The National Times - Kampf gegen Geldwäsche: Klingbeil will Beschlagnahme von Vermögen erleichtern

Kampf gegen Geldwäsche: Klingbeil will Beschlagnahme von Vermögen erleichtern


Kampf gegen Geldwäsche: Klingbeil will Beschlagnahme von Vermögen erleichtern
Kampf gegen Geldwäsche: Klingbeil will Beschlagnahme von Vermögen erleichtern / Foto: © AFP/Archiv

Im Kampf gegen Geldwäsche und Finanzkriminalität will Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) die Beschlagnahme von Vermögenswerten unklarer Herkunft erleichtern. Das geht aus dem Entwurf für ein Zollfinanzgerechtigkeitsgesetz hervor, der am Montag der Nachrichtenagentur AFP in Berlin vorlag. "Es ermöglicht dem Zoll, bedeutsame Vermögensgegenstände sicherzustellen, wenn der Verdacht besteht, dass diese nicht rechtmäßig oder mit nicht rechtmäßigen Mitteln erworben worden sind", hieß es dazu aus dem Finanzministerium.

Textgröße ändern:

Über den Gesetzentwurf hatte am Montag zuerst die ARD berichtet. "Damit senden wir ein klares Signal an Kriminelle: Wir verschärfen die Gangart", sagte Klingbeil dem ARD-Hauptstadtstudio. "Wenn Verdächtige nicht nachweisen können, dass sie Vermögenswerte legal erworben haben, dann sind der Porsche oder die Rolex erstmal weg." Zudem erhalte der Zoll mit dem Gesetz "die Befugnisse, die er im 21. Jahrhundert braucht, um gegen Organisierte Kriminalität, Finanzkriminalität oder den internationalen Drogenhandel vorzugehen".

Der Gesetzentwurf soll laut dem ARD-Bericht am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossen werden. Erweitert werden sollen damit auch Möglichkeiten zum Einsatz von Küsntlicher Intelligenz (KI) bei der Datenanalyse. "Der Zoll wird moderner, digitaler und schlagkräftiger", sagte dazu Klingbeil. Dies schaffe auch Spielräume zur Entlastung der ehrlichen Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen. "Das ist ein wichtiger Beitrag zur Gerechtigkeit in unserem Land", betonte der Minister.

Bei der Beschlagnahme von mutmaßlich illegal erzielten Besitztümern geht es laut Finanzministerium um das Instrument einer "administrativen Vermögensabschöpfung" außerhalb von Gerichtsverfahren. "Das zielt dorthin, wo es Kriminellen wirklich weh tut: Auf ihr Geld und ihre Vermögensgegenstände", hieß es. Bisher könnten diese in der Regel erst nach langwierigen Gerichtsverfahren eingezogen werden. Künftig soll es ausreichen, wenn das zuständige Finanzgericht von der nicht rechtmäßigen Herkunft überzeugt ist.

Für den Kampf gegen internationale Geldwäsche will Klingbeil zudem die bestehende Financial Intelligence Unit (FIU) stärken. Dafür soll auch der Datenaustausch zwischen Bund und Ländern ausgebaut werden. Durch die stärkere Digitalisierung will das Finanzministerium nach eigenen Angaben nicht nur eine höhere Kontrollqualität erreichen, sondern auch den Zoll "serviceorientierter und effizienter aufstellen". Insgesamt gehe es um die größte Strukturreform seit Jahren, hieß es.

Positiv äußerte sich der Leiter des Zollkriminalamts, Tino Igelmann. Häufig würden gerade im Bereich der Organisierten Kriminalität Barmittel oder andere Vermögenswerte hin- und hergeschoben. Dies mache es bisher schwierig, nachzuweisen, dass diese aus Straftaten stammten. "Jetzt haben wir die Möglichkeit, bereits im Vorfeld diese Vermögenswerte vorläufig einzuziehen, und die Gegenseite kann dadurch nicht mehr agieren", sagte Igelmann der ARD. Verdächtige müssten dann einen Nachweis über den rechtmäßigen Erwerb vorlegen. Zielgruppe seien wenige Privatleute als kriminelle Gruppierungen mit Vermögenswerten ab 100.000 Euro.

Skeptisch äußerte sich die Grünen-Finanzexpertin Katharina Beck. "Das jetzt ist kein großer Wurf, denn nur die Geldwäsche, nicht das Thema Steuerbetrug wird jetzt angegangen", sagte sie der ARD. Auch befürchte sie, dass "am Ende nur die kleinen Fische gefangen werden, nicht die ganz große Finanzkriminalität bekämpft".

G.Waters--TNT

Empfohlen

Mehr als 100 israelische Siedler attackieren Dorf im Westjordanland

Mehr als 100 israelische Siedler haben am Dienstag ein Dorf im besetzten Westjordanland attackiert. Bei dem Angriff auf das Dorf Dschalud im Norden des Palästinensergebiets wurden nach Angaben der israelischen Armee zwei Häuser in Brand gesetzt und drei israelische Polizisten verletzt. Die Polizei teilte mit, sie habe einen Verdächtigen festgenommen und zwei Minderjährige zum Verhör mitgenommen.

Kasachstans Präsident preist bei Besuch in Berlin "exzellente" Beziehungen zu Putin

Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat bei einem Besuch in Berlin seine "exzellenten Beziehungen" zu Kreml-Chef Wladimir Putin gepriesen. "Was auch immer in der Ukraine passiert, wir werden niemals vergessen, dass Russland und die Ukraine unsere Freunde sind", sagte Tokajew am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

Erste Regierungschefin Marokkos: König ernennt Fatima Ezzahra El Mansouri

In Marokko wird zum ersten Mal eine Frau Regierungschefin: König Mohammed VI. hat die Bürgermeisterin von Marrakesch, Fatima Ezzahra El Mansouri, am Dienstag zur Ministerpräsidentin des nordafrikanischen Landes ernannt. Wie sein Büro mitteilte, empfing er die 50-jährige Juristin, die zuletzt auch Bauministerin war, am Dienstag im Königspalast und beauftragte sie offiziell mit der Bildung der neuen Regierung.

Britischer Premier Burnham: "Der Brexit hat mehr geschadet als genutzt"

Der britische Premierminister Andy Burnham sieht im Brexit mehr Schaden als Nutzen für sein Land und prüft verschiedene Optionen für die künftigen Beziehungen Großbritanniens zur Europäischen Union. Beim nächsten EU-Großbritannien-Gipfel werde er darlegen, wie eine langfristige Zusammenarbeit aussehen könne, sagte Burnham am Dienstag auf dem Labour-Parteitag in Liverpool.

Textgröße ändern: