The National Times - Greenpeace wirft Ölkonzernen immer höhere "Übergewinne" vor - Branche widerspricht

Greenpeace wirft Ölkonzernen immer höhere "Übergewinne" vor - Branche widerspricht


Greenpeace wirft Ölkonzernen immer höhere "Übergewinne" vor - Branche widerspricht
Greenpeace wirft Ölkonzernen immer höhere "Übergewinne" vor - Branche widerspricht / Foto: © AFP/Archiv

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wirft den Mineralölunternehmen vor, fünf Monate nach Beginn des Iran-Kriegs immer höhere "Übergewinne" einzufahren. Allein im Juli seien "die zusätzlichen Profite auf die neue Höchstmarke von 976 Millionen Euro" geklettert, erklärte Greenpeace am Mittwoch. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) kritisierte hingegen, dass die Berechnungen auf "stark vereinfachenden Annahmen" beruhten - diese führten zu Ergebnissen, "die der Realität nicht entsprechen".

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Laut Greenpeace zeigen Berechnungen des Ölmarktexperten Steffen Bukold im Auftrag der Umweltschutzorganisation, dass die Spritpreise an deutschen Tankstellen deutlich stärker gestiegen sind als die Rohölpreise. Die Konzerne profitierten daher von hohen zusätzlichen Gewinnen, die sich seit Beginn den Iran-Kriegs auf insgesamt 3,9 Milliarden Euro summiert hätten.

Für die Berechnungen wurde dabei zunächst die Spanne zwischen den Preisen für Rohöl und den Tankstellenpreisen ohne Steuern und Abgaben ermittelt und diese "Bruttomarge" dann mit der Marge vor dem Iran-Krieg verglichen. Anschließend wurden die Margen in Eurocent je Liter umgerechnet, um damit sichtbar zu machen, "ob die Margen und damit die Gewinne im Zeitverlauf gestiegen oder gefallen sind", wie es in der Studie heißt. Zuletzt wurden die Margenveränderung pro Liter dann mit den Absatzmengen im deutschen Tankstellenmarkt multipliziert.

Daraus ergeben sich laut der Studie "die monatlichen Übergewinne im gesamten Tankstellenmarkt". Betrachtet würden dabei nicht die Gewinne insgesamt, "sondern nur die zusätzlichen Gewinne", die über das Vorkrisenniveau hinaus während des Iran-Kriegs erzielt worden seien.

Greenpeace leitete aus den Ergebnissen konkrete Forderungen an die Politik ab: Die Bundesregierung dürfe nicht länger zusehen, "wie die Konzerne schamlos abkassieren und dabei die Klimakrise weiter befeuern", kritisierte Greenpeace-Sprecherin Lena Donat. "Diese Übergewinne müssen mit einer Steuer abgeschöpft werden und das Geld so eingesetzt werden, dass besonders von den Energiepreisen betroffene Menschen entlastet und wir alle unabhängiger von Öl werden", forderte sie.

Der Mineralölwirtschaftsverband monierte mit Blick auf die Studie hingegen, dass Raffinerien nicht nur Kraftstoffe herstellten, sondern auch eine Vielzahl anderer Produkte - etwa Grundstoffe für die chemische Industrie. "An manchen Raffineriestandorten liegt der Anteil der Produktion, der nicht Benzin oder Diesel ist, bei weit über 50 Prozent", erklärte en2x. "Allein aus den Tankstellenpreisen für diese beiden Produkte und dem Rohölpreis ist es daher schlicht unmöglich, Gewinne der Raffinerien auch nur halbwegs genau abzuschätzen."

Richtig sei, dass in Folge des Kriegs im Nahen Osten und des Ukraine-Kriegs "erhebliche Raffineriekapazitäten dem Weltmarkt derzeit nicht zur Verfügung stehen". Raffineriekapazitäten seien weltweit knapp. Daher sei es eine logische Folge, "dass sich weltweit die Produktpreise für Kraftstoffe von den Rohölpreisen entkoppelt haben". Entscheidend für die Preisbildung an den heimischen Tankstellen seien zudem "immer die Produktpreise für fertig raffiniertes Benzin und Diesel, nicht der Rohölpreis".

Statt eine "fehlgeleitete" Diskussion über Übergewinne zu führen, "sollten Politik und Wirtschaft gemeinsam konstruktiv daran arbeiten, die industrielle Wertschöpfung hierzulande zu stärken und Investitionen in Standorterhaltung und Klimaschutz zu ermöglichen", forderte der Verband.

Der ADAC teilte am Mittwoch unterdessen mit, dass die Spritpreise an den deutschen Tankstellen zuletzt leicht gesunken seien. Ein Liter Super E10 kostete demnach im Schnitt zuletzt 2,125 Euro und damit 0,3 Cent weniger als noch vor einer Woche; für Diesel zahlten Autofahrerinnen und Autofahrer mit 2,200 Euro 0,4 Cent weniger. Zugleich hob der Automobilclub hervor, dass das Preisniveau "deutlich zu hoch" sei. Für "spürbare regionale Preisunterschiede" sorge derzeit zudem das anhaltende Niedrigwasser des Rheins, durch das sich in den westlichen Landesteilen die Beschaffung und der Transport von Kraftstoffen verteuere.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Mittwoch stiegen die Kraftstoffpreise im Juli verglichen mit dem Vormonat Juni "sprunghaft" um 11,2 Prozent. Dieselkraftstoff verteuerte sich demnach binnen eines Monats um 12,6 Prozent und Super um 11,0 Prozent - auch da der staatliche Tankrabatt am 30. Juni endete. Angetrieben von den Energiepreisen stieg die gesamte Inflationsrate im Juli auf 2,8 Prozent. Im Juni hatte die Teuerung der Verbraucherpreise noch bei 2,3 Prozent gelegen.

S.Collins--TNT

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