The National Times - Pflegereform: Expertenkommission nimmt Arbeit auf - erste Ergebnisse Ende Januar

Pflegereform: Expertenkommission nimmt Arbeit auf - erste Ergebnisse Ende Januar


Pflegereform: Expertenkommission nimmt Arbeit auf - erste Ergebnisse Ende Januar
Pflegereform: Expertenkommission nimmt Arbeit auf - erste Ergebnisse Ende Januar / Foto: © AFP/Archiv

Eine Fachkommission aus Gesundheitsexperten und Juristen soll in den kommenden Monaten Vorschläge für eine tiefgreifende Pflegereform erarbeiten. Das Kabinett beschloss am Mittwoch die Einsetzung der sogenannten Pflegestrukturkommission, die bis Ende Januar erste Vorschläge präsentieren soll. Lediglich einen Prüfauftrag hat sie für die umstrittene Forderung aus der SPD nach einer Deckelung der Eigenanteile bei den Pflegekosten. Kritik kam an der Zusammensetzung des Gremiums.

Textgröße ändern:

Ende September hatte das Bundeskabinett eine erste Stufe der Pflegereform auf den Weg gebracht, die kurzfristig die akute Unterfinanzierung der Pflegekassen lindern soll. Eine tiefer greifende Strukturreform, die das Pflegesystem über die kommenden Jahre hinweg stabilisieren soll, wurde auf das kommende Jahr verschoben. Die Regierung will hier zunächst die Empfehlungen der Fachkommission abwarten. In Kraft treten soll die neue Pflegereform dann zum 1. Juli 2027.

"Die Kosten laufen aus dem Ruder – und gleichzeitig bekommen Menschen zu oft nicht genau die Versorgung, die sie brauchen", erklärte Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU). Die Koalition müsse also dafür sorgen, dass Pflege bezahlbar bleibe und dort ankomme, wo sie benötigt wird.

Die Kommission hat folgende große Aufgaben: Sie soll die Ausgaben von sozialer und privater Pflegeversicherung analysieren und Maßnahmen für eine nachhaltige Finanzierung erarbeiten. In diesen Bereich fällt auch die Prüfung einer Begrenzung der Eigenanteile. Zu einer weiteren SPD-Forderung nach einem Ausgleich zwischen gesetzlicher und privater Versicherung, heißt es, die Kommission solle "Modelle für verfassungskonforme soziale Ausgleichsmechanismen prüfen".

Die Kommission soll außerdem Vorschläge für eine effizientere und bessere Pflegeversorgung erarbeiten. Dazu gehören eine Stärkung der häuslichen Pflege und der Prävention sowie die Untersuchung, welche möglichen Fehlanreize das Prinzip "ambulant vor stationär" gefährden.

Den Vorsitz der Kommission übernehmen der frühere Caritas-Generalsekretär Georg Cremer und die Juristin und Präsidentin der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin, Gabriele Kuhn-Zuber. Weiterhin gehört der Kommission eine Reihe von Juristen und wissenschaftlichen Expertinnen aus dem Gesundheitsbereich an. Eine Nachnominierung weiterer Mitglieder ist ebenso möglich wie das Heranziehen zusätzlicher wissenschaftlicher Expertise.

"Wir sind enttäuscht, dass in der Pflegestrukturkommission diejenigen fehlen, die tagtäglich Verantwortung für die pflegerische Versorgung übernehmen", kritisierte der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe. Wissenschaftliche Expertise sei wichtig, reiche allein aber nicht aus. Es fehlten die Pflegeeinrichtungen und deren Träger.

Der Chef der Krankenkasse DAK-Gesundheit, Andreas Storm, zweifelte den Zeitplan an: "Vor dem Gremium liegt jetzt eine Herkulesaufgabe", sagte er der "Rheinischen Post". Noch fehle ihm allerdings "die Phantasie, wie in der Kürze der Zeit bis Ende Januar ein umfassendes und tragfähiges Reformkonzept vorgelegt werden soll". Der GKV-Spitzenverband forderte, unmittelbar nach Vorlage der Vorschläge im Januar müsse die Gesetzgebung beginnen.

Die privaten Kassen schickten vor dem Hintergrund der Diskussion über einen Finanzausgleich eine Warnung an die Kommission: Diese könne die Verfassung nicht außer Kraft setzen "und sollte es auch nicht versuchen". Gerade in turbulenten Zeiten müsse das Vertrauen in Rechtsstaatlichkeit und Eigentumsgarantie gewahrt bleiben, erklärte der Verband der Privaten Krankenversicherung.

Die Unionsfraktion forderte von der Kommission "konkrete Vorschläge und keine weitere Vertagung". Die Probleme seien bekannt, nun gehe es um Entscheidungen, erklärte die gesundheitspolitische Sprecherin Simone Borchardt (CDU).

W.Baxter--TNT

Empfohlen

Sondierungsunterbrechung in Berlin: SPD fordert Erklärung von Linkspartei

Nach der Unterbrechung der rot-grün-roten Sondierungsgespräche in Berlin hat die SPD die Linke aufgefordert, sich zu gemeinsam getroffenen Absprachen zu bekennen. Die Linke müsse deutlich machen, "wie sie zu unserer Vereinbarung steht und auf den verabredeten gemeinsamen Pfad zurückkehren will, um unsere Sondierungen fortzusetzen", erklärten die Berliner SPD-Landeschefs Bettina König und Steffen Krach am Mittwoch in der Bundeshauptstadt.

Rechenzentrum von größter russischer Bank von Drohne getroffen

In der südrussischen Stadt Balakowo ist ein Rechenzentrum der größten russischen Bank Sberbank von einer Drohne getroffen worden. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass am Mittwoch unter Berufung auf den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Alexander Wedjachin meldete, laufen alle Systeme und Dienste normal weiter. Laut Angaben des Regionalgouverneurs wurde bei dem Angriff in Balakowo ein Mensch getötet.

Kabinett macht Weg frei für Zuckersteuer

Nach langem Ringen um eine Steuer auf zuckergesüßte Getränke hat sich die Bundesregierung auf einen Gesetzentwurf geeinigt. Die Steuer solle die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung stabil halten und einen wichtigen Beitrag "zum Schutz der Gesundheit vor allem von Kindern und Jugendlichen" leisten, hob das Bundesfinanzministerium hervor. Aus der Getränkewirtschaft kamen indes erneut Warnungen vor einer massiven Belastung.

Polizist aus Baden-Württemberg soll fast 250.000 Euro veruntreut haben - Anklage

Weil er im großen Stil bei Verkehrskontrollen in Baden-Württemberg eingenommenes Bargeld veruntreut haben soll, hat die Staatsanwaltschaft Mosbach Anklage gegen einen Polizisten erhoben. Ihm werden 153 Fälle sowie Nötigung und Urkundenfälschung vorgeworfen, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Demnach soll der Beamte des Polizeipräsidiums Heilbronn die Taten spätestens ab Ende Oktober 2021 begangen haben.

Textgröße ändern: