The National Times - Kabinett bringt erste Gesetzesänderungen zur Begrenzung der Migration auf den Weg

Kabinett bringt erste Gesetzesänderungen zur Begrenzung der Migration auf den Weg


Kabinett bringt erste Gesetzesänderungen zur Begrenzung der Migration auf den Weg

Drei Wochen nach ihrem Amtsantritt hat die schwarz-rote Bundesregierung erste Gesetzesvorhaben zur Begrenzung der Migration auf den Weg gebracht. Das Kabinett billigte am Mittwoch laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) drei Änderungen: die Streichung der Einbürgerung schon nach drei Jahren, die Aussetzung des Familiennachzugs und die Wiederaufnahme des Ziels der Begrenzung der Migration ins Aufenthaltsrecht. Dobrindt zeigte sich zuversichtlich, dass die Vorhaben bis Juli im Parlament beschlossen werden können.

Textgröße ändern:

Es sei "ein entscheidender Tag bei der Frage der Reduzierung von illegaler Migration", sagte Dobrindt nach der Kabinettssitzung. Ziel sei es, die Überforderung der Kommunen bei der Aufnahme von Flüchtlingen zu bekämpfen und sogenannte Pullfaktoren - also Anreize zur Einwanderung nach Deutschland - zu beseitigen.

Der Innenminister verwies dabei insbesondere auf die befristete Aussetzung des Familiennachzugs für zwei Jahre für Geflüchtete ohne Asylstatus. Sie konnte bislang von bis zu 1000 Menschen pro Monat wahrgenommen werden.

Die Aussetzung werde nicht nur dazu führen, dass keine Familienangehörigen nachkämen, sagte Dobrindt. Es würden sich auch weniger Menschen auf den Weg nach Deutschland machen, weil sie wüssten, dass ihre Familien nicht nachkommen können. Dobrindt zufolge soll es nur in Härtefällen - etwa bei dringender medizinischer Versorgung - noch Ausnahmen für einen Familiennachzug geben.

Bei der Einbürgerung nehme die Regierung nun die im vergangenen Jahr von der Ampel-Regierung geschaffene Möglichkeit zurück, diese schon nach drei Jahren zu erlangen, sagte Dobrindt weiter. Verabschiedet wurden im Kabinett insgesamt zwei Gesetzentwürfe. Die Rückkehr zum Ziel der Begrenzung der Migration findet sich in der Vorlage zum Familiennachzug.

An den Reformen gibt es heftige Kritik. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge kritisierte die Aussetzung des Familiennachzugs als unbarmherzige Entscheidung. Der Familiennachzug sei einer der ganz wenigen legalen Zugangswege, die Geflüchtete hätten, sagte sie im Deutschlandfunk. Familie sei zudem für die Integration ein wichtiger Faktor.

Das evangelische Hilfswerk Diakonie Deutschland sprach ebenfalls von einem "falschen Signal" an Menschen, die sich in Deutschland integrieren wollten. "In der Praxis droht zudem, dass Angehörige irreguläre und gefährliche Wege auf sich nehmen, um zu ihren Familien zu gelangen", erklärte Bundesvorständin Elke Ronneberger. Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, nannte es "integrationspolitisch hochgradig fragwürdig, getrennten Familien Perspektiven auf eine Zusammenführung zu nehmen".

"Was von Dobrindt als Migrationswende verkauft wird, ist nicht weniger als die Abkehr von Humanität und Menschenrechten", erklärte die Linken-Abgeordnete Clara Bünger. Sie kritisierte auch das Ende der Einbürgerung nach drei Jahren. Sie treffe "Menschen, die sich längst in unsere Gesellschaft einbringen - durch Sprache, Arbeit, Bildung oder ehrenamtliches Engagement". Denn Voraussetzung für die beschleunigte Einbürgerung waren bisher "besondere Integrationsleistungen" wie ehrenamtliches Engagement.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, ging seinerseits nicht davon aus, dass die geplante Rücknahme der Turbo-Einwanderung im Staatsbürgerschaftsrecht gravierende Konsequenzen nach sich ziehen wird. Sie betreffe "nicht sehr viele Menschen", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Trotzdem sei die Rücknahme der Reform "schade", denn die schnelle Einbürgerung sei "eine zusätzliche Motivation" gewesen, sich ehrenamtlich zu engagieren, etwa beim Roten Kreuz oder bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Dobrindt betonte, Kritik sei zu erwarten gewesen, die Entscheidungen seien aber notwendig. Der CSU-Politiker fügte offenbar mit Blick auf die hohen Umfragewerte der AfD und die Debatte um ein Parteiverbotsverfahren an: "Ich rate nicht dazu, auf Wahlergebnisse zu reagieren, indem man meint, man könnte politische Strömungen wegverbieten. Man muss sie wegregieren."

Die AfD kritisierte "Mogelpakete". So nehme Dobrindt nur die "Turbo-Einbürgerung" nach drei Jahren zurück. Die von der Ampel-Regierung gleichfalls von acht auf fünf Jahre verkürzte Regelwartefrist nehme er aber nicht zurück, erklärte der Abgeordnete Gottfried Curio.

M.Davis--TNT

Empfohlen

Nach Protesten: Spanische Regierung beschließt Maßnahmenpaket für Mieter

Nach tagelangen Protesten gegen hohe Mieten und die Wohnungsnot hat die spanische Regierung am Dienstag ein Gesetzespaket verabschiedet, das die Verlängerung von befristeten Mietverträgen und ein Moratorium für Zwangsräumungen vorsieht. Ob das Maßnahmenpaket durchs Parlament kommt, ist aber unklar. Die Proteste hatten sich an der Zwangsräumung der Wohnung der 87-jährigen Maricarmen Abascal in Madrid entzündet. Laut deren Anwältin kann die Rentnerin wieder zurück in ihre alte Wohnung.

Koalition ringt vor geplantem Kabinettsbeschluss um Einigung bei Pflegereform

Vor dem geplanten Kabinettsbeschluss haben sich Union und SPD am Dienstag in intensiven Verhandlungen weiter um eine Einigung bei der Pflegereform bemüht. "Wir werden sehen, ob wir im Kabinett uns mit einem Beschluss darauf verständigen können", sagte SPD-Fraktionschef Matthias Miersch am Dienstagnachmittag in Bremen. "Noch ist kein weißer Rauch aufgestiegen", hatte am Morgen der SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis im ZDF betont. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass eine Einigung bis Mittwoch gelinge - dann sollte die Reform eigentlich vom Bundeskabinett beschlossen werden.

AfD-Verbot: SPD-Fraktionsvorsitzende fordern Einleitung eines Prüfverfahrens

Die Fraktionsvorsitzenden der SPD haben sich gemeinsam für die Einleitung eines Prüfverfahrens zu einem Verbot der AfD ausgesprochen. "Die AfD ist eine rechtsextreme Partei", heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Beschluss zum Abschluss der zweitägigen Fraktionsvorsitzendenkonferenz. Die Partei greife die freie Gesellschaft an, normalisiere Rassismus, mache demokratische Institutionen verächtlich "und arbeitet darauf hin, die freiheitliche demokratische Grundordnung von innen heraus zu beseitigen".

Rechtspopulistin Le Pen weist Antisemitismusvorwurf gegen Bardella als Manipulation zurück

Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen hat Antisemitismusvorwürfe gegen den Parteichef Jordan Bardella als politische Manöver zurückgewiesen. "Das lassen wir nicht mit uns machen", sagte sie am Dienstag in Paris vor Abgeordneten ihrer Partei Rassemblement National (RN) und verbündeter Parteien. Sie wolle herausfinden, "wer hinter dieser Manipulation steckt", sagte Le Pen.

Textgröße ändern: