The National Times - Zwei israelische Soldaten im Westjordanland getötet - Netanjahu droht mit Großoffensive

Zwei israelische Soldaten im Westjordanland getötet - Netanjahu droht mit Großoffensive


Zwei israelische Soldaten im Westjordanland getötet - Netanjahu droht mit Großoffensive
Zwei israelische Soldaten im Westjordanland getötet - Netanjahu droht mit Großoffensive / Foto: © AFP

Zwei bewaffnete Palästinenser haben an einem Kontrollpunkt nahe Hebron im besetzten Westjordanland zwei israelische Soldaten getötet und drei weitere verletzt. Die beiden Angreifer wurden bei dem Schusswechsel am Freitag getötet, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP vor Ort berichtete. Regierungschef Benjamin Netanjahu kündigte als Reaktion auf den Angriff an, das Westjordanland "vollständig" abzuriegeln. Außerdem drohte er eine großangelegte Militäroffensive an, wie es sie seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 nicht gegeben habe.

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Die Angreifer eröffneten am Morgen mit einer Pistole und einem automatischen Gewehr das Feuer auf israelische Soldaten. Ein AFP-Fotograf beobachtete den Schusswechsel und sah anschließend die Leichen der von den Streitkräften erschossenen Palästinenser neben einer Tankstelle. Israelischen Medienberichten zufolge dauerte die Schießerei etwa 20 Minuten.

Der israelische Rettungsdienst Magen David Adom meldete zunächst fünf Verletzte, darunter zwei Schwerverletzte. Später bestätigte die Armee den Tod der beiden 20 und 23 Jahre alten Soldaten und erklärte, die übrigen drei seien leicht verletzt worden. Netanjahu besuchte nach dem Angriff Hebron, wo er das Vorgehen der Soldaten würdigte. Sie hätten einen "schweren Terroranschlag" verhindert, sagte er.

"Der Verteidigungsminister und ich erwägen eine sehr weitreichende Militäroperation in Judäa und Samaria, wie es sie seit dem Sechstagekrieg nicht mehr gegeben hat", erklärte Netanjahu und verwendete dabei die biblischen Namen für das Westjordanland. "Die Armee ist bereit, sie auszuführen, und wir werden den Zeitpunkt festlegen. Aber sie wird kommen."

Für einen ersten Einsatz kündigte Netanjahu an: "Wir werden die Bewohner evakuieren, wir werden von Haus zu Haus gehen, wir werden auch dort die Waffen beschlagnahmen, und die gesamte terroristische Infrastruktur wird angegangen und zerstört werden." Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, im Raum Hebron solle nach dem Vorbild der israelischen Militäroperation in Flüchtlingslagern im nördlichen Westjordanland vorgegangen werden.

Netanjahu ordnete zudem eine "vollständige Abriegelung" des Westjordanland an. Hebron und die benachbarte Stadt Halhul seien bereits abgeriegelt worden, erklärte er. Die Armee teilte mit, sie habe im Raum Hebron "Anti-Terror-Einsätze" begonnen und durchsuche Häuser von Verdächtigen. Netanjahu sprach auch von großangelegten Festnahmewellen.

Die Ankündigungen erfolgten vier Tage vor der israelischen Parlamentswahl am Dienstag, bei der Netanjahu eine weitere Amtszeit anstrebt. Der Regierungschef ließ alle für Freitag geplanten Wahlkampfveranstaltungen seiner Likud-Partei absagen. Sein wichtigster Herausforderer, der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot, würdigte den "Mut der Soldaten", die einen schweren Anschlag verhindert hätten.

Netanjahus rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich verlangte eine Militäroffensive im Westjordanland "genau wie im Gazastreifen". Die Palästinensische Autonomiebehörde müsse zerschlagen, Waffen müssten eingesammelt und "Terroristen eliminiert" werden, erklärte er. Smotrich, der auch ein Amt im Verteidigungsministerium bekleidet, ordnete nach eigenen Angaben den sofortigen Abriss zahlreicher aus seiner Sicht illegaler palästinensischer Bauten nahe dem Tatort an.

Der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir forderte ebenfalls die Auflösung und Entmilitarisierung der Palästinensischen Autonomiebehörde. "Wir dürfen nicht warten, bis sich ein 7. Oktober im Westjordanland ereignet", warnte er. Hinweise darauf, dass die Autonomiebehörde an dem Angriff beteiligt war, lagen nicht vor.

Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas begrüßte den Angriff als "heldenhafte Operation", bekannte sich aber nicht dazu. Sie sprach von einer Reaktion auf die Gewalt gegen Palästinenser und rief zu weiteren Angriffen auf. Netanjahu kündigte an, Hamas-Mitglieder "überall und jederzeit" aufzuspüren.

Anfang 2025 hatte Israels Armee einen großangelegten Militäreinsatz in Flüchtlingslagern im nördlichen Westjordanland begonnen. Nach UN-Angaben durften bis Juli dieses Jahres 33.362 vertriebene Palästinenser aus drei Lagern nicht zurückkehren. Israelische Soldaten sind weiterhin in den Lagern von Dschenin und Tulkarem präsent. Zahlreiche Häuser wurden dort abgerissen.

Israel hält das Westjordanland seit 1967 besetzt. Dort leben etwa drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler, deren Siedlungen nach dem Völkerrecht illegal sind. Hebron ist in einen palästinensisch verwalteten und einen von der israelischen Armee kontrollierten Teil mit israelischen Siedlern aufgeteilt. Zuletzt verschärften Siedlerangriffe auf palästinensische Olivenbauern die Spannungen.

Seit dem Hamas-Großangriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 wurden im Westjordanland nach einer AFP-Zählung anhand palästinensischer Gesundheitsdaten mindestens 1113 Palästinenser getötet, die meisten von ihnen durch israelische Soldaten. Nach UN-Angaben waren darunter 37 von Siedlern getötete Menschen. Israelischen Angaben zufolge kamen im selben Zeitraum mindestens 49 Israelis ums Leben.

I.Paterson--TNT

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