The National Times - Italiens Ministerpräsident Draghi tritt zurück und macht Weg für Neuwahlen frei

Italiens Ministerpräsident Draghi tritt zurück und macht Weg für Neuwahlen frei


Italiens Ministerpräsident Draghi tritt zurück und macht Weg für Neuwahlen frei
Italiens Ministerpräsident Draghi tritt zurück und macht Weg für Neuwahlen frei / Foto: © Quirinale Press Office/AFP

Der von einer schweren Regierungskrise geschwächte italienische Ministerpräsident Mario Draghi tritt nach knapp eineinhalb Jahren im Amt zurück. Draghi habe "seinen Rücktritt und den seiner Regierung" eingereicht, sagte ein Sprecher des Präsidialamts am Donnerstag in Rom. Staatspräsident Sergio Mattarella habe den Rücktritt "zur Kenntnis genommen", Draghis Regierung bleibe "geschäftsführend" im Amt. Mattarella dürfte nach Einschätzung politischer Beobachter nun das Parlament auflösen und Neuwahlen für September oder Oktober ausrufen.

Textgröße ändern:

Der Rücktritt des international geachteten Regierungschefs und früheren Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Draghi löste Unruhe auf den Finanzmärkten aus. Der Spread - die Differenz zwischen den zehnjährigen Staatsanleihen Italiens und Deutschlands - war schon am Mittwochabend in Erwartung eines Rücktritts Draghis auf 215 Basispunkte angestiegen.

Ein hoher Spread bedeutet, dass der italienische Staat Gläubigern deutlich höhere Zinsen auf neue Staatsanleihen bezahlen muss, was den Haushalt des hochverschuldeten Landes erheblich belastet. Der Börsenindex in Mailand gab am Donnerstag um zwei Prozentpunkte nach.

Bei Neuwahlen hätte nach derzeitigem Stand ein Rechtsbündnis unter Führung der postfaschistischen Partei Fratelli d'Italia (FdI, Brüder Italiens) der früheren Jugendministerin Giorgia Meloni die besten Aussichten. FdI-Politiker haben in den Vergangenheit oft Stimmung gegen die EU gemacht. Andererseits hat sich Parteichefin Meloni zuletzt mit ihrer unmissverständlichen Unterstützung für die Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg deutlich von anderen europäischen Rechtsparteien distanziert.

Die Regierung Draghis war im Parlament von Parteien von links bis rechts außen getragen worden. Staatspräsident Mattarella hatte den früheren EZB-Chef im Februar 2021 nach dem Sturz einer von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) angeführten Regierung gebeten, ein Kabinett zu bilden.

Es sollte Italien aus der Corona-Krise führen sollte, die das Land besonders hart getroffen hatte. Zu Draghis wichtigsten Aufgaben gehörte es, die politischen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufangen - auch mithilfe eines Europäischen Corona-Hilfsfonds, dessen Mittel Italien besonders stark zugute kommen.

Draghi genießt laut Meinungsumfragen weiterhin die Unterstützung der Mehrheit der Italiener, die sich gewünscht hätten, dass er bis zum regulären Ende der Legislaturperiode im Amt bleibt. Draghis Regierung war aber in der vergangenen Woche in eine Krise gestürzt, als die an der Regierung beteiligte Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) ein Vertrauensvotum für Draghi im Senat boykottierte.

Am Mittwochvormittag hatte Draghi vor dem Senat ein letztes Mal versucht, das Vertrauen für seine Regierung zu erhalten. Er hatte die Parlamentarier um einen "neuen, ehrlichen und konkreten Vertrauenspakt" zu seinen Bedingungen gebeten.

Wenige Stunden später aber versagten Draghi sowohl die M5S als auch die konservative Forza Italia des langjährigen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und die rechte Lega des Populisten Matteo Salvini die Teilnahme an einer erneuten Vertrauensabstimmung im Senat - und leiteten so das Aus der Regierung ein.

A.Davey--TNT

Empfohlen

Macron: Gespräch mit Trump über Lage in Ukraine und im Roten Meer "konstruktiv"

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat nach eigenen Worten ein "konstruktives" Gespräche mit US-Präsident Donald Trump über die Lage in der Ukraine geführt. "Ein weiteres Thema, über das wir sprachen, war die Lage im Roten Meer", sagte Macron am Montag nach dem Treffen mit Trump in New York Journalisten. "Wir hatten eine sehr gute Unterredung. Sie war sehr konstruktiv."

Kallas dringt auf Aufrechterhalten von EU-Sanktionen gegen Russland

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat die EU-Mitgliedstaaten zu einem Aufrechterhalten ihrer Sanktionen gegen Russland aufgefordert. "Wir brauchen diese Stabilität, dass die Sanktionen für längere Zeit bestehen bleiben", sagte Kallas am Montagabend vor Journalisten in New York. EU-Diplomaten hatten zuvor mitgeteilt, dass die EU es vorerst nicht geschafft habe, eine grundsätzliche Einigung auf die Aufhebung ihrer Sanktionen gegen zwei russische Oligarchen zu bestätigen.

Nach Trumps "Sabotage"-Vorwurf: UNO überprüft Rolltreppe und Teleprompter

Nach wütenden Äußerungen von US-Präsident Donald Trump über eine angebliche technische "Sabotage" seines Auftritts bei der UN-Generaldebatte im vergangenen Jahr wollen die Vereinten Nationen ein neuerliches Debakel verhindern: Vor Trumps Rede am Dienstag sei eine Rolltreppe im New Yorker UN-Hauptsitz "überprüft und noch einmal überprüft worden", sagte der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres, Stéphane Dujarric, am Montag.

Mecklenburg-Vorpommern: CDU-Chef Peters tritt zurück - SPD kündigt Sondierungen an

Nach dem Ausscheiden der CDU aus dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat Spitzenkandidat Daniel Peters seinen Rücktritt vom Vorsitz der Landespartei erklärt. Er ziehe damit persönlich die Konsequenzen "aus der krachenden Niederlage", sagte der 45-Jährige am Montag nach einer Sitzung des CDU-Landesvorstands in Schwerin. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kündigte derweil Sondierungsgespräche zur Bildung einer neuen Landesregierung mit der Linken und den Grünen an.

Textgröße ändern: