The National Times - Regierungskrise in Frankreich: Premier Lecornu arbeitet unter Zeitdruck an Kabinettsbildung

Regierungskrise in Frankreich: Premier Lecornu arbeitet unter Zeitdruck an Kabinettsbildung


Regierungskrise in Frankreich: Premier Lecornu arbeitet unter Zeitdruck an Kabinettsbildung
Regierungskrise in Frankreich: Premier Lecornu arbeitet unter Zeitdruck an Kabinettsbildung / Foto: © POOL/AFP

Der erneut zum französischen Premierminister ernannte Sébastien Lecornu hat am Wochenende unter Hochdruck an der Bildung einer neuen Regierung gearbeitet. Wie die Wochenzeitung "La Tribune" berichtete, könnte das Kabinett am Montag oder Dienstag bekanntgegeben werden. Bis Dienstag muss die neue Regierung bereits einen Entwurf für den Staatshaushalt für das Jahr 2026 vorlegen, damit dieser noch fristgerecht verabschiedet werden kann. Am Samstag erklärten allerdings die konservativen Republikaner, sie stünden nicht als Koalitionspartner für Lecornu bereit.

Textgröße ändern:

Lecornu sagte seinerseits, er strebe ein unabhängig von den Parteien agierendes Kabinett an. Er wolle "eine freie Regierung" bilden, deren Mitglieder "nicht von den Parteien gefangen gehalten" würden. "Ich werde meine Pflicht tun, und ich werde kein Problem darstellen", sagte der Premier am Samstag. In dem Gespräch mit "La Tribune" sagte er, er werde "nichts Verrücktes" tun.

Der 39-Jährige bekräftigte, dass es ihm um die Sache und nicht um persönliche Ambitionen gehe. An die Adresse der Sozialisten gerichtet sagte er, dass in der zentralen Streitfrage der Rentenreform "alle Debatten möglich" seien. Die Sozialisten, deren Unterstützung für die Bildung einer stabilen Regierung unerlässlich ist, fordern weiterhin das Aussetzen der von Macron 2023 durchgesetzten Rentenreform, die in Frankreich äußerst unpopulär ist.

Lecornu war am Freitag von Präsident Emmanuel Macron erneut zum Premierminister ernannt worden, nachdem er nur vier Tage zuvor von diesem Posten zurückgetreten war. Die Äußerungen des Premiers am Samstag deuten darauf hin, dass sich sein neues Regierungsteam offenbar grundsätzlich vom vorherigen unterscheiden soll. Die von Lecornu erst vor einer Woche vorgestellte und umgehend gescheiterte Regierungsmannschaft hatte unter anderem deshalb massive Kritik ausgelöst, weil zahlreiche frühere Minister ihre Posten behalten hatten und die Chance auf eine grundlegende Erneuerung verpasst wurde.

Nach seiner abermaligen Ernennung zum Premier steht Lecornu unverändert vor der Aufgabe, trotz aller Widerstände einen Sparhaushalt durch das Parlament zu bringen, auf den Frankreich wegen seiner Rekordverschuldung dringend angewiesen ist.

Der Zeitdruck ist enorm: Die französische Verfassung sieht vor, dass dem Parlament mindestens 70 Tage Zeit zustehen, um einen Haushaltsentwurf zu prüfen. Daher muss der Text am Montag oder Dienstag durch das Regierungskabinett gebilligt und dem Parlament zugeleitet werden.

Die konservativen Republikaner erklärten unterdessen, "das Vertrauen und die Voraussetzungen" für eine erneute Regierungsbeteiligung seien derzeit "nicht vorhanden". Die Partei werde vielmehr von Fall zu Fall über die Unterstützung von Gesetzesinitiativen der Regierung entscheiden.

Bereits zuvor hatte sich LR-Parteichef Bruno Retailleau, der derzeit noch geschäftsführender Innenminister ist, klar gegen eine erneute Regierungsbeteiligung positioniert. "Ich bin überzeugt, dass wir nicht teilnehmen sollten", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Seiner Partei drohe im Falle einer Regierungsbeteiligung der Bedeutungsverlust.

Von den Parteien am linken und rechten Rand des politischen Spektrums waren bereits am Freitagabend umgehend Kampfansagen an die noch gar nicht gebildete neue Regierung gekommen. Der Chef des rechtspopulistischen Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, kündigte an, seine Partei werde "sofort" ein Misstrauensvotum gegen die neue Regierung einbringen. Die Linkspopulisten von La France Insoumise (LFI) kündigten die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsident Macron an.

Die Sozialisten drohten damit, ebenfalls für ein Misstrauensvotum zu stimmen, sollte Lecornu die Rentenreform nicht "sofort und komplett aussetzen". Gleichzeitig erklärten sie, dass sie zunächst Lecornus Regierungserklärung in der kommenden Woche abwarten wollten.

Frankreich befindet sich in einer seiner schwersten Regierungskrisen seit Jahren. Lecornu war gerade einmal vier Wochen im Amt, als er am vergangenen Montag zurücktrat. Dass ihn Macron dann nur vier Tage später wieder ins Amt hob, könnte der womöglich letzte Versuch des Präsidenten sein, eine Neuwahl des Parlaments zu vermeiden. Zugleich sieht sich Macron selbst mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.

Frankreich hat seit der vorgezogenen Parlamentswahl im Sommer 2024 keine stabile Regierung mehr. Macron hatte die Neuwahl ausgerufen, um seine Machtbasis im Parlament zu konsolidieren – das Vorhaben scheiterte jedoch: Das Regierungslager verlor seine relative Mehrheit, und der RN von Marine Le Pen ging gestärkt aus der Wahl hervor. Seitdem ist die Nationalversammlung in drei Blöcke gespalten – das linke Lager, das Regierungslager in der Mitte und das rechtspopulistische Lager. Keiner der drei Blöcke kommt auf eine Mehrheit.

Die politische Krise geht mit einer Schuldenkrise einher. Frankreich verzeichnet eine Rekordverschuldung in Höhe von 3,4 Billionen Euro. Sowohl die Verschuldung in Höhe von 115 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als auch das Defizit in Höhe von 5,8 Prozent nähern sich jeweils dem Doppelten der EU-Grenzwerte.

K.M.Thompson--TNT

Empfohlen

Iran bekräftigt Vorschlag zur Öffnung der Straße von Hormus binnen sieben Tagen

Die iranische Regierung hat ihren bereits zuvor unterbreiteten Vorschlag an die USA zur Öffnung der Straße von Hormus binnen sieben Tagen bekräftigt. "Die Frist von sieben Tagen beginnt, sobald die Vereinigten Staaten diesen Plan akzeptieren", sagte Außenminister Abbas Araghtschi am Freitag vor Journalisten bei der UNO in New York. Die Entscheidung liege nun in Washington.

Trump postete höchstwahrscheinlich KI-retuschiertes Bild von Xis Staatsbesuch

Ein von US-Präsident Donald Trump veröffentlichtes Foto vom Staatsbesuch seines chinesischen Kollegen Xi Jinping ist nach Ansicht von Fachleuten höchstwahrscheinlich mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz retuschiert worden, um einen unvorteilhaften Gesichtsausdruck zu verändern. Der Datenforensiker Matthew Stamm von der Drexel University sagte der Nachrichtenagentur AFP, das von Trump veröffentlichte Foto, auf dem der Präsident neben Xi während des Überflugs eines Jets salutiert, weise "mit hoher Sicherheit" Spuren auf, "die von generativer KI hinterlassen wurden."

Cambridge-Analytica-Skandal: Facebook-Mutter Meta unterliegt vor US-Gericht

Gut acht Jahre nach dem Cambridge-Analytica-Skandal um den Missbrauch von Facebook-Nutzerdaten hat der Mutterkonzern Meta einen Prozess in den USA verloren. Ein Geschworenengericht in Santa Fe im Bundesstaat New Mexico entschied am Freitag nach Angaben von US-Medien, Meta habe Nutzer über den Schutz ihrer Daten getäuscht. Dem Konzern droht nun eine Geldbuße in Milliardenhöhe.

Putin: Russland bereitet sich nicht auf "irgendeine Art von Kampf mit Europa" vor

Russlands Präsident Wladimir Putin hat beteuert, dass sich sein Land "nicht auf irgendeine Art von Kampf mit Europa" vorbereite. "Viele in Europa sagen, dass sie eine Aggression vonseiten der Russischen Föderation erwarten und dass sie sich deshalb selbst auf Kämpfe, auf einen Krieg mit Russland, vorbereiten müssen", sagte Putin am Freitag vor Journalisten in St. Petersburg. Er wolle jedoch nochmals unterstreichen, dass Russland keine Vorbereitungen für eine solche Aggression treffe.

Textgröße ändern: