The National Times - Bundeshaushalt für 2026: Noch mehr Ausgaben und neue Schulden

Bundeshaushalt für 2026: Noch mehr Ausgaben und neue Schulden


Bundeshaushalt für 2026: Noch mehr Ausgaben und neue Schulden
Bundeshaushalt für 2026: Noch mehr Ausgaben und neue Schulden / Foto: © AFP/Archiv

Der Haushalt für 2026 steht: In einer Mammutsitzung hat der mächtige Haushaltsausschuss des Bundestags den überarbeiteten Entwurf beschlossen und dabei sowohl Gesamtausgaben als auch Neuverschuldung noch einmal erhöht. Grund für die gestiegene Nettokreditaufnahme sind vor allem mehr Gelder für die Ukraine und ein höheres Darlehen für die Pflegeversicherung, um höhere Beiträge zu vermeiden. Die Opposition kritisierte die "gigantischen" Schuldensummen und warf der Regierung vor, falsche Prioritäten zu setzen.

Textgröße ändern:

Kommendes Jahr sind nun Ausgaben in Höhe von 524,5 Milliarden Euro vorgesehen - gut vier Milliarden Euro mehr als im Regierungsentwurf vorgesehen waren. Die Nettokreditaufnahme im Kernhaushalt soll nun knapp 98 Milliarden Euro betragen, das sind 8,1 Milliarden Euro mehr als im Regierungsentwurf. Hinzu kommen schuldenfinanzierte Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur - insgesamt summieren sich die neuen Schulden auf mehr als 180 Milliarden Euro.

Mit Abstand größter Einzeletat ist trotz einer leichten Anpassung nach unten der Einzelplan für Arbeit und Soziales mit geplanten Ausgaben von 197,34 Milliarden Euro im kommenden Jahr. Das Verteidigungsministerium hat 82,69 Milliarden Euro zur Verfügung, das Verkehrsministerium 27,90 Milliarden Euro.

Die Haushälter hätten für das nächste Jahr und die kommenden Jahre ein besonderes Augenmerk auf die zwei großen Schwerpunkte Wirtschaft und Sicherheit gelegt, betonte SPD-Haushaltsexperte Thorsten Rudolph. In den kommenden Jahren würden 166 Milliarden Euro in Straße, Schiene und Wasserstraße investiert. In die Bundeswehr würden in dieser Legislatur insgesamt 650 Milliarden Euro investiert.

Die Haushaltslücke für das Jahr 2027 ist nun kleiner geworden - laut "Handelsblatt" schrumpft sie von ursprünglich 34 Milliarden Euro um einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag. So wird unter anderem eine für 2026 geplante Rücklage von fast zehn Milliarden Euro nicht angetastet, außerdem spielt die bessere Steuerschätzung der Regierung in die Hände.

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte dazu zugleich, die Regierung müsse weiterhin stark konsolidieren. "Für die notwendigen Einsparungen mit Blick auf die kommenden Jahre bleiben alle in der Pflicht", erklärte er.

Von der Opposition kam scharfe Kritik am Etat für 2026: "Die Koalition treibt Schindluder mit dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität", sagte etwa der Grünen-Haushaltsexperte Sebastian Schäfer. "Viel zu wenig der neuen, schuldenfinanzierten Mittel fließt in echte, zusätzliche Investitionen." Dabei bräuchte Deutschland einen "echten Wachstumsimpuls", nämlich Investitionen in Brücken, Schienen und schnelles Internet. Steuergeschenke etwa für die Gastronomie könne sich das Land hingegen nicht leisten.

Der Linken-Haushaltspolitiker Dietmar Bartsch kritisierte das "whatever it takes"-Prinzip im Bereich Verteidigung. Die dortigen Ausgaben könnten "nicht dauerhaft auf Pump" finanziert werden, das bedrohe die Resilienz und Widerstandsfähigkeit des Landes.

Die AfD kritisierte die geplanten "gigantischen Schulden". Der AfD-Haushälter Michael Espendiller sagte dazu, mit dem neuen Etat werde "fast jeder dritte Euro aus Schulden finanziert", so eine hohe Schuldenquote habe Deutschland selten gesehen. Die Partei plädiert für deutlich geringere Schulden - finanziert etwa über Kürzungen bei den Zahlungen an die EU, beim Klima- und Transformationsfonds. Außerdem will sie das Entwicklungshilfeministerium abschaffen und fordert einen Stopp der Waffenlieferungen an die Ukraine.

Der Etat für das kommende Jahr war Ende Juli vom Bundeskabinett beschlossen worden. Er soll nun Ende November in der überarbeiteten Fassung vom Bundestag verabschiedet werden. Dafür ist die nun abgeschlossene Bereinigungssitzung des Ausschusses die zentrale Grundlage.

T.Ward--TNT

Empfohlen

Pistorius trifft neuen ungarischen Verteidigungsminister in Budapest

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) reist am Freitag zu politischen Gesprächen nach Ungarn. Im Mittelpunkt des Besuchs in Budapest steht der Austausch mit seinem neuen ungarischen Amtskollegen Romulusz Ruszin-Szendi über die Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich. Für 12.15 Uhr ist zunächst eine Kranzniederlegung am Denkmal des Unbekannten Soldaten auf dem Heldenplatz geplant, gegen 13.00 Uhr beginnen die Beratungen. Um 14.00 Uhr wollen beide Minister vor die Presse treten.

Wadephul trifft bei Kanada-Besuch Außenministerin und Verteidigungsminister

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) setzt am Freitag seine Nordamerika-Reise mit politischen Gesprächen in Ottawa fort. Zunächst trifft er dort seine kanadische Amtskollegin Anita Anand. Für 11.25 Uhr Ortszeit (17.25 Uhr MESZ) ist eine gemeinsame Begegnung mit der Presse vorgesehen. Wadephul war bereits am Donnerstag von New York nach Ottawa geflogen. In New York hatte er die UN-Generaldebatte verfolgt.

Berliner Linkspartei entscheidet bei Parteitag über Sondierungsgespräche

Nach der Abgeordnetenhauswahl in Berlin kommt die siegreiche Linkspartei am Freitag (17.00 Uhr) zu einem außerordentlichen Landesparteitag zusammen. Dieser soll nach Parteiangaben gegebenenfalls über die Aufnahme von Sondierungsgesprächen entscheiden. Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp kündigte nach dem Urnengang vom Sonntag Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit mit Grünen und SPD in der Bundeshauptstadt an.

Macron hält neue russische Mobilmachung für Ukraine-Krieg für "glaubwürdig"

Der französische Präsident Emmanuel Macron hält eine neue russische Mobilmachung für den Krieg in der Ukraine für "glaubwürdig". "Das heute glaubwürdige Szenario, das häufig geteilt wird, ist eines mit rund 300.000 Mann", sagte Macron am Donnerstagabend den französischen Sendern TF1 und France 2. Moskau sende ein Signal: "Wir sind bereit, noch größere Opfer zu bringen, um den gesamten Donbass einzunehmen", fügte Frankreichs Staatschef hinzu.

Textgröße ändern: