staatschef Xi Jinping und dessen Frau Peng Liyuan zu einem Staatsbankett im Weißen Haus empfangen. Unter den geladenen Gästen am Donnerstagabend waren auch die Spitzen der US-Tech-Elite, darunter Tesla-Chef Elon Musk, Nvidia-Chef Jensen Huang und OpenAI-Chef Sam Altman. Die Gästeliste unterstrich die Bedeutung von Konfliktthemen wie Künstliche Intelligenz (KI) und Handel bei Xis Besuch.

Pistorius trifft neuen ungarischen Verteidigungsminister in Budapest

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) reist am Freitag zu politischen Gesprächen nach Ungarn. Im Mittelpunkt des Besuchs in Budapest steht der Austausch mit seinem neuen ungarischen Amtskollegen Romulusz Ruszin-Szendi über die Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich. Für 12.15 Uhr ist zunächst eine Kranzniederlegung am Denkmal des Unbekannten Soldaten auf dem Heldenplatz geplant, gegen 13.00 Uhr beginnen die Beratungen. Um 14.00 Uhr wollen beide Minister vor die Presse treten.

Wadephul trifft bei Kanada-Besuch Außenministerin und Verteidigungsminister

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) setzt am Freitag seine Nordamerika-Reise mit politischen Gesprächen in Ottawa fort. Zunächst trifft er dort seine kanadische Amtskollegin Anita Anand. Für 11.25 Uhr Ortszeit (17.25 Uhr MESZ) ist eine gemeinsame Begegnung mit der Presse vorgesehen. Wadephul war bereits am Donnerstag von New York nach Ottawa geflogen. In New York hatte er die UN-Generaldebatte verfolgt.

Textgröße ändern: