The National Times - Britische Justiz macht Weg für erste Abschiebeflüge nach Ruanda am Dienstag frei

Britische Justiz macht Weg für erste Abschiebeflüge nach Ruanda am Dienstag frei


Britische Justiz macht Weg für erste Abschiebeflüge nach Ruanda am Dienstag frei
Britische Justiz macht Weg für erste Abschiebeflüge nach Ruanda am Dienstag frei / Foto: © AFP

Die britische Justiz hat den Weg für umstrittene Abschiebeflüge von illegal ins Land gekommenen Asylbewerbern nach Ruanda freigemacht. Ein Berufungsgericht in London lehnte am Montag eine Berufung von Aktivisten ab, die den ersten derartigen Flug am Dienstag verhindern wollten. Die britische Regierung will trotz scharfer Kritik der UNO, von Menschenrechtsaktivisten, der Kirche und sogar des britischen Königshauses an dem Vorhaben festhalten.

Textgröße ändern:

London hat mit Ruanda ein Abkommen geschlossen, um illegal eingewanderte Migranten im Gegenzug für Zahlungen in das ostafrikanische Land auszufliegen. Dies soll Menschen abschrecken, die illegale Einreise nach Großbritannien zu versuchen. Am Freitag hatte der britische High Court in einer Eilentscheidung das umstrittene Vorhaben gebilligt.

Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen sowie die Gewerkschaft PCS, welche die britischen Grenzschutzbeamten vertritt, legten umgehend Berufung ein, die nun negativ beschieden wurde. Am Dienstag soll nach den Plänen der Regierung der erste Flug mit Asylbewerbern nach Ruanda starten.

Ursprünglich sollten 31 Asylbewerber mit einem gecharterten Flugzeug nach Ruanda ausgeflogen werden. Laut der Organisation Care4Calais wurden die Tickets von 23 der Betroffenen inzwischen aber storniert. Die Maschine werde nun voraussichtlich mit nur acht abzuschiebenden Migranten an Bord starten, teilte die Organisation auf Twitter mit. Darunter seien vier Iraner, zwei Iraker, zwei Albaner und ein Syrer.

Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen sowie die Gewerkschaft PCS kritisieren das Abkommen als unmoralisch, gefährlich und kontraproduktiv. Auch der britische Thronfolger Prinz Charles hatte das Vorhaben laut einem Medienbericht als "entsetzlich" verurteilt. Nach Angaben von Beobachtern ist die Menschenrechtslage in dem ostafrikanischen Land alles andere als vorbildlich.

Die Vereinten Nationen hatten das britische Vorhaben ebenfalls wiederholt kritisiert. Der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Filippo Grandi, bekräftigte diese Kritik am Montag: Das Abkommen mit Ruanda sei "aus so vielen Gründen völlig falsch" und könne einen "katastrophalen" Präzedenzfall schaffen, sagte er auf einer Pressekonferenz in Genf.

Premierminister Boris Johnson verteidigte das Vorhaben hingegen im Radionsender LBC erneut. "Es ist sehr wichtig, dass die kriminellen Banden, die das Leben von Menschen im Ärmelkanal aufs Spiel setzen, verstehen, dass ihr Geschäftsmodell zerstört wird", sagte er mit Blick auf Schlepperbanden.

PCS-Gewerkschaftschef Mark Serwotka verwies darauf, dass der High Court im Zuge seiner Entscheidung von Freitag eine umfassendere Anhörung über die Rechtmäßigkeit des gesamten Vorhabens für nächsten Monat angesetzt habe. "Stellen Sie sich vor, Sie werden am Dienstag aufgefordert, etwas zu tun, was sich dann im Juli als illegal herausstellt", sagte er am Sonntag dem Sender Sky News mit Blick auf die Grenzschutzbeamten. "Das wäre eine entsetzliche Situation."

London hat für die Abschiebung und Unterbringung der Migranten in Ruanda zunächst 120 Millionen Pfund (144 Millionen Euro) veranschlagt. Die ruandische Regierung erklärte, sie werde den Migranten die Möglichkeit anbieten, "sich dauerhaft in Ruanda niederzulassen, wenn sie dies wünschen".

A.M.Murray--TNT

Empfohlen

Kommunalwahl in Frankreich: Präsident Macron bestreitet Einmischung

Kurz vor der zweiten Runde der Kommunalwahlen in Frankreich hat Präsident Emmanuel Macron eine Einmischung zugunsten der konservativen Pariser Kandidatin, Ex-Kulturministerin Rachida Dati, bestritten. "Anonyme Gerüchte ohne Beweise sollten nicht als Information verbreitet werden", schrieb das Präsidialamt am Freitag im Onlinedienst X als Kommentar zu einem Artikel der Tageszeitung "Le Monde".

Schlagabtausch zur Kulturfreiheit: Linke und Grüne gehen mit Weimer ins Gericht

Harter Schlagabtausch zur Kulturpolitik im Bundestag: Nach dem Wirbel um den Ausschluss von Buchhandlungen von einer Preisvergabe sind Linke und Grüne am Freitag hart mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) ins Gericht gegangen. Abgeordnete beider Fraktionen stellten Weimers Amtsverständis in Frage und forderten seinen Rücktritt. Union und AfD warfen ihnen im Gegenzug Doppelmoral in der Frage vor, wie weit Kunst gehen darf.

Trump nennt Nato-Verbündete "Feiglinge"

Wegen ihrer Haltung im Iran-Krieg hat US-Präsident Donald Trump die Nato-Verbündeten als "Feiglinge" beschimpft. Trump schrieb am Freitag in seinem Onlinedienst Truth Social, die Partner beschwerten sich im Iran-Krieg über die hohen Ölpreise, wollten aber nicht helfen, die Straße von Hormus zu öffnen. Dabei sei dies "ein einfacher militärischer Schritt" mit "geringem Risiko".

Vorläufiges Endergebnis: CDU gewinnt Kommunalwahl in Hessen vor SPD und AfD

Die CDU hat die Kommunalwahl in Hessen am vergangenen Sonntag deutlich vor der SPD und der AfD gewonnen. Laut vorläufigem Endergebnis erreichte die CDU 29,8 Prozent, wie das Statistische Landesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Das waren 1,3 Prozentpunkte mehr als bei der Kommunalwahl 2021. Zweitstärkste Kraft wurde die SPD mit 20,8 Prozent, was einen Verlust von 3,2 Prozentpunkten bedeutete.

Textgröße ändern: