The National Times - Zehntausende protestieren friedlich in Minneapolis gegen US-Einwanderungspolitik

Zehntausende protestieren friedlich in Minneapolis gegen US-Einwanderungspolitik


Zehntausende protestieren friedlich in Minneapolis gegen US-Einwanderungspolitik
Zehntausende protestieren friedlich in Minneapolis gegen US-Einwanderungspolitik / Foto: © AFP

In Minneapolis haben am Freitag zehntausende Menschen friedlich gegen die Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump protestiert. Anders als bei vorherigen Protesten gab es keine Festnahmen, Verletzungen oder Sachbeschädigungen, wie die Polizei von Minneapolis der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Auch in Los Angeles gingen Menschen gegen das harte Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE auf die Straße. Nach den tödlichen Schüssen auf zwei US-Bürger bei Abschiebe-Razzien war zu einem landesweiten Aktionstag unter dem Motto "Nationaler Shutdown" aufgerufen worden.

Textgröße ändern:

Der Protest bei eisigen Temperaturen wurde von Rockstar Bruce Springsteen unterstützt. Er sang bei der Demonstration in Minneapolis seinen neuen Protestsong "Streets of Minneapolis", den er nach den tödlichen Schüssen komponiert hatte. "Dies ist für die Menschen von Minneapolis, die Menschen in Minnesota und die Menschen in unserem guten Land, den Vereinigten Staaten von Amerika", sagte Springsteen vor den Demonstranten.

In seinem Lied wendet sich der 76-jährige Rockstar gegen "König Trumps Privatarmee", die "Besatzer-Stiefel" trägt und "Pistolen an ihre Mäntel geschnallt hat". Er spielt damit auf die rund 3000 Bediensteten der Einwanderungsbehörde ICE und der Grenzschutzagentur CBP an, die die Trump-Regierung nach Minneapolis entsandt hatte, um Zuwanderer ohne Aufenthaltserlaubnis aufzuspüren.

Am vergangenen Samstag war der 37-jährige Krankenpfleger Alex Pretti am Rande einer Abschiezzia in Minneapolis erschossen worden. Das US-Heimatschutzministerium sprach zunächst von "Abwehrschüssen" der Einsatzkräfte. Videoaufnahmen zeigen den bereits überwältigten Pretti jedoch am Boden, als die tödlichen Schüsse fielen. Das Vorgehen der Einsatzkräfte in Minneapolis, die dort bereits am 7. Januar die unbewaffnete Autofahrerin Renee Good erschossen hatten, löste landesweit Empörung und in einigen Städten Proteste aus.

Im Zusammenhang mit vorherigen Protesten wurden am Freitag zwei Journalisten festgenommen: der frühere CNN-Moderator Don Lemon und die freie Journalistin Georgia Fort. Lemon und acht weiteren Menschen werden Verstöße gegen die Bürgerrechte vorgeworfen.

US-Justizministerin Pam Bondi begründete die Festnahmen damit, dass Lemon und andere einen "koordinierten Angriff" auf eine Kirche im Bundesstaat Minnesota verübt hätten. Demonstranten hatten am 18. Januar einen Gottesdienst in einer Kirche in St. Paul, der Hauptstadt von Minnesota, gestört, weil sie dort den stellvertretenden Leiter des örtlichen ICE‑Büros vermuteten.

Lemon hatte den Pastor der betroffenen Kirche in einem Interview gefragt, ob der Protest nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt sei, die im ersten Zusatzartikel der US-Verfassung festgeschrieben ist. Der Geistliche verurteilte die Aktion in seinem Gotteshaus dagegen als "schändlich".

Lemon verbrachte die Nacht zum Samstag in Los Angeles in Gewahrsam, wie sein Anwalt erklärte. Nach einer kurzen Gerichtsanhörung wurde er US-Medien zufolge wieder freigelassen. Er soll demnach am 9. Februar erneut in Minneapolis vor Gericht erscheinen.

Journalistenverbände und auch die Demokraten im Kongress hatten das Vorgehen gegen die Journalisten als eklatanten Angriff auf die Pressefreiheit verurteilt.

Nachdem er zuvor einen versöhnlicheren Ton angeschlagen hatte, übte Trump am Freitag erneut scharfe Kritik an Pretti. Er schrieb in seinem Onlinedienst Truth Social, der Krankenpfleger sei ein "Unruhestifter und möglicherweise Aufständischer" gewesen. Trump verwies auf ein Video, das Pretti anderthalb Wochen vor seinem Tod zeigen soll. Darin beschädigt der Krankenpfleger offenbar das Rücklicht eines Wagens von Bundesbediensteten und spuckt in Richtung der Einsatzkräfte aus.

Nach der großen Empörung über die Todesfälle hatte Trump angekündigt, die Lage beruhigen zu wollen. Er entsandte seinen Grenzbeauftragten Tom Homan nach Minneapolis, der inzwischen einen Teilabzug der Einsatzkräfte der Regierung in Aussicht stellte. Wann dieser erfolgen soll und wie viele der rund 3000 ICE-Mitarbeiter abgezogen werden, sagte Homan jedoch nicht.

Das US-Justizministerium kündigte derweil weitere Untersuchungen zu einem möglichen Verstoß gegen die Grundrechte von Pretti an. Diese sollen die bereits laufenden Untersuchungen des Heimatschutzministeriums sowie der Bundespolizei FBI zu den Umständen der tödlichen Schüsse auf Pretti ergänzen, erklärte der stellvertretende Justizminister Todd Blanche.

Die Regierung in Washington trat derweil um Mitternacht (Ortszeit, 6.00 Uhr MEZ) in eine kurzzeitige Haushaltssperre. Im Streit um schärfere Auflagen für die Einwanderungsbehörde ICE zwischen dem Weißen Haus und den Demokraten hatte sich der US-Senat am Freitag zwar auf einen zuvor ausgehandelten Kompromiss geeinigt. Der Text muss jedoch vom Repräsentantenhaus bewilligt werden, das erst am Montag wieder tagt. Demokraten wie Republikaner äußerten sich hoffnungsvoll, dass der Shutdown höchstens wenige Tage andauert.

R.Evans--TNT

Empfohlen

Macron lädt zum Papstbesuch alle EU-Staats- und Regierungschefs ein

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat anlässlich des anstehenden Papstbesuch in Frankreich sämtliche Staats- und Regierungschef der EU ins ostfranzösische Metz eingeladen. "Die Einladungen sind verschickt, die Antworten treffen noch ein", hieß es am Dienstag im Präsidialamt in Paris. Konkret sind die EU-Spitzenpolitiker zu einer politischen Rede von Papst Leo XIV. eingeladen, die er am Montag im Robert-Schuman-Kongressezntum in Metz halten wolle.

CSU lehnt Systemänderung bei Krankenkassen ab - Debatte um Merz-Äußerungen

Mit Äußerungen zu möglichen Änderungen bei der Krankenversicherung hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eine breite Debatte ausgelöst - und Fragen aufgeworfen. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann wies am Dienstag die Interpretation zurück, der Kanzler wolle das gesamte duale System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung auf den Prüfstand stellen. Merz habe lediglich Erleichterungen bei der Terminvergabe von Ärzten für gesetzlich Versicherte in Aussicht gestellt, sagte Hoffmann. Die Koalition sei sich bereits einig, dass hier etwas getan werden müsse.

Dos Santos: Kanzler hat trotz Frust "die volle Rückendeckung der Unionsfraktion"

Bei der Sitzung der Unionsfraktion nach den jüngsten Wahlniederlagen rechnet Parlamentsgeschäftsführerin Catarina Dos Santos-Wintz am Dienstag mit einer lebhaften Diskussion mit Kanzler Friedrich Merz (CDU). "Natürlich gibt es auch Frust", sagte Dos Santo-Wintz in Berlin. "Natürlich spiegelt die Stimmung in der Fraktion auch die schlechten Wahlergebnisse." Alle Abgeordneten seien sich aber ihrer Verantwortung bewusst. Nach ihrer Wahrnehmung habe Merz "die volle Rückendeckung der Unionsfraktion".

Juso-Chef Türmer: SPD-Vorsitzende derzeit "nicht Teil der Lösung"

Juso-Chef Philipp Türmer hat der aktuellen SPD-Parteispitze vorgeworfen, keine Antworten auf die Krise in der Partei zu haben. "Ich sage nicht, dass die beiden die Probleme sind, aber im Moment sind sie auch nicht Teil der Lösung", sagte Türmer den Sendern RTL und ntv am Dienstag mit Blick auf die Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas. Nötig sei wieder eine Orientierung und Strategie der Partei.

Textgröße ändern: