The National Times - Korruptionsfall in JVA Euskirchen: Häftlinge gegen Zahlungen vor Kontrollen gewarnt

Korruptionsfall in JVA Euskirchen: Häftlinge gegen Zahlungen vor Kontrollen gewarnt


Korruptionsfall in JVA Euskirchen: Häftlinge gegen Zahlungen vor Kontrollen gewarnt
Korruptionsfall in JVA Euskirchen: Häftlinge gegen Zahlungen vor Kontrollen gewarnt / Foto: © AFP/Archiv

Im Fall mutmaßlicher Korruption in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Euskirchen sollen nach den laufenden Ermittlungen Gefangene gegen monatliche Geldzahlungen unter anderem vor Kontrollen in der Haftanstalt gewarnt worden sein. Wie am Dienstag aus einem im nordrhein-westfälischen Rechtsausschuss im Landtag verlesenen Bericht der Bonner Staatsanwaltschaft hervorging, ergaben sich Hinweise auf ein solches "Abonnementsystem" monatlicher Zahlungen im Gegenzug für Hafterleichterungen.

Textgröße ändern:

Ermittelt wird derzeit gegen acht Justizvollzugsbedienstete wegen Bestechlichkeit sowie gegen drei ehemalige Häftlinge wegen Bestechung. Laut bisherigen Erkenntnissen sollen die beschuldigten Bediensteten dabei organisatorisch zusammengearbeitet haben.

Häftlinge hätten darüber hinaus auch meldepflichtiges Fehlverhalten durch Schmiergeldzahlungen an die Justizvollzugsbediensteten nachträglich korrigieren lassen können. Auch sollen Kontrollen von Arbeitsstellen sowie Lebensverhältnissen umgangen worden sein.

Wie aus dem Bericht weiter hervorging, ergaben sich zudem Hinweise darauf, dass Bedienstete den Gefangenen noch vor Haftantritt eigene oder fremde Immobilien sowie Scheinimmobilien als Meldeadressen zur Verfügung gestellt hätten. Ziel soll gewesen sein, eine Zuständigkeit der JVA Euskirchen für den offenen Vollzug zu begründen. Zudem bestehe der Verdacht, dass Gefangenen sogenannte Scheinjobs vermittelt wurden - ebenfalls um die Voraussetzungen für den offenen Vollzug zu erfüllen.

Unter den drei ehemaligen Häftlingen werde ein Verdächtiger dem Bereich der organisierten Kriminalität, ein weiter dem Rockermilieu zugerechnet. Der dritte Beschuldigte stehe im Umfeld einer Leverkusener Großfamilie mit Bezügen zum Clanmilieu.

Ausgangspunkt der Ermittlungen war 2022 die Auswertung eines Mobiltelefons eines früheren Gefangenen in einem anderen Verfahren. Dabei ergaben sich erste Hinweise auf Unregelmäßigkeiten im Vollzug, die sich im weiteren Verlauf verdichteten.

Nordrhein-Westfalens Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) kündigte im Rechtsausschuss umfassende Sicherheitsüberprüfungen im gesamten Justizvollzug an. Die Vorwürfe rüttelten "am Fundament unseres Rechtsstaats", sagte Limbach. Er nehme die Sache "außerordentlich ernst".

Der Fall werde landesweit zum Anlass genommen, alle 36 Justizvollzugsanstalten in den Blick zu nehmen. Der Sicherheitsvorfall sei so schwerwiegend, "dass wir nicht allein Euskirchen prüfen werden", hob Limbach hervor.

Anfang Mai waren im Zusammenhang mit den Ermittlungen acht Wohnungen sowie verschiedene Gebäudebereiche der JVA Euskirchen durchsucht worden. Rund 210 Ermittler waren im Einsatz.

V.Bennett--TNT

Empfohlen

Bundesverfassungsgericht verhandelt im Juni über Rundfunkbeitrag

Das Bundesverfassungsgericht verhandelt im Juni über die Beschwerden von ARD und ZDF zum Rundfunkbeitrag. Als Termin für die mündliche Verhandlung legte das Gericht den 23. Juni fest, wie es am Mittwochabend in Karlsruhe mitteilte. Die öffentlichen-rechtlichen Sender hatten ihre Beschwerden Ende 2024 eingereicht.

Xi empfängt Trump - Warnung vor "Konflikt" beim Thema Taiwan

Der chinesische Staatschef Xi Jinping hat die USA mit Blick auf Taiwan vor einem möglichen "Konflikt" gewarnt. "Die Taiwan-Frage ist das wichtigste Thema in den Beziehungen zwischen China und den USA", sagte Xi am Donnerstag während des Besuchs von US-Präsident Donald Trump in Peking laut dem staatlichen Fernsehsender CCTV. Wenn diese "falsch gehandhabt" werde, könnten beide Länder aneinander geraten "oder sogar in einen Konflikt geraten", fügte Xi demnach hinzu.

Merkel sieht sich nicht als politische "Männermörderin"

Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) hält nicht viel von dem Vorwurf, sie habe männliche Konkurrenten in ihrer Karriere systematisch verdrängt. Angesprochen auf das Etikett der "männermordenden Merkel", das im Zuge ihres damaligen Machtkampfes mit dem heutigen Kanzler Friedrich Merz geprägt wurde, entgegnete sie gegenüber dem "Focus": "Männer werfen andauernd Männer aus der Bahn. Und wenn jetzt eine Frau das tut, den Weg zu einer Position für sich genauso beansprucht wie ein Mann, dann redet man von der 'männermordenden Merkel'."

Merkel zeigt Verständnis für Debatten - und rät Merz zu "weitem Herz"

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zu mehr Toleranz für Debatten innerhalb der Regierung aufgerufen. "Die Debatte wird heute immer sofort 'Streit' genannt", kritisierte Merkel gegenüber dem "Focus" laut Vorabmeldung vom Donnerstag. "Ich finde, Politiker müssen klarmachen: Es gibt keine Lösungsfindung, die nicht über irgendeine Debatte geht." Dem aktuellen Kanzler Friedrich Merz empfahl sie gegenüber dem Koalitionspartner SPD "ein weites Herz".

Textgröße ändern: