The National Times - Richterverbände klagen bei EuGH gegen Freigabe von EU-Mitteln an Polen

Richterverbände klagen bei EuGH gegen Freigabe von EU-Mitteln an Polen


Richterverbände klagen bei EuGH gegen Freigabe von EU-Mitteln an Polen
Richterverbände klagen bei EuGH gegen Freigabe von EU-Mitteln an Polen / Foto: © AFP/Archiv

Vier führende europäische Richter-Verbände wollen mit einer Klage verhindern, dass die EU trotz weiterhin bestehender Einschränkungen der Unabhängigkeit der Justiz in Polen Milliardenmittel an das Land freigibt. Die Verbände reichten am Sonntag vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg Klage gegen eine entsprechende Entscheidung ein, die die EU-Mitgliedstaaten im Juni getroffen hatten.

Textgröße ändern:

Die Bedingungen, die Polen für die Freigabe von Milliardenmitteln aus dem Corona-Hilfsfonds gestellt worden seien, seien "unterhalb dessen, was notwendig ist, um einen wirksamen Schutz der Unabhängigkeit der Richter und der Judikative sicherzustellen", kritisierten die vier Richter-Verbände in einer gemeinsamen Erklärung. Frühere Vorgaben des EuGH seien nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Nach der EU-Kommission hatten Mitte Juni auch die Finanzminister der EU-Mitgliedstaaten zugestimmt, 35,4 Milliarden Euro an EU-Geldern für Polen freizugeben. Im Gegenzeug habe die Regierung in Warschau eine "sehr bedeutende" Zusage bezüglich der Unabhängigkeit der Justiz gemacht, hieß es.

Die EU-Gelder waren wegen Polens umstrittener Justizreform mehr als ein Jahr lang blockiert worden. Für die Freigabe stellte Brüssel drei Bedingungen: die Auflösung der Disziplinarkammer von Polens Oberstem Gericht, eine Reform der Disziplinarmaßnahmen für Richter und Möglichkeiten für sanktionierte Richter, ihren Fall erneut prüfen zu lassen.

Die Richterverbände betonen, dass der EuGH in seiner Entscheidung vom Juli 2021 jedoch eine "sofortige" Reintegration von zu Unrecht mit Disziplinarmaßnahmen belegten Richtern gefordert habe. Nach der aktuellen Vereinbarung zwischen Polen und der EU könne die Überprüfung der Bestrafung von Richtern jedoch mehr als ein Jahr lang dauern.

Das grüne Licht der EU-Staaten für die Auszahlung der EU-Hilfen an Polen schade der europäischen Justiz insgesamt, warnten die Richterverbände. Diese werde destabilisiert, "wenn das Justizsystem von einem oder mehreren Mitgliedstaaten keine Unabhängigkeitsgarantien und keinen Respekt der grundlegenden Prinzipien des Rechtsstaates mehr bietet".

Die EU-Kommission bemängelt in Polen seit Jahren die Einflussnahme der nationalkonservativen Regierungspartei PiS auf die Justiz. Zugeständnisse machte Warschau erst, nachdem der EuGH im November ein Strafgeld von einer Million Euro täglich gegen Polen verhängt hatte.

C.Stevenson--TNT

Empfohlen

USA laden Putin zum G20-Gipfel ein - Russland lehnt Kampfpause in der Ukraine ab

Die USA haben den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum G20-Gipfel in Miami im Dezember eingeladen. "Wir hoffen, dass er die Einladung annimmt", sagte US-Außenminister Marco Rubio am Mittwoch am Rande der UN-Generaldebatte in New York. Der russische Außenminister Sergej Lawrow wies nach einem Treffen mit Rubio indes Forderungen nach einer Kampfpause gegen die Ukraine zurück.

Russland will Angriffe auf die Ukraine nicht unterbrechen

Russland will seine Angriffe auf die Ukraine vorerst nicht einstellen. "Wir werden in unserer speziellen Militäroperation keine Pause einlegen", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates in New York. Er nutzte dabei den Begriff, mit dem Russland seinen Angriffskrieg umschreibt.

CDU-interne Kritik an Dominanz des Wirtschaftsflügels - Warnungen vor Niedergang

In der CDU gibt es nach schweren Niederlagen bei den Landtagswahlen heftige Kritik an der Dominanz des Wirtschaftsflügels. "Wenn wir in das rein wirtschaftsliberale Lager gehen, zerstört das die CDU", sagte das langjährige CDU-Bundesvorstandsmitglied Elmar Brok der "Süddeutschen Zeitung" vom Donnerstag. Der Wirtschaftsflügel spiele in der Bundestagsfraktion eine viel zu starke Rolle, kritisierte er.

Erstmals keine OSZE-Beobachter zu US-Wahlen eingeladen - Kritik aus Berlin

Erstmals seit Beginn ihrer Wahlbeobachtung in den USA ist die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nicht zu einer US-Bundeswahl eingeladen worden. Washingtons Entscheidung zu den Kongresszwischenwahlen im November sei eine "deutliche Abkehr von einer bewährten demokratischen Praxis" und stehe "nicht im Einklang mit den Verpflichtungen" der OSZE-Teilnehmerstaaten, erklärte die Organisation am Mittwoch. Auch der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Metin Hakverdi (SPD), kritisierte die Nichteinladung.

Textgröße ändern: