The National Times - Türkei sperrt X-Account von Erdogan-Rivalen Imamoglu nach Protesten

Türkei sperrt X-Account von Erdogan-Rivalen Imamoglu nach Protesten


Türkei sperrt X-Account von Erdogan-Rivalen Imamoglu nach Protesten
Türkei sperrt X-Account von Erdogan-Rivalen Imamoglu nach Protesten / Foto: © AFP

Nach erneuten massiven Protesten gegen die Inhaftierung des Istanbuler Bürgermeisters und Oppositionspolitikers Ekrem Imamoglu haben die türkischen Behörden dessen Account im Onlinedienst X gesperrt. Das Konto @ekrem_imamoglu sei in der Türkei aufgrund einer juristischen Aufforderung gestoppt worden, hieß es am Donnerstagmorgen bei der Suche nach dem Account mit fast zehn Millionen Followern. Am Vortag waren in Istanbul zehntausende Menschen zur Unterstützung des wichtigsten innenpolitischen Rivalen von Präsident Recep Tayyip Erdogan auf die Straße gegangen.

Textgröße ändern:

Das dem türkischen Präsidialamt untergeordnete "Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation" erklärte, Imamoglus X-Konto sei wegen eines Beitrags vom April gesperrt worden, der als "öffentliche Aufforderung zur Begehung einer Straftat" gewertet werden könne. Darin hatte Imamoglu die Festnahme von Oppositionellen scharf kritisiert und die Bevölkerung aufgerufen, "nicht zu schweigen und ihre Stimme zu erheben".

Der Vorsitzende der türkischen Vereinigung für Meinungsfreiheit, Yaman Akdeniz, bezeichnete die Sperrung von Imamoglus Account als "willkürliche Anordnung". Seit Imamoglus Verhaftung seien bereits hunderte X-Konten von Sperrungen betroffen, sagte Akdeniz der Nachrichtenagentur AFP. Der Onlinedienst sei zu einem "verlängerten Arm der türkischen Strafverfolgungsbehörden geworden".

Der Anwalt Gönenc Gürkaynak erklärte, er habe "auf Anfrage von X und in meiner Eigenschaft als unabhängiger Anwalt von X" in der Türkei Einspruch gegen die gerichtliche Anordnung eingelegt. Als Zeichen der Solidarität ersetzten Nutzer des Onlinedienstes ihr Profilbild durch ein Foto Imamoglus.

Imamoglu war im März festgenommen worden, ein Gericht ordnete kurz darauf Untersuchungshaft wegen Korruptionsvorwürfen an. Imamoglu, der als größter innenpolitischer Rivale von Präsident Erdogan gilt, weist die Vorwürfe zurück. Die Festnahme des populären Oppositionspolitikers löste die größte Protestwelle in der Türkei seit den sogenannten Gezi-Protesten im Jahr 2013 aus. Seit März wurden im Zuge der Proteste fast 2000 Menschen festgenommen, darunter viele Journalisten.

In seinem letzten Beitrag vor der Sperrung seines X-Kontos hatte Imamoglu zur Teilnahme an einer von seiner linksnationalistischen Oppositionspartei CHP organisierten Kundgebung aufgerufen. Zehntausende Menschen folgten am Mittwochabend dem Aufruf. Die Demonstration fand vor der Istanbuler Universität statt, die Imamoglu kurz vor seiner Festnahme dessen Abschluss aberkannt und damit die Möglichkeit einer Präsidentschaftskandidatur verbaut hatte.

"Unser Kampf ist der Kampf für Demokratie und Freiheit", rief CHP-Chef Özgur Özel bei der Kundgebung. Eine Petition für die Freilassung von Imamoglu und sofortige Neuwahlen wurde laut Özel inzwischen von 14,8 Millionen Türken unterzeichnet.

J.Sharp--TNT

Empfohlen

Nach massiven Ausschreitungen: Neue nächtliche Ausgangssperren in französischen Städten

Nach den landesweiten Gewaltausbrüchen am Wochenende in Frankreich sind die nächtlichen Ausgangssperren in Paris und mehreren anderen Städten verlängert worden. In Paris gelten die Einschränkungen von Dienstag 23.00 Uhr bis Mittwoch 06.00 Uhr rund um die Place de la République und für das Einkaufsviertel Les Halles, wie die Polizeipräfektur in der Hauptstadt mitteilte.

UNO verurteilt Gewalt bei Protesten in europäischen Städten

UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk hat sich besorgt gezeigt angesichts der Gewalt in der Folge von Protesten in mehreren europäischen Städten. "Die großen Demonstrationen in Albanien, Belgien, Frankreich, Italien und Portugal sorgen für Beunruhigung bezüglich der Menschenrechte", erklärte Türk am Dienstag. "Ich verurteile alle Gewalttaten und rufe alle beteiligten Parteien auf, die Spannungen zu senken und jegliche neue Gewalt zu verhindern."

Merz würdigt Beitrag türkischer Gastarbeiter für Entwicklung Deutschlands

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat anlässlich des 65. Jahrestags des Abschlusses des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens die Lebensleistung der Eingewanderten gewürdigt. "Türkische Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter haben die industrielle Substanz unseres Landes mitaufgebaut", sagte Merz am Dienstag in Berlin bei einem Festakt zum Jahrestag. Sie hätten "die Infrastruktur des Wohlstandes geschaffen, in der wir heute leben", zudem "das kulturelle Gesicht der Bundesrepublik Deutschland tiefgreifend mitgestaltet".

AfD bestätigt Angriff auf E-Mail-Postfächer: "Große Datenmengen abgeflossen"

Bei einem Hackerangriff auf einen Dienstleister der AfD sind nach Angaben der Partei Daten aus mehreren E-Mail-Postfächern abgegriffen worden. Wie die Bundespartei am Dienstag in Berlin erklärte, wurden zwar "nur wenige Mail-Postfächer" rechtswidrig kopiert. Dabei seien jedoch "große Datenmengen abgeflossen". Die meisten der betroffenen Postfächer sind demnach seit Jahren nicht mehr genutzt worden. Aktuelle Postfächer des AfD-Bundesverbands seien nicht betroffen.

Textgröße ändern: