The National Times - Merz: Gesetzentwurf für Gesundheitsreform steht - Aber weiter Kritik

Merz: Gesetzentwurf für Gesundheitsreform steht - Aber weiter Kritik


Merz: Gesetzentwurf für Gesundheitsreform steht - Aber weiter Kritik

Ungeachtet anhaltender Debatten in der Koalition ist der Gesetzentwurf der Regierung zur Gesundheitsreform offensichtlich weitgehend fertig. "Wir wollen am Mittwoch im Kabinett die GKV-Reform verabschieden", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Montagabend am Rande der Klausurtagung des Vorstands der Unionsfraktion in Berlin. Kritik an den Plänen von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) gibt e allerdings auch aus den eigenen Reihen.

Textgröße ändern:

Merz sagte, der Gesetzentwurf sei "in der Schlussphase der Abstimmung". Damit sei die Reform zur Sicherung der Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) von Seiten der Regierung "praktisch abgeschlossen". Zuvor hatte sich auch ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums "optimistisch" geäußert, dass der Gesetzentwurf wie geplant im Kabinett beschlossen werde. Allerdings dauerten die Beratungen über die Vorlage noch an, sagte er Montagmittag.

Politiker von CDU und CSU forderten unterdessen, dass der Bund einen größeren Beitrag zur Krankenversicherung für Bürgergeldbeziehende leistet - und dadurch die gesetzlichen Kassen entlastet. Dass die Beitragszahlenden der GKV weiterhin jährlich rund zwölf Milliarden Euro mitfinanzieren müssten, "wird von niemandem als gerecht empfunden und deswegen braucht es zumindest einen Einstieg in die richtige Richtung", sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann zu RTL und ntv.

Der auch in der Bundes-CDU einflussreiche nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) forderte von Warken Nachbesserungen. Bei der Absicherung der Bürgergeldbezieher bedürfe es "einer auskömmlichen Finanzierung durch den Bund", heißt es in einer neunseitigen Stellungnahme des NRW-Ministeriums an das Bundesministerium, aus der die "Rheinische Post" zitierte. Es sei "den Beitragszahlern kaum vermittelbar, dass sie über die GKV-Beiträge originäre Staatsaufgaben mitfinanzieren".

Die CSU-Gesundheitspolitikerin Emmi Zeulner sagte im Deutschlandfunk, es könne nicht sein, dass der Zuschuss allein von den gesetzlich Versicherten finanziert werde. Stattdessen müsse er auch von Beamten und Privatversicherten getragen werden.

Warken hatte vor knapp zwei Wochen einen Gesetzentwurf für eine umfassende Reform der gesetzlichen Krankenversicherung vorgelegt. Ziel ist es, die defizitären Kassen aus den roten Zahlen zu führen und weitere Steigerungen des Zusatzbeitrags abzuwenden. Die Reform soll allein im kommenden Jahr laut Warken ein Einsparvolumen von 20 Milliarden Euro haben.

Schon lange wird kritisiert, dass die gesetzlichen Kassen - und damit die Versicherten - jährlich rund zwölf Milliarden Euro allein für die Versicherung von Bürgergeldempfängern zahlen. Die Union fordert einen größeren Anteil aus Steuermitteln. Sie stößt damit aber wegen der Sparzwänge des Bundes im SPD-geführten Bundesfinanzministerium auf Ablehnung.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis forderte, dass der Bund zunächst bis zu vier Milliarden Euro mehr für die Krankenversicherung von Bürgergeldempfängern zahlt. Dies wäre ein "darstellbarer Zwischenschritt", schrieb Pantazis in einem Papier, aus dem das Portal Politico am Montag zitierte.

Auch die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, forderte, der Bund müsse "selbst seiner Schuldigkeit nachkommen und die Milliardenbeiträge für Menschen in der Grundsicherung aus Steuermitteln finanzieren". Dies sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und könne demnach nicht nur von den Beitragszahlenden der GKV allein getragen werden, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Montag.

Die SoVD-Vorstandsvorsitzende kritisierte zudem die geplante Teil-Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern als "völlig falsch". Sie gehöre zum Fundament des Solidarprinzips und entlaste vor allem Menschen in den unteren und mittleren Einkommensklassen.

"Das Reformpaket hat eine deutliche soziale Schieflage", kritisierte auch die Präsidentin des Deutschen Caritasverbands, Eva Welskop-Deffaa. Einsparmöglichkeiten bei den Kostentreibern in der Pharmaindustrie würden nicht ausgeschöpft, "stattdessen werden mit der Begrenzung der Familienmitversicherung, mit der geplanten Dynamisierung der Zuzahlungen und mit den Kürzungen des Krankengelds wichtige solidarische Elemente der gesetzlichen Krankenversicherung gekappt", sagte sie den Funke-Zeitungen.

F.Lim--TNT

Empfohlen

US-Abkommen mit Dänemark zu Grönland wird von jeder Seite als Erfolg verbucht

Die Einigung zwischen den USA und Dänemark zur Sicherheit Grönlands hat jede Seite für sich als Erfolg verbucht. Die Vereinbarung sei "gut für die Nato und für Europa", erklärte die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen am späten Freitagabend. US-Präsident Donald Trump betonte seinerseits, die Vereinbarung über die Zukunft der autonomen dänischen Arktisinsel übertrage die "dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Belange in Grönland" an Washington. Um die Zukunft Grönlands hatte es lange ein erbittertes Ringen mit Drohungen von Trumps Seite gegeben.

Trump setzt neues Sanktionspaket gegen Russland in Kraft

US-Präsident Donald Trump hat verschärfte Sanktionen gegen Russland in Kraft gesetzt. Er unterzeichnete am Freitag ein nach langen Verhandlungen vom US-Kongress beschlossenes Gesetz, das den Druck auf Russland zur Beendigung des Ukraine-Kriegs erhöhen soll. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dankte Trump für das Sanktionspaket, aus Moskau kamen neue Drohungen.

Parlamentswahl: Russland meldet Cyberangriff auf elektronisches Wahlsystem

Am zweiten Tag der Parlamentswahl in Russland ist das elektronische Wahlsystem in Moskau nach Behördenangaben Ziel eines Cyberangriffs geworden. In der Nacht zu Samstag sei das System in der Hauptstadt "einer massiven und anhaltenden Attacke" ausgesetzt gewesen, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Ria die Leiterin der zentralen Wahlkommission, Ella Pamfilowa. Die Lage sei jedoch "unter Kontrolle", versicherte sie. Die Sicherheit des Systems gewährleiste weiterhin eine elektronische Stimmabgabe.

Entlastung für Verbrennerfahrer: Neuauflage des Tankrabatts sorgt für Kritik

Der Tankrabatt wird neu aufgelegt: Die Bundesregierung hat angekündigt, ab Oktober erneut die Energiesteuer auf Kraftstoffe zu senken. Kurz vor den wichtigen Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am Sonntag sorgt die schwarz-rote Koalition so für Entlastungen für Fahrer von Verbrennerfahrzeugen. Lob dafür kam unter anderem vom Bauernverband und von Speditionen. Umwelt- sowie Verbraucherschützer und auch Marktexperten wie die Monopolkommission sehen die Maßnahmen jedoch kritisch.

Textgröße ändern: