The National Times - Epstein-Affäre: Razzia bei Norwegens Ex-Regierungschef Jagland

Epstein-Affäre: Razzia bei Norwegens Ex-Regierungschef Jagland


Epstein-Affäre: Razzia bei Norwegens Ex-Regierungschef Jagland
Epstein-Affäre: Razzia bei Norwegens Ex-Regierungschef Jagland / Foto: © AFP/Archiv

Im Zusammenhang mit der Epstein-Affäre hat die norwegische Polizei Immobilien des ehemaligen Regierungschefs Thorbjörn Jagland durchsucht. Dies teilte sein Anwalt Anders Brosveet am Donnerstag mit. Nach den jüngsten Veröffentlichungen zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wird in Norwegen wegen des Verdachts der schweren Korruption gegen Jagland ermittelt.

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Wie die für Wirtschaftskriminalität zuständige Strafverfolgungsbehörde Ökokrim mitteilte, fand in der Wohnung Jaglands in Oslo am Donnerstag eine Durchsuchung statt. "Ökokrim durchsuchte außerdem zwei weitere Immobilien in Risör und Rauland" im Süden Norwegens, erklärte Polizeichef Pal Lönseth laut einer Pressemitteilung.

Norwegische Fernsehsender zeigten Menschen, die am Morgen Kartons tragend aus Jaglands Wohnung in Oslo kamen. Jagland selbst lächelte, als er in Begleitung seines Anwalts das Gebäude verließ.

Den vom US-Justizministerium zuletzt veröffentlichten Dokumenten zufolge verbrachten Jagland sowie dessen Familie zwischen 2011 und 2018 Urlaube bei dem US-Finanzinvestor Epstein - zu einem Zeitpunkt, als Jagland Vorsitzender des Nobelkomitees zur Vergabe des Friedensnobelpreises sowie Generalsekretär des Europarates war.

Der heute 75-Jährige war von 1996 bis 1997 norwegischer Ministerpräsident und von 2009 bis 2015 Vorsitzender des Nobelkomitees zur Vergabe des Friedensnobelpreises.

Als Generalsekretär des in Straßburg ansässigen Europarats genoss Jagland diplomatische Immunität, auch nach Ende seiner Amtszeit, für Handlungen im Zusammenhang mit seinem Amt. Nach den Epstein-Enthüllungen hob der Europarat am Mittwoch die Immunität auf. Daraufhin konnten die Hausdurchsuchungen stattfinden.

Jagland wolle "dazu beitragen, dass der Fall vollständig aufgeklärt wird, und der nächste Schritt wird sein Erscheinen zur Befragung vor Ökokrim sein", erklärte sein Anwalt Brosveet. Die Hausdurchsuchungen gehörten bei derartigen Ermittlungen zum Stadardverfahren, betonte er.

Nachdem er in der Vergangenheit versichert hatte, dass es sich bei seiner Verbindung zu Epstein um "normale diplomatische Aktivitäten" handelte, räumte Jagland im Januar gegenüber der Zeitung "Aftenposten" mit Blick auf seine Beziehung zu Epstein eine "Fehleinschätzung" ein.

Die norwegische Polizei ermittelt im Zusammenhang mit den Epstein-Enthüllungen auch gegen die bekannte Diplomatin Mona Juul wegen des Verdachts der Korruption. Die Epstein-Akten enthalten zudem Hunderte - teils in einem sehr vertrauten Tonfall verfasste - E-Mails zwischen Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit und Epstein aus den Jahren 2011 bis 2014.

Ende Januar hatte das US-Justizministerium mehr als drei Millionen weitere Dokumente zu Epstein veröffentlicht. Der Fall zieht seitdem immer weitere Kreise - auch im Ausland, insbesondere Europa. Den Dokumenten zufolge sind mehrere Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft in die Affäre verwickelt. Einige mussten zurücktreten, nachdem ihre Verbindungen zu Epstein oder Details dazu bekannt geworden waren.

Der bis in höchste Kreise von Politik und Wirtschaft vernetzte US-Investor Epstein soll mithilfe seiner früheren Freundin Ghislaine Maxwell mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht haben. Er war erstmals 2008 wegen Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution verurteilt worden. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals eine nur 18-monatige Haftstrafe.

Nach einer erneuten Festnahme wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Minderjährigen wurde Epstein im August 2019 erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.

Q.Marshall--TNT

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