The National Times - Israel und Hamas einigen sich auf Waffenruhe und Geisel-Freilassungen

Israel und Hamas einigen sich auf Waffenruhe und Geisel-Freilassungen


Israel und Hamas einigen sich auf Waffenruhe und Geisel-Freilassungen
Israel und Hamas einigen sich auf Waffenruhe und Geisel-Freilassungen / Foto: © AFP

Durchbruch nach rund zwei Jahren Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas: Beide Seiten haben der ersten Phase eines Friedensplans von US-Präsident Donald Trump zugestimmt. Die Vereinbarung sieht eine Waffenruhe und eine Freilassung von Hamas-Geiseln vor. Die Bundesregierung begrüßte die Einigung am Donnerstag, die EU sprach von einem "großen diplomatischen Erfolg". Auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bewertete die Vereinbarung positiv.

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Israel und die Hamas hatten seit Montag in Ägypten indirekte Verhandlungen geführt. Das Vermittlerland Katar bezeichnete die nun getroffene Vereinbarung als "erste Phase des Gaza-Waffenruheabkommens", das zur Beendigung des Krieges, zur Freilassung israelischer Geiseln und palästinensischer Gefangener und Bereitstellung von Hilfsgütern führen werde. Nach Hamas-Angaben ist vorgesehen ist, dass in den ersten fünf Tagen der Waffenruhe täglich mindestens 400 Lastwagen mit Hilfsgütern in den Gazastreifen gelangen.

Die Vereinbarung soll nach Angaben aus Palästinenserkreisen am Donnerstag unterzeichnet werden. Aus Hamas-Kreisen hieß es, dass im Rahmen der ersten Phase 20 lebende Geiseln freigelassen werden sollen. Im Gegenzug sollen fast 2000 Palästinenser aus israelischer Haft entlassen werden. Die Freilassung solle binnen 72 Stunden nach Inkrafttreten des Abkommens erfolgen, hieß es weiter aus Hamas-Kreisen. Zwei Jahre nach dem Hamas-Überfall auf Israel befinden sich noch immer 47 Geiseln in der Gewalt der Hamas. 25 von ihnen sind nach Angaben der israelischen Armee bereits tot.

Die israelische Armee erklärte am Donnerstagmorgen, sie habe mit "den operativen Vorbereitungen für die Umsetzung des Abkommens begonnen", um ihre Soldaten auf eine vereinbarte Linie zurückzuziehen. Die Positionierung der Truppen im Gazastreifen solle "rasch angepasst" werden. Die israelische Armee kontrolliert drei Viertel des Gazastreifens.

Trump sagte in einem Interview mit dem Sender Fox News, er gehe von der Freilassung aller Geiseln am Montag aus. "Es wird so viel unternommen, um die Geiseln freizubekommen und wir glauben, dass sie alle am Montag zurückkommen werden." Dazu gehörten auch die Leichen der bereits gestorbenen Geiseln. Trump sagte außerdem, dass die USA eine Rolle beim Wiederaufbau des Gazastreifens und der Wahrung von Frieden und Sicherheit spielen würden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, für Donnerstag das Kabinett einzuberufen, um das Abkommen zu bestätigen. Die israelische Armee bereitet sich nach eigenen Angaben auf die Aufnahme der Geiseln vor.

Bislang wurde jedoch noch kein Zeitpunkt für das Inkrafttreten des Abkommens publik gemacht. Laut dem von der Hamas kontrollierten Zivilschutz flog Israel nach Bekanntgabe der Einigung auf einen Waffenruhe-Plan in der Nacht zum Donnerstag mehrere Angriffe auf den Gazastreifen. Es habe eine Reihe "intensiver Luftangriffe" auf die Stadt Gaza gegeben, sagte ein Zivilschutz-Vertreter. Besonders betroffen gewesen sei der Norden des Küstenstreifens.

Palästinenserinnen und Palästinenser in Al-Mawasi, einer humanitären Zone im Süden des Gazastreifens, reagierten erleichtert auf die Einigung. Zugleich äußerten sie sich besorgt über ein mögliches Scheitern der Waffenruhe.

"Ich bin wirklich froh, dass der Krieg zu Ende geht, aber gleichzeitig habe ich Angst vor einem Verrat, vor einer Rückkehr zu den Auseinandersetzungen wie beim ersten Waffenstillstand", sagte ein Bewohner Al-Mawasis, Tarek al-Farra, der Nachrichtenagentur AFP unter Bezug auf ein gescheitertes Waffenruheabkommen von November 2023. "Dieses Mal hoffe ich, dass unsere Freude vollkommen sein wird, dass der Albtraum ein Ende findet."

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) äußerte sich "glücklich" über den Durchbruch in den Gaza-Verhandlungen. "Die Einigung auf die erste Phase bedeutet, dass die Freilassung der Geiseln und ein Waffenstillstand endlich kurz bevorstehen", schrieb er im Onlinedienst X.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte, die Entwicklung "macht uns Mut". Zwar sei noch nicht alles abgeschlossen, doch "die Hoffnungen, auch was Israel betrifft und den Gazastreifen betrifft, haben in der letzten Nacht noch einmal zugenommen", sagte er in Berlin. Er äußerte die Hoffnung auf eine baldige Freilassung der Hamas-Geiseln und einen "Rückzug der israelischen Armee im Gazastreifen".

Palästinenserpräsident Abbas erklärte, die Einigung mache ihm "Hoffnung, dass diese Bemühungen ein Auftakt zu einer dauerhaften politischen Lösung" in der Region sein werden. Eine solche Lösung müsse "ein Ende der israelischen Besatzung" beinhalten und zur "Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates" führen.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres forderte alle Beteiligten auf, sich vollständig an die Einigung zu halten. "Eine dauerhafte Waffenruhe muss sichergestellt werden. Die Kämpfe müssen ein für alle Mal beendet werden", betonte er. Außerdem müsse die sofortige ungehinderte Einfuhr humanitärer Hilfe in den Gazastreifen gewährleistet werden.

Die Europäische Union bezeichnete das Friedensabkommen als "bedeutenden Durchbruch". "Dies ist ein großer diplomatischer Erfolg und eine echte Chance, einen verheerenden Krieg zu beenden und alle Geiseln freizulassen", erklärte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas.

Ausgelöst worden war der Krieg im Gazastreifen durch den Überfall von Kämpfern der Hamas und mit ihr verbündeter Islamisten auf Israel am 7. Oktober 2023. Nach israelischen Angaben wurden dabei mehr als 1200 Menschen getötet. 251 Menschen wurden in den Gazastreifen verschleppt.

Seither geht Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, mehr als 67.100 Menschen getötet. Die humanitäre Lage in dem Palästinensergebiet ist katastrophal.

E.Cox--TNT

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