The National Times - Bundestagsvizepräsidentin Lindholz fordert Ende der Signal-Nutzung von Politikern

Bundestagsvizepräsidentin Lindholz fordert Ende der Signal-Nutzung von Politikern


Bundestagsvizepräsidentin Lindholz fordert Ende der Signal-Nutzung von Politikern
Bundestagsvizepräsidentin Lindholz fordert Ende der Signal-Nutzung von Politikern / Foto: © AFP/Archiv

Nach dem Angriff mutmaßlich russischer Hacker auf die Kommunikation hochrangiger Politiker hat Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz (CSU) Bundesregierung und Bundestag aufgefordert, die Nutzung des US-Anbieters Signal einzustellen. Abgeordnete und Verwaltungen sollten vollständig auf den europäischen Messenger-Dienst Wire umsteigen, sagte Lindholz der "Bild" (Montagsausgabe). Dort würden Telefonnummern nicht offengelegt, E-Mail-Adressen seien nicht sichtbar, zudem sei das Sicherheitsniveau "wesentlich höher", sagte Lindholz.

Textgröße ändern:

Zugleich solle es ein Signal-Verbot geben, forderte die Bundestagsvizepräsidentin. "Wir sollten über ein Signal-Verbot auf Dienstgeräten von Abgeordneten und Bundestagsmitarbeitern nachdenken", sagte Lindholz. Nach ihrer Darstellung seien über Wire nicht nur die Nutzer selbst, sondern auch deren Kontakte besser geschützt. Der Bundestag stelle ihn für dienstliche Zwecke zur Verfügung. "Jetzt müssen es aber alle auch tatsächlich nutzen", sagte die CSU-Politikerin.

Deutsche und ausländische Sicherheitsdienste warnen seit Monaten vor einer sogenannten Phishing-Angriffswelle, die auf die heimliche Übernahme von Signal-Konten von Politikern, Beamten, Diplomaten, Militärs und Journalisten abzielt. Generalbundesanwalt Jens Rommel leitete laut einer Sprecherin der Bundesanwaltschaft bereits im Februar Ermittlungen ein, demnach geht es um den Anfangsverdacht der Spionage.

Nach Informationen des "Spiegel" reicht der Hack bis in die Bundesregierung: Bildungsministerin Karin Prien (CDU) und Bauministerin Verena Hubertz (SPD) seien betroffen, außerdem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU). Die Bundesregierung vermutet Russland hinter den Angriffen.

Der Grünen-Fraktionsvizechef Konstantin von Notz, der auch im Parlamentarischen Kontrollgremium der Geheimdienste sitzt, sprach gegen der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe) von einem "Weckruf für alle Sicherheitsbereiche". Moskaus Agenda hinter solchen Angriffen müsse verstanden werden. "Die Angriffe sind real und eine echte Gefahr für unsere Sicherheit." Russische Agenten spionierten und bereiteten Sabotage in Deutschland vor.

Der Innenpolitiker, der auch im Parlamentarischen Kontrollgremium der Geheimdienste sitzt, fürchtet zudem langfristige Folgen der Signal-Attacke. "Geheimdienste könnten versuchen, Opfer zu diskreditieren", sagte von Notz. "In jedem Fall ist den Angreifern aber ein relevanter Erkenntnisgewinn gelungen, den man nicht unterschätzen sollte."

Der CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter forderte nach der russischen Phishing-Kampagne Gegenmaßnahmen. "Russland muss gestoppt werden, auf allen Ebenen", sagte er dem "Handelsblatt" (Montagsausgabe). "Jede Maßnahme, die wir umsetzen können, sollten wir auch umsetzen, um unsere Abschreckung glaubwürdig zu erhöhen." Kiesewetter plädierte dafür, russische Diplomaten auszuweisen, das staatlich betriebene "Russische Haus" in Berlin zu schließen, das als Instrument russischer Einflussnahme gilt, die Visavergabe einzuschränken, die russische Schattenflotte zu stoppen sowie Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine zu liefern.

Kiesewetter bewertet die Phishing-Angriffe als Teil einer langfristigen Strategie Moskaus. "Russland sieht sich längst im Krieg gegen den Westen und auch gegen Deutschland." Moskau greife Deutschland "längst hybrid und kognitiv an", sagte er. "Dabei intensiviert Russland auch seine Angriffe im Cyberraum."Dazu gehörten auch solche Spionage-Versuche. Diese dienten "einerseits zur Aufklärung und andererseits zur Vorbereitung von Erpressung und Beeinflussung politischer Entscheidungsträger".

R.Evans--TNT

Empfohlen

Charles III. reist zu Staatsbesuch in die USA - Treffen mit Trump und Rede vor Kongress

Inmitten heftiger Verstimmungen zwischen London und Washington reist der britische König Charles III. am Montag zu einem Staatsbesuch in die USA. Auf dem Programm der mehrtägigen Visite stehen ein Treffen mit Präsident Donald Trump im Weißen Haus, ein Staatsbankett sowie eine Rede des Monarchen vor dem US-Kongress. Nachdem die Besuchspläne wegen der Schüsse während einer Veranstaltung mit Trump in Washington vorübergehend unter Vorbehalt standen, bestätigte der Buckingham-Palast am Sonntagabend, der Besuch werde planmäßig stattfinden.

Bundesverwaltungsgericht verhandelt weiter über Neonazi-Sekte Artgemeinschaft

Das Verbot der rechtsextremistischen Gruppe Artgemeinschaft wird am Montag (10.00 Uhr) weiter vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig geprüft. Nach einer ersten Verhandlung im Januar wurde zunächst schon ein Urteilstermin angesetzt - wegen neuer Erkenntnisse wurde dieser aber kurzfristig abgesagt. Das Bundesinnenministerium hatte die Gruppierung im Jahr 2023 als Verein verboten, weil sie sich gegen Verfassung und Völkerverständigung richte. (Az. 6 A 18.23)

NRW-Spitzenkandidat fordert Kurskorrektur der Bundes-SPD

Angesichts des Umfrageabsturzes der SPD in Nordrhein-Westfalen hat der SPD-Spitzenkandidat für NRW, Jochen Ott, einen Kurswechsel der Bundespartei gefordert. "Dass wir in NRW unter dem Bundestrend leiden, ist kein Geheimnis", sagte Ott den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Montagsausgaben). Daraus ergebe sich "eine einfache Wahrheit: Dass es so nicht weitergehen kann".

Iranischer Außenminister fliegt zu Gesprächen mit Putin nach Russland

In den diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Iran-Krieges wird der iranische Außenminister Abbas Araghtschi mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammentreffen. Das Gespräch finde in St. Petersburg statt, schrieb der iranische Botschafter in Moskau, Kasem Dschalali, am Sonntagabend im Onlinedienst X. In seinem "diplomatischen Dschihad mit dem Ziel, die Interessen des Landes voranzubringen, und unter Bedrohungen von Außen" werde Araghtschi mit Putin beraten, schrieb Dschalali.

Textgröße ändern: