The National Times - Merz in Kiew: Lasse mich von Drohungen aus Moskau nicht beeindrucken

Merz in Kiew: Lasse mich von Drohungen aus Moskau nicht beeindrucken


Merz in Kiew: Lasse mich von Drohungen aus Moskau nicht beeindrucken
Merz in Kiew: Lasse mich von Drohungen aus Moskau nicht beeindrucken / Foto: © AFP

Trotz der andauernden russischen Drohnenangriffe auf Kiew hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei seinem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt unbeirrt in seiner Unterstützung des Landes gezeigt. Er sei "trotz der Drohungen aus Moskau gekommen", sagte Merz bei einer Pressekonferenz am Sonntag zusammen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. "Wir lassen uns auch nicht einschüchtern durch einen Drohnenangriff."

Textgröße ändern:

Während des Besuchs von Merz gab es mehrfach Luftalarm und eine Drohne schlug auf einer Brücke in Kiew ein. Das zeige, wie "rücksichtslos" Moskau vorgehe, sagte Merz dazu. Ziel sei es offenbar, die "Moral der Ukrainer zu brechen".

Russland hatte zuvor bereits ausländische Diplomaten und Politiker vor Besuchen in Kiew gewarnt. Der Kanzler betonte: "Ich weiß nicht, ob die Drohung auf meinen Besuch bezogen war - und wenn sie es ist, dann lasse ich mich davon auch nicht beeindrucken." Es habe während seines Besuchs in Kiew drei Mal Drohnenalarm gegeben. Er habe sich aber nicht in einen Bunker flüchten müssen.

Zuvor hatten er und Selenskyj die am vergangenen Montag durch eine Drohne beschädigte Akademie der Wissenschaften in Kiew besucht. Dort rief Merz angesichts der erneuten Drohnenangriffe am Sonntag aus: "Herr Putin, hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf." Er fügte hinzu: "Diese barbarischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung der Ukraine müssen aufhören."

Merz betonte: "Das sind tägliche Kriegsverbrechen, die hier verübt werden." Dabei machte der Kanzler aber auch erneut die Bereitschaft zu Gesprächen mit Moskau deutlich: "Wir können sprechen, aber erst wenn die Waffen schweigen, und die Waffen müssen schweigen."

Merz hob mit Blick auf die innenpolitischen Schwierigkeit für seine CDU und die Koalition sowie die Zugewinne der russlandfreundlichen AfD hervor, sein Besuch in Kiew finde "trotz der Drohungen von außen und der Turbulenzen im Inneren" statt. Das Wichtigste sei für ihn der Erhalt der freiheitlichen Ordnung in Europa. Diese werde durch tägliche hybride Angriffe und "systematische Falschinformation" bedroht. Er sei aber "entschlossener denn je, diesen Streit auszutragen".

Zugleich machte Merz deutlich, dass er die zunehmende Kritik in Deutschland an der Unterstützung für die Ukraine ernst nehme. Er werde sich bemühen, dies in einer Regierungserklärung vor dem nächsten EU-Gipfel noch einmal ausführlich zu begründen. Dabei räumte der Kanzler ein, dass es derzeit bei manchem "Fragen im Hinblick auf die Stabilität der deutschen Regierung" gebe.

Merz brachte bei seinem Besuch in Kiew "sehr konkrete Hilfen" für die Ukraine mit, wie er sagte. Unter den Militärhilfen von rund einer Milliarde Euro seien Mittel für die Abwehr russischer Jet-Drohnen sowie für Satellitentechnik und Abwehrraketen. Weitere 350 Millionen Euro sind demnach für Infrastruktur und Energie vorgesehen.

"Deutschland ist heute der stärkste Unterstützer der Ukraine," hob Merz hervor, der von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und einer Wirtschaftsdelegation begleitet wurde. Er kündigte für den Winter auch ein weiteres Treffen der internationalen Koalition zur Unterstützung der Ukraine in Berlin an.

C.Stevenson--TNT

Empfohlen

Selenskyj: Washington plant neue trilaterale Gespräche mit Kiew und Moskau im Oktober

Die USA planen nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj neue trilaterale Gespräche der Vereinigten Staaten, Russlands und der Ukraine über ein Ende des Ukraine-Krieges. Die von Washington vermittelten Gespräche sollten bis Ende Oktober stattfinden, sagte Selenskyj am Sonntag vor Journalisten in Kiew. Die USA stünden dafür mit der Ukraine und Russland in Kontakt.

Lula gegen Bolsonaro-Sohn: Brasilianer bestimmen in Richtungswahl ihren Präsidenten

Richtungswahl in Brasilien: Die Wählerinnen und Wähler des Landes haben am Sonntag darüber abgestimmt, ob der linksgerichtete Präsident Luiz Inácio Lula da Silva eine vierte Amtszeit erhält oder der rechtsgerichtete Senator Flávio Bolsonaro das Ruder übernimmt. Lula sagte nach seiner Stimmabgabe, die Menschen hätten die Wahl zwischen Demokratie und "Barbarei". Bolsonaro kündigte an, er wolle das "brasilianische Volk befreien". Parallel zum Präsidenten wurde unter anderem das Parlament neu gewählt.

Vor Spitzentreffen der Koalition: Opposition mahnt Kurskorrektur an

Bei ihrem ersten Koalitionsausschuss nach der Sommerpause wollen die Regierungsparteien CDU, SPD und CSU nach turbulenten Wochen wieder Tritt fassen und gemeinsame Projekte vorantreiben. Die Opposition im Bundestag rief die Koalition am Sonntag auf, das Spitzentreffen für einen Neustart und für Kurskorrekturen zu nutzen. Das Erstarken der AfD bei den jüngsten Landtagswahlen müsse für die Koalition endlich ein "Weckruf" sein, sagte Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann der Nachrichtenagentur AFP.

"Schluss mit Selbstbeschäftigung": Opposition mahnt vor Koalitionsausschuss

Die Opposition im Bundestag hat die Regierungspartner Union und SPD aufgerufen, den bevorstehenden Koalitionsausschuss für einen Neustart und für Kurskorrekturen zu nutzen. "Der Koalitionsausschuss darf nicht nur der nächste Versuch sein, sich irgendwie wieder zusammenzuraufen - Schluss mit der Selbstbeschäftigung und dem Schleppen von Krise zu Krise", sagte Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. "Die erschütternden Ergebnisse der Rechtsextremen bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern müssen ein Weckruf sein."

Textgröße ändern: