The National Times - Studie sieht weiter große Defizite bei Europas Aufrüstung

Studie sieht weiter große Defizite bei Europas Aufrüstung


Studie sieht weiter große Defizite bei Europas Aufrüstung
Studie sieht weiter große Defizite bei Europas Aufrüstung / Foto: © POOL/AFP

Europas Aufrüstungsbemühungen leiden einer Studie zufolge weiter unter großen Defiziten. Die deutlich erhöhten Rüstungsausgaben würden deshalb "nicht automatisch zu der gewünschten größeren Kriegstüchtigkeit im Jahr 2030 führen", erklärten das Kiel Institut für Weltwirtschaft und die Brüsseler Denkfabrik Bruegel in einer am Freitag veröffentlichten Untersuchung. Demnach fehlt es in Europa an Wettbewerb zwischen den Waffenproduzenten, gemeinsamer Beschaffung und einem Fokus auf moderne Technologien.

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Zwar seien die Produktionsmengen für Artilleriegeschosse und Haubitzen in Europa erheblich gestiegen und deckten nun fast den Bedarf für eine glaubhafte und eigenständige Abschreckung gegenüber Russland, heißt es in der Untersuchung. Neben Millionen Artilleriegranaten produzierten verschiedene europäische Hersteller mittlerweile jährlich auch über 400 Artilleriehaubitzen, nachdem es im Jahr 2022 nur 168 gewesen seien.

In anderen Bereichen seien die Produktionsmengen aber "weiterhin niedrig". Dies betreffe Panzer, Schützenpanzer, Raketen und Kampfflugzeuge. "Bei Panzern und Infanteriefahrzeugen müsste die Produktion um einen Faktor von bis zu sechs steigen, um mit der Geschwindigkeit Russlands bei der Aufrüstung mitzuhalten", heißt es. "Auch die europäische Produktion von Raketen mit verschiedenen Reichweiten sollte dringend steigen, um die europäische Abschreckungsfähigkeit zu erhöhen."

Zudem sei die Produktion modernster Waffensysteme in Europa "weiterhin niedrig und die technologische Abhängigkeit von den USA hoch", stellen die Forscher fest. "Die Kosten vieler Waffensysteme in Europa sind im internationalen Vergleich sehr hoch."

"Trotz hoher Verteidigungsausgaben in Europa kann die Aufrüstung scheitern, wenn die europäische Integration der Verteidigungsmärkte nicht vorankommt“, erklärte Guntram Wolff, Professor an der Solvay Brussels School und Autor des Reports. "Gemeinsame Bestellungen bestimmter Waffensysteme beim jeweils kosteneffektivsten Anbieter im europäischen Markt würden die Kosten senken." Die Öffnung der europäischen Rüstungsmärkte würde demnach "zu mehr Wettbewerb und damit ebenfalls zu Kostensenkungen" führen.

Neben Sammelbestellungen sehen die Experten auch einen stärkeren Fokus auf Innovationen als notwendige Voraussetzung, um die Verteidigungsziele der europäischen Staaten zu erreichen. "Rüstungspläne müssen sich jetzt verstärkt auf neue Technologien konzentrieren, die in der Ukraine ihre Effektivität gezeigt haben", erklärte Wolff. Die bisherige Erhöhung von Produktionskapazitäten etwa bei Drohnen oder unbemannten Fahrzeuge sei unzureichend. Der Aufbau von eigenen Cloud-Computing- und KI-Zentren sei ebenfalls wichtig.

Zudem müssten Europas Investitionen in Forschung und Entwicklung im Verteidigungsbereich steigen. Europäische Staaten investieren in diesem Feld den Angaben zufolge mit 13 Milliarden Euro nur einen Bruchteil dessen, was die USA mit 145 Milliarden Dollar (126 Milliarden Euro) in militärische Forschung und Entwicklung stecken.

"So bleibt Europa technologisch hinter den USA, China und Russland zurück - etwa bei Drohnen, Raketen und digitaler Kriegsführung", warnte Wolff. Eine europäische Innovationsagentur nach dem Vorbild der US-Behörde Darpa könne dies ändern. Ziel müsse es sein, Rüstungs-Start-ups einen genauso guten Zugang zu Bestellungen zu geben wie etablierten Unternehmen.

P.Murphy--TNT

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