The National Times - Ifo-Berechnungen: Ölkonzerne geben Tankrabatt weitgehend an Kunden weiter

Ifo-Berechnungen: Ölkonzerne geben Tankrabatt weitgehend an Kunden weiter


Ifo-Berechnungen: Ölkonzerne geben Tankrabatt weitgehend an Kunden weiter
Ifo-Berechnungen: Ölkonzerne geben Tankrabatt weitgehend an Kunden weiter / Foto: © AFP/Archiv

In der Debatte über den Tankrabatt hat das Münchener Ifo-Institut Berechnungen vorgelegt, wonach die Steuersenkung auf Kraftstoffe "im Wesentlichen" an die Kundinnen und Kunden weitergegeben worden sei. Beim Diesel hätten Tankstellen die Reduzierung komplett weitergereicht, erklärte das Institut, das den Tankrabatt trotzdem für falsch hält. Der Mineralöl-Lobbyverband wandte sich gegen die von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) angekündigte Verschärfung des Kartellrechts.

Textgröße ändern:

Der Begriff Tankrabatt umschreibt eine seit 1. Juni und bis 31. August geltende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe. Bei Benzin macht dies 29,55 Cent je Liter aus, bei Diesel 14,04 Cent. Dadurch ergibt sich auch eine Ersparnis bei der Mehrwertsteuer - insgesamt kann sich Benzin um rund 35 Cent und Diesel um rund 17 Cent verbilligen, wenn die Steuersenkung eins zu eins weitergegeben wird.

Bei Diesel hätten die Tankstellen die Steuerersparnis "zu 100 Prozent weitergegeben, also 17 Cent Steuersenkung je Liter", erklärte Florian Neumeier vom Ifo-Institut am Dienstag. "Beim Super Benzin waren es 29 bis 30 Cent von den 35 Cent Steuersenkung, also 85 Prozent."

"Trotz der Weitergabe an die Konsumenten ist der Tankrabatt nicht sinnvoll", erklärte allerdings Ifo-Präsident Clemens Fuest. "Er kommt Menschen mit höherem Einkommen und höheren Spritausgaben zugute und nicht Menschen mit geringem Einkommen."

Darüber hinaus setze der Tankrabatt die falschen Anreize. "Er hält nicht dazu an, weniger Benzin und Diesel zu verbrauchen", kritisierte Fuest. "Aus ökologischen Gründen und um die Abhängigkeit von Russland zu vermindern, wäre aber das genaue Gegenteil notwendig." Ob die Steuersenkung dauerhaft an die Konsumenten weitergegeben werde, sei ebenfalls offen.

Der Mineralöl-Lobbyverband Fuels und Energie wies Kritik erneut zurück. Deutschland befinde sich bezüglich hoher Spritpreise im europäischen Vergleich in guter Gesellschaft, "wobei die Tankstellenpreise in anderen westeuropäischen Ländern zum Teil noch höher" seien, sagte Hauptgeschäftsführer Adrian Willig im TV-Sender Phoenix. So kämen Autofahrende "beispielsweise aus Luxemburg oder Dänemark" nach Deutschland um zu tanken, "weil es hier billiger ist". Das zeige, dass der Tankrabatt auch an den Tankstellen ankomme.

Kritisch äußerte sich Willig zu der von Habeck geplanten Kartellrechtsreform. Überlegungen, Unternehmen ohne Nachweis von Verstößen sanktionieren oder gar zerschlagen zu können, seien "sehr problematisch und unangemessen". Es habe den Anschein, dass man "jetzt unter starkem politischen Druck steht, um solche Maßnahmen vorzuschlagen".

Ähnlich äußerte sich der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes HDE, Stefan Genth. Habecks Pläne kämen einem "Blankoscheck" für das Kartellamt gleich, was "willkürliche und politisch motivierte Entscheidungen begünstigen", würde, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er empfehle "dringend", das Vorhaben nicht weiter zu verfolgen, sagte Genth.

Unterdessen riet der ADAC Autofahrenden zum Tanken am Abend. Kraftstoff sei morgens am teuersten - der Unterschied zum Tiefststand am Abend betrage im Durchschnitt bei Diesel gut 16 Cent pro Liter, bei Super E10 seien es zehn Cent, erklärte der Automobilclub.

S.Ross--TNT

Empfohlen

Mecklenburg-Vorpommern: 19 Landeslisten stehen endgültig fest

Zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im September bleibt es bei den vom Landeswahlausschuss zugelassenen 19 Landeslisten. Das Landesverfassungsgericht verwarf am Freitag die Verfassungsbeschwerde der Partei Lobbyisten für Kinder auf Zulassung zur Wahl, wie das Landesinnenministerium in Schwerin mitteilte. Die Landesliste der Partei war zuvor durch den Landeswahlausschuss wegen einer Fristüberschreitung zurückgewiesen worden.

Hamburger Finanzbeamtin soll wegen Cum-Ex-Affäre vor Gericht

Erstmals soll eine Vertreterin des Staates im Zuge des Cum-Ex-Skandals vor Gericht. Das Oberlandesgericht (OLG) Köln ließ die Anklage gegen die Hamburger Finanzbeamtin Daniela P. wegen Beihilfe zur versuchten Steuerhinterziehung zu, wie eine Gerichtssprecherin am Freitag bestätigte. Zunächst hatte der WDR darüber berichtet. P. steht demnach im Verdacht, der Hamburger Warburg-Bank geholfen zu haben, zu Unrecht vereinnahmtes Steuergeld zunächst zu behalten.

Belagerung von Palästinensern: Frankreich drängt Israel zur Festnahme von Siedlern

Die französische Regierung hat die Behörden in Israel zur Festnahme von extremistischen israelischen Siedlern wegen deren anhaltender Belagerung mehrerer palästinensischer Häuser im Westjordanland gedrängt. Paris verurteile "aufs Schärfste" die Belagerung sowie die "gegen palästinensische Zivilisten verübte Gewalt", teilte das französische Außenministerium am Freitag mit. Die französische Regierung fordere "die israelischen Behörden auf, die Täter festzunehmen und vor Gericht zu stellen", hieß es weiter.

Rechtspopulist Farage gewinnt von etablierten Parteien boykottierte Nachwahl in England

In Großbritannien hat der Rechtspopulist Nigel Farage die eigens von ihm erzwungene und von den etablierten Parteien boykottierte Parlaments-Nachwahl im Osten Englands klar gewonnen. Farage lag mit 22.239 Stimmen weit vorne, wie die Wahlbehörde am Freitag mitteilte. Der Vorsitzende der Partei Reform UK hatte das nun erneut von ihm gewonnene Abgeordnetenmandat im Juli niedergelegt, nachdem gegen ihn wegen einer verdeckten Millionen-Spende parlamentarische Ermittlungen eingeleitet worden waren.

Textgröße ändern: