The National Times - Israel löst mit Gesetz zur Todesstrafe für verurteilte "Terroristen" Besorgnis aus

Israel löst mit Gesetz zur Todesstrafe für verurteilte "Terroristen" Besorgnis aus


Israel löst mit Gesetz zur Todesstrafe für verurteilte "Terroristen" Besorgnis aus
Israel löst mit Gesetz zur Todesstrafe für verurteilte "Terroristen" Besorgnis aus / Foto: © AFP

Die vom israelischen Parlament beschlossene Einführung der Todesstrafe für wegen Terrorismusvorwürfen verurteilte Palästinenser hat in Deutschland und der EU Besorgnis ausgelöst. Die Bundesregierung sehe das Gesetz "mit großer Sorge", sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Dienstag in Berlin. Auch die EU-Kommission nannte das Gesetz "äußerst besorgniserregend". Die US-Regierung erklärte dagegen, sie respektiere Israels Recht, seine eigenen Gesetze zu erlassen.

Textgröße ändern:

Israels Parlament hatte am Montagabend in dritter und letzter Lesung ein Gesetz zur Ausweitung der Todesstrafe verabschiedet. Es sieht die Todesstrafe für palästinensische Straftäter vor, die aus "terroristischen" Motiven Israelis töten - nicht aber für Israelis, die aus solchen Motiven Palästinenser töten.

62 der insgesamt 120 Knesset-Abgeordneten stimmten für den von der Partei des rechtsextremen Sicherheitsministers Itamar Ben Gvir eingebrachten Gesetzentwurf, darunter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. 48 Abgeordnete votierten dagegen. Es gab zudem eine Enthaltung, neun Abgeordnete waren nicht anwesend. Ben Gvir, der eine Anstecknadel in Form einer Strickschlinge trug, schrieb nach der Abstimmung im Onlinedienst X: "Wir haben Geschichte geschrieben."

Laut dem Gesetzestext droht künftig jedem die Todesstrafe oder eine lebenslange Freiheitsstrafe, "der absichtlich den Tod einer Person herbeiführt mit dem Ziel, einem israelischen Staatsbürger oder Einwohner zu schaden, aus der Absicht, die Existenz des Staates Israel zu beenden".

Von Militärgerichten verurteilte Palästinenser aus dem besetzten Westjordanland müssen nun obligatorisch zum Tode verurteilt werden, wenn sie wegen vorsätzlicher und als "Terrorakt" eingestufter tödlicher Anschläge schuldig befunden wurden. Die Todesstrafe soll künftig binnen 90 Tagen nach der Verurteilung vollstreckt werden, möglich sein soll auch ein Aufschub um bis zu 180 Tage. Das Strafmaß kann dem Entwurf zufolge unter "besonderen Umständen" auf lebenslange Haft abgemildert werden.

Die israelische Menschenrechtsorganisation Vereinigung für Bürgerrechte in Israel reichte kurz nach der Verabschiedung beim Obersten Gerichtshof des Landes Klage gegen das Gesetz ein.

In Berlin sagte Regierungssprecher Kornelius, Deutschland lehne die Todesstrafe grundsätzlich ab. Die Bundesregierung sei zusätzlich besorgt, "dass ein solches Gesetz wohl ausschließlich auf Palästinenser in den palästinensischen Gebieten Anwendung finden würde." Deshalb bedauere sie die Entscheidung des israelischen Parlaments.

Ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel bezeichnete das Gesetz als "diskriminierend" und "eindeutigen Rückschritt". Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez kritisierte das Gesetz als "asymmetrische Maßnahme", die nicht für Israelis gelten solle, "die die gleichen Verbrechen begangen haben". "Das ist keine Gerechtigkeit. Es ist ein weiterer Schritt hin zur Apartheid", schrieb Sánchez auf X.

Bereits vor der Abstimmung hatten Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien an Israel appelliert, das Vorhaben zu überdenken. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten die Außenminister der vier Länder, besonders beunruhigend sei der "faktisch diskriminierende Charakter" des Gesetzentwurfs.

Die Palästinensische Autonomiebehörde kritisierte das Gesetz als "Verbrechen und gefährliche Eskalation". Das "israelische Kolonialsystem" versuche so, "außergerichtliche Tötungen zu legitimieren, indem man ihnen einen legalen Anschein verleiht". Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas - deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist - bezeichnete das Gesetz als Ausdruck des "blutigen Wesens der Besatzung", deren Politik auf "Tötung und Terrorismus" fuße.

Aus Washington kam dagegen Verständnis. "Die USA respektieren das souveräne Recht Israels, seine eigenen Gesetze und Strafen für Menschen festzulegen, die des Terrorismus für schuldig befunden wurden", erklärte ein Sprecher des Außenministeriums. "Wir vertrauen darauf, dass derartige Maßnahmen unter Gewährleistung eines fairen Verfahrens und unter Achtung aller einschlägigen Garantien und Schutzmechanismen für faire Prozesse umgesetzt werden."

Die USA sind das einzige Nato-Land, das weiterhin die Todesstrafe praktiziert. In Israel ist die Todesstrafe bislang faktisch ausgesetzt, auch wenn sie theoretisch für einige Verbrechen verhängt werden kann. Zuletzt wurde in Israel 1962 der NS-Verbrecher Adolf Eichmann hingerichtet, einer der Hauptorganisatoren der Deportation europäischer Juden in die Vernichtungslager der Nationalsozialisten.

O.Nicholson--TNT

Empfohlen

Weltweites Luftverkehrsangebot im März trotz Iran-Kriegs gestiegen

Das weltweite Angebot an Luftverkehrsreisen ist im März trotz der massiven Störungen durch den Iran-Krieg weiter angestiegen. Die Airlines hätten rund 3,3 Prozent mehr Verbindungen angeboten als im Vorjahresmonat, wie der Generaldirektor der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung (IATA), Willie Walsh, am Dienstag mitteilte. Allerdings war demnach vor Beginn des Krieges mit einem Wachstum um mehr als fünf Prozent gerechnet worden.

Umfragen: Französischer Ex-Premier Philippe könnte Bardella besiegen

Gut ein Jahr vor den französischen Präsidentschaftswahlen könnte Mitte-Rechts-Kandidat Edouard Philippe Umfragen zufolge den Rechtspopulisten Jordan Bardella besiegen. Bardella liegt in einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Odoxa-Instituts in der ersten Runde mit 34 Prozent vor dem Ex-Premierminister Philippe, der nur auf 21 Prozent kommt. In der zweiten Runde würde Philippe sich jedoch nach der Umfrage mit 52 zu 48 Prozent gegen Bardella durchsetzen. Philippe wäre zudem der einzige Kandidat, dem dies gelingen würde.

Aktionsplan für Syrien: Deutschland unterstützt bei Wiederaufbau und Rückkehr

Für den Wiederaufbau nach dem Bürgerkrieg und eine Integration von Rückkehrern haben Syrien und Deutschland einen gemeinsamen Aktionsplan beschlossen. Laut dem Dokument, das der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorlag, streben beide Länder eine umfassende Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Migration, beim Wiederaufbau und bei humanitärer Hilfe an.

Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats nach Tod von Blauhelmsoldaten im Libanon

Nach dem Tod von drei indonesischen Blauhelmsoldaten im Südlibanon will der UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. Die Zusammenkunft des mächtigsten UN-Gremiums ist für Dienstag 16.00 Uhr angesetzt, wie aus Diplomatenkreisen verlautete. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz kündigte derweil einen Verbleib der israelischen Armee im Südlibanon über den aktuellen Militäreinsatz gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz hinaus an.

Textgröße ändern: