The National Times - Nach 56 Jahren: Antisemitischer Anschlag mit sieben Toten in München aufgeklärt

Nach 56 Jahren: Antisemitischer Anschlag mit sieben Toten in München aufgeklärt


Nach 56 Jahren: Antisemitischer Anschlag mit sieben Toten in München aufgeklärt

Einer der schlimmsten antisemitischen Anschläge der Bundesrepublik ist aufgeklärt - 56 Jahre nach der Tat. Ein inzwischen gestorbener Neonazi legte im Februar 1970 vermutlich den Brand in einem jüdischen Altersheim in München, wie die Generalstaatsanwaltschaft in der bayerischem Landeshauptstadt am Donnerstag mitteilte. Der Tatverdacht gegen ihn habe sich durch neue Ermittlungen erhärtet. Bei dem Anschlag waren sieben Menschen getötet worden.

Textgröße ändern:

Das Gebäude der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern war am Abend des 13. Februar 1970 mit einem Benzingemisch angezündet worden. In dem Haus befand sich unter anderem das Seniorenheim der Gemeinde. Sieben Bewohnerinnen und Bewohner, Überlebende des Holocausts, wurden getötet. 15 weitere Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schwer.

Der Täter konnte viele Jahre lang nicht ermittelt werden. 2017 stellte der Generalbundesanwalt das Verfahren ein. Nach einem neuen Hinweis aus der Bevölkerung nahm die Generalstaatsanwaltschaft aber im April 2025 die Ermittlungen wieder auf. Sie beschrieb nun, wie diese abliefen.

Eine Zeugin sagte demnach aus, dass ein Verwandter engen Kontakt zu dem Tatverdächtigen gehabt habe. Nach dem Tod dieses Verwandten wandte sich die Frau an die Ermittler. Die Generalstaatsanwaltschaft und der polizeiliche Staatsschutz werteten archivierte Akten aus und vernahmen Zeugen. Sie kamen zu dem Schluss, dass "belastbare Gründe für die Täterschaft" des Verdächtigen sprächen.

Der damals 25 Jahre alte Deutsche soll am Abend des Tattags in der Nähe des Altersheims gesagt haben, dass "die Juden alles hätten" und er "sie anzünden" wolle. Etwa 15 Minuten später habe das Gebäude gebrannt.

Der Verdacht habe sich durch Ermittlungen im Umfeld des mutmaßlichen Täters erhärtet. Zeugen hätten ihn als Antisemiten mit "Hitler-Tick" beschrieben. Er habe Reden von Adolf Hitler auf Schallplatten angehört und Schießübungen am Obersalzberg gemacht, führten die Ermittler aus. In der Gegend bei Berchtesgaden hatte Hitler einen Wohnsitz.

Der Tatverdächtige neigte offenbar auch zu Gewalt. Den Angaben nach wurde er in den 60er Jahren zu einer Jugendstrafe verurteilt, weil er zwei Telefonhäuschen in München mit Sprengstoff zerstört hatte. Eine Schulleiterin habe von einem Streit erzählt, bei dem er einen ihm von seinem Vater geschenkten Dolch der Hitlerjugend eingesetzt habe. Ein früherer Mitschüler beschrieb der Generalstaatsanwaltschaft zufolge "die Feindschaft des Tatverdächtigen gegenüber Juden als prägend".

Auch das von der Operativen Fallanalyse erstellte Täterprofil passe zu dem Verdächtigen, erklärten die Ermittler. Ihre Ergebnisse sprächen "deutlich für eine Täterschaft". Allerdings ist es unmöglich, den Fall endgültig zu klären. Denn der Tatverdächtige starb schon 2020. Tote können nicht angeklagt werden.

Die Generalstaatsanwaltschaft wies darauf hin, dass auch postmortal die Unschuldsvermutung gilt. Es sei auch nicht abschließend geklärt, ob der Verdächtige mutmaßlich allein gehandelt habe oder doch in einer Gruppe. Allerdings gebe es keine belastbaren Anhaltspunkte dafür, dass andere an der Tat beteiligt waren. Das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt.

T.Bennett--TNT

Empfohlen

Vor Wahl in Sachsen-Anhalt: CDU-Kommunalpolitiker spendet und wirbt für AfD

Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sorgt eine mit Wahlwerbung verbundene Parteispende eines CDU-Kommunalpolitikers für die AfD in Höhe von 10.000 Euro für Schlagzeilen. Medienberichten vom Mittwochabend zufolge begründete Bernd Prange, Mitglied der CDU-Fraktion im Kreistag des Landkreises Stendal und Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe, diese mit scharfer Kritik an einem vermeintlichen "Linkskurs" seiner Partei. Zugleich kündigte er an, bei der Wahl für die AfD zu stimmen.

Pakistan bestellt US-Gesandten wegen Aussagen von US-Botschafter in Indien ein

Die pakistanische Regierung hat den ranghöchsten US-Gesandten in Islamabad wegen Äußerungen des US-Botschafters in Indien zu der umstrittenen Region Kaschmir einbestellt. Wegen der "sachlich falschen Äußerungen des US-Botschafters in Indien zum Status von Jammu und Kaschmir" sei eine "strenge Protestnote" übermittelt worden, teilte das pakistanische Außenministerium am Mittwoch mit. Der US-Botschafter in Indien, Sergio Gor, hatte zuvor die geteilte Region als "wichtigen Teil Indiens" bezeichnet.

Tod von Australierin im Gazastreifen: Canberra spricht von "schwieriger" Beziehung zu Israel

Angesichts der Entscheidung der israelischen Armee, den Tod einer Australierin im Gazastreifen nicht weiter zu untersuchen, hat Australiens Außenministerin Penny Wong die Beziehungen zwischen den beiden Ländern als "schwierig" bezeichnet. "Die australische Regierung wird Israel weiterhin dazu drängen, der Gerechtigkeit Genüge zu tun", sagte Wong am Donnerstag vor Journalisten, nachdem sie mit dem israelischen Botschafter gesprochen hatte.

Behörden: Mindestens zwölf Tote bei neuen russischen Angriffen auf Region Kiew

Bei neuen russischen Angriffen auf Kiew und Umgebung sind in der Nacht zum Donnerstag nach ukrainischen Behördenangaben mindestens zwölf Menschen getötet worden. Bei den "massiven" Angriffen seien Wohngebiete und Lagerhallen getroffen worden, erklärte Bürgermeister Vitali Klitschko im Onlinedienst Telegram. Insgesamt seien in der Hauptstadt zwölf Menschen getötet und 33 weitere verletzt worden.

Textgröße ändern: