The National Times - Hunderttausende bei Schülerprotesten in Frankreich auf den Straßen

Hunderttausende bei Schülerprotesten in Frankreich auf den Straßen


Hunderttausende bei Schülerprotesten in Frankreich auf den Straßen
Hunderttausende bei Schülerprotesten in Frankreich auf den Straßen / Foto: © AFP

Unterstützt von Gewerkschaften haben sich in Frankreich am Dienstag hunderttausende Menschen an den seit Wochen andauernden Schülerprotesten beteiligt. Nach Gewerkschaftsangaben gab es landesweit Kundgebungen mit insgesamt 450.000 Menschen Teilnehmern, davon 100.000 allein in Paris. In mehreren Städten kam es zu Ausschreitungen, bei denen die Polizei Tränengas und Wasserwerfer einsetzte.

Textgröße ändern:

Das Innenministerium gab am Nachmittag niedrigere Teilnehmerzahlen bekannt, 256.000 landesweit sowie 56.000 in der Hauptstadt. Zu den Protestaktionen am Dienstag hatten erstmals auch mehrere Gewerkschaften und Oppositionsparteien aufgerufen.

In Lyon lieferten sich junge Demonstranten und Sicherheitskräfte gewaltsame Auseinandersetzungen, bei denen Böller geworfen und Barrikaden in Brand gesetzt wurden. In Rennes setzte die Polizei Wasserwerfer gegen die Demonstrierenden ein. In Paris sprach die Polizei von etwa "300 feindlich gesinnten Personen", die versucht hätten, die Sicherheitskräfte anzugreifen.

In Metz wurde ein Polizist wegen mutmaßlicher sexueller Belästigung einer 14-Jährigen bei deren Festnahme festgenommen. Ein Video zeigte den Mann, wie er ein junges Mädchen am Boden festhält und ihr dabei an die Brust greift. Die Polizei leitete eine weitere interne Ermittlung ein.

Bislang ermittelt die Polizeiaufsicht bereits zu zehn Vorfällen, bei denen Jugendliche teils schwer verletzt wurden. Am Montag war einem 15-Jährigen bei der Explosion einer Polizeigranate eine Hand abgerissen worden. Zuvor hatte ein anderer vermutlich durch ein Gummigeschoss ein Auge verloren, einem weiteren wurden beim Abschuss einer Tränengasgranate die Zähne beschädigt oder ausgeschlagen.

An mehreren Orten wurden die Schülerproteste am Dienstag auch von Eltern unterstützt, die Menschenketten bildeten oder sich, wie etwa in Rennes, zwischen den Sicherheitskräften und den Jugendlichen auf den Boden legten.

Premierminister Sébastien Lecornu kündigte an, dass in den kommenden Tagen in allen Oberstufen landesweit Zeit für Diskussionsrunden zu den Forderungen der Schüler eingeräumt werde. In knapp 900 der insgesamt 3700 Oberstufen fiel am Dienstag der Unterricht ganz oder teilweise aus.

Seit Beginn der teils von gravierender Gewalt geprägten Proteste Mitte September wurden nach Angaben der Behörden bereits mehr als tausend Menschen verletzt, unter ihnen 215 Schülerinnen und Schüler, 700 Sicherheitskräfte und rund hundert Schulbeschäftigte. Zudem gab es rund 6000 Festnahmen, in erster Linie Minderjährige.

Die Schülerinnen und Schüler fordern bessere Lernbedingungen und mehr Chancengleichheit. Konkret verlangen sie mehr Lehrer, kleinere Klassen, kürzere Schultage und eine bessere Ausstattung der Schulen. Zugleich bricht sich eine allgemeine Wut angesichts von Ungerechtigkeiten im Bildungssystem und fehlenden Perspektiven Bahn. Auch das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte heizt die Stimmung an.

"Ein Lehrer - 35 Schüler. Ein Schüler - 5 Polizisten", war auf einem der Plakate zu lesen, "Wer schützt uns vor der Polizei?" auf einem anderen. Aber auch andere Sorgen ließen sich aus den Transparenten herauslesen: "Das Klima ändert sich - warum nicht Ihr?" oder "Wir sind die Zukunft - Also hört uns zu".

Nach einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage sind 78 Prozent der 18- bis 28-Jährigen in Frankreich überzeugt, dass die Regierung die Zukunft der jungen Generation schlecht vorbereitet. Nur etwa ein Viertel der Befragten zeigte sich zuversichtlich mit Blick auf die Zukunft des Landes. 84 Prozent gehen davon aus, dass sie es schwerer haben werden als frühere Generationen, eine sichere Arbeitsstelle zu finden.

P.Murphy--TNT

Empfohlen

Israelische Siedler greifen AFP-Journalisten an und verletzten einen Fotografen

Israelische Siedler haben am Dienstag zwei Journalisten der Nachrichtenagentur AFP im besetzten Westjordanland angegriffen und einen von ihnen verletzt. Die Fotografen Jaafar Ashtiyeh und John Wessels wurden nach eigener Aussage zunächst von einem Quad aus beschossen. Anschließend schlugen mehrere Männer mit ihren Schusswaffen auf Ashtiyeh ein, der mit Prellungen an Kopf und Oberkörper ins Krankenhaus kam.

AfD stellt in Sachsen-Anhalt bundesweit ersten Landtagspräsidenten

Zum ersten Mal in Deutschland ist mit dem Abgeordneten Tobias Rausch in Sachsen-Anhalt ein Politiker der in Teilen rechtsextremistischen AfD zum Landtagspräsidenten gewählt worden. Der 35-Jährige erhielt am Dienstag im Magdeburger Landtag 48 Stimmen und damit neun Stimmen von außerhalb seiner eigenen Fraktion. Auch sein Stellvertreter von der AfD, Hans-Thomas Tillschneider, wurde von anderen Abgeordneten mitgewählt. Oppositionsparteien sprachen von einem "schwarzen Tag für den Parlamentarismus" in Deutschland.

Empörung über mutmaßlichen Trump-Aufruf an den Iran zur Auslöschung von US-Städten

US-Präsident Donald Trump hat mit Äußerungen zu möglichen Angriffen des Iran auf die US-Metropolen Los Angeles und San Diego für Empörung gesorgt. "Sollen sie doch Los Angeles auslöschen, sollen sie doch San Diego auslöschen", sagte Trump am Montag bei einer Wahlkampfveranstaltung. Dies sei "ein sehr kleiner Preis". Die oppositionellen Demokraten, die den Bundesstaat Kalifornien regieren, in dem Los Angeles und San Diego liegen, warfen Trump vor, Teheran zu einem Angriff auf die beiden Städte zu ermutigen.

EU-Beitritt: Brüssel will Verfahren vereinfachen und sich zugleich besser absichern

Die EU soll größer werden - und sich gleichzeitig reformieren. Die EU-Kommission legte am Dienstag Vorschläge für eine Vereinfachung des Beitrittsprozesses vor und regte zugleich einen stärkeren Schutz vor rechtsstaatlichen Vergehen bei Neu-Mitgliedern an. Die Aufnahme neuer Mitgliedstaaten mache es notwendig, "unsere Institutionen vorzubereiten, unsere Politik an neue Realitäten anzupassen", erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Für den Fall eines Beitritts der Ukraine plant Brüssel spezifische Sonderregelungen im Agrarsektor.

Textgröße ändern: