The National Times - UNO verteilt erstmals seit Anfang März Hilfsgüter im Gazastreifen

UNO verteilt erstmals seit Anfang März Hilfsgüter im Gazastreifen


UNO verteilt erstmals seit Anfang März Hilfsgüter im Gazastreifen
UNO verteilt erstmals seit Anfang März Hilfsgüter im Gazastreifen / Foto: © AFP

Nach zweieinhalb Monaten völliger Blockade hat die UNO in der Nacht zu Donnerstag mit der Verteilung von Hilfsgütern für den Gazastreifen begonnen. Am Mittwoch seien "rund 90 Lastwagenladungen mit Gütern am Kerem-Schalom-Übergang abgeholt" worden, erklärte UN-Sprecher Stéphane Dujarric. Erstmals seit Anfang März seien damit Hilfsgüter in dem Palästinensergebiet verteilt worden, in dem die Menschen von einer Hungersnot bedroht sind. Die israelische Militäroffensive im Gazastreifen ging derweil unvermindert weiter: Am Donnerstag rief die israelische Armee die Bevölkerung von 14 Gebieten zur Evakuierung auf.

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Erstmals seit mehr als elf Wochen waren Lastwagen mit Hilfsgütern am Montag in den Küstenstreifen gelangt. Die Lastwagen transportierten laut der für das Palästinensergebiet zuständigen israelischen Behörde Cogat unter anderem Mehl, Babynahrung und medizinische Ausrüstung. Am Dienstag erreichten 93 weitere Lastwagen das Palästinensergebiet.

Bei der Übergabe der Lieferungen gab es nach UN-Angaben zunächst Schwierigkeiten: Laut Dujarric war dies darauf zurückzuführen, dass die israelischen Behörden für die Entladungen nur einen "sehr überfüllten Bereich" zuließen, der "nicht sicher" sei. Ab Mittwochnacht konnten dann erste Lieferungen an die Menschen im Palästinensergebiet verteilt werden.

Am Donnerstag teilte Israel mit, dass 100 weitere Lastwagen mit humanitären Hilfsgütern der Vereinten Nationen im Gazastreifen eingetroffen seien. Hilfsorganisationen hatten in den vergangenen Monaten wiederholt die katastrophalen humanitären Bedingungen im Gazastreifen angeprangert und vor einer drohenden Hungersnot gewarnt.

Die für die Verteilung von Hilfsgütern im Gazastreifen gegründete private US-Stiftung Gaza Humanitarian Foundation (GHF) kündigte zudem an, in Kürze ihre Arbeit vor Ort aufzunehmen. Sie werde "die Logistik, die Sicherheit und den Zugang wiederherstellen, den die herkömmlichen Hilfsorganisationen verloren" hätten, teilte die umstrittene Organisation mit.

Derweil ging die militärische Offensive Israels im Gazastreifen unvermindert weiter: Am Donnerstag rief die israelische Armee die Bewohner von 14 Gebieten im Norden des Gazastreifens zur Evakuierung auf und warnte, in den Gebieten mit Härte gegen "terroristische Organisationen und ihre Aktivitäten" vorzugehen.

Unter dem wachsenden internationalen Druck auf Israel, die katastrophale Lage im Gazastreifen zu beenden, erklärte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu am Mittwoch zwar, er sei zu einer befristeten Waffenruhe im Gazastreifen bereit, um die Rückkehr der dort noch festgehaltenen israelischen Geiseln zu ermöglichen. Gleichzeitig hielt Netanjahu an dem kürzlich verkündeten Ziel fest, die vollständige Kontrolle über den Gazastreifen zu übernehmen.

International dauerte zudem die Kontroverse um Schüsse israelischer Soldaten während des Besuchs einer Diplomatengruppe im Westjordanland am Mittwochmorgen an: Die Diplomaten hatten Dschenin im von Israel besetzten Westjordanland besucht, als israelische Soldaten Schüsse abfeuerten. Während die israelische Armee von "Warnschüssen" sprach, verurteilte das Auswärtige Amt den "unprovozierten Beschuss" der Diplomaten-Delegation, zu der auch ein deutscher Vertreter gehörte.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und mehrere europäische Regierungen forderten sofortige Aufklärung von Israel; unter anderem Italien, Frankreich, Spanien und Portugal beriefen die israelischen Botschafter ein.

Die israelische Armee hatte ihre massiven Angriffe im Gazastreifen Mitte März nach einer zweimonatigen Waffenruhe wieder aufgenommen, am Wochenende wurde die Offensive ausgeweitet. Bis vor wenigen Tagen blockierte Israel zudem die Einfuhr jeglicher Hilfsgüter in das Gebiet.

Der Krieg war durch den brutalen Großangriff der radikalislamischen Hamas und mit ihr verbündeter militanter Palästinensergruppen auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden. Dabei wurden nach israelischen Angaben rund 1200 Menschen getötet, 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Noch immer werden 57 Geiseln von den Islamisten festgehalten, 34 von ihnen sind nach Angaben der israelischen Armee bereits tot.

Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die nicht unabhängig überprüft werden können, bislang mehr als 53.700 Menschen getötet, die meisten von ihnen Zivilisten.

P.Murphy--TNT

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