The National Times - Koalitionsgespräche erreichen Führungsebene - Parteichefs dämpfen Erwartungen

Koalitionsgespräche erreichen Führungsebene - Parteichefs dämpfen Erwartungen


Koalitionsgespräche erreichen Führungsebene - Parteichefs dämpfen Erwartungen
Koalitionsgespräche erreichen Führungsebene - Parteichefs dämpfen Erwartungen / Foto: © AFP

Die Verhandlungen über die Bildung der künftigen Bundesregierung sind seit Freitag Chefsache: Am Nachmittag kam in der Berliner SPD-Zentrale zum ersten Mal die 19-köpfige Hauptverhandlungsgruppe aus Union und SPD zusammen, um Lösungen in den verbliebenen Streitfragen zu finden. Die Parteichefs dämpften zum Auftakt Erwartungen, dass alle Wünsche aus den Facharbeitsgruppen auch finanziert werden könnten. Sie zeigten sich zum erfolgreichen Abschluss der Gespräche aber optimistisch.

Textgröße ändern:

Er gehe "mit großer Zuversicht in die nächsten Tage", sagte CDU-Chef Friedrich Merz. "Aber es liegen auch noch einige Brocken vor uns." Mit Blick auf zuvor ausgearbeitete Beiträge der 16 Facharbeitsgruppen sagte er, bei manchen habe offenbar das Motto "Wünsch Dir was" gelautet. Aufgabe der Hauptverhandlungsgruppe werde es jetzt sein, "das auf das mögliche Maß zu reduzieren". Klar sei: "Wir werden umfassend sparen müssen."

Auch SPD-Ko-Chefin Saskia Esken sprach bei einem gemeinsamen Pressetermin mit Blick auf die Arbeitsgruppenbeiträge von einer Sammlung von "sehr, sehr vielen Wünschen". Sie betonte ebenfalls: "Unsere Mittel sind begrenzt."

Ko-Parteichef Lars Klingbeil sagte: "Die Aneinanderreihung von vielen guten Forderungen macht noch keinen Koalitionsvertrag." Die geplante schwarz-rote Koalition dürfe den "Fehler" der Ampel-Regierung nicht wiederholen, "dass wir gute Dinge aufschreiben, die am Ende aber nicht finanziert sind".

Nach der ersten Phase der Koalitionsgespräche komme es "jetzt auf die zweite Halbzeit an", sagte CSU-Chef Markus Söder, der sich betont zuversichtlich hinsichtlich eines Abschlusses zeigte. In ein paar Punkten gebe es "noch unterschiedliche Auffassungen, aber wir werden es gemeinsam dann schon wuppen". Wichtig sei, dass es der künftigen Koalition gelinge, "neue Hoffnung" in Deutschland zu schaffen und "ein bisschen mehr Optimismus".

Die 16 Facharbeitsgruppen von Union und SPD zu Themen wie Inneres, Wirtschaft, Gesundheit oder Verteidigung hatten am Montag ihre Ergebnisse eingereicht. Offene Fragen bleiben aber insbesondere in den Bereichen Migration, Steuern, Rente und der Energiepolitik.

"Sozialdemokraten mögen halt gern Steuererhöhungen", sagte Söder dazu im ARD-"Morgenmagazin". "Das werden wir nicht tun. Wir brauchen Steuersenkungen."

Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) hingegen betonte, ihre Partei sei "natürlich der Auffassung, die starken Schultern können etwas mehr tragen". Die SPD wolle wie im Wahlkampf versprochen 95 Prozent der Bürgerinnen und Bürger entlasten, dafür müssten "einige wenige, die es verkraften können", etwas mehr Steuern zahlen, sagte Rehlinger.

Der CDU-Politiker Jens Spahn nannte in der ARD "Konsolidieren" und "Sparen" als Themen, bei denen er schwierige Gespräche erwarte. Die künftige Koalition übernehme von der Vorgängerregierung einen Haushalt mit einem Defizit von 30 oder 40 Milliarden Euro - "und da ist noch keine der neuen Maßnahmen, der neuen Ideen finanziert".

Auf Sparzwänge wies auch die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), hin. Das bereits beschlossene 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz dürfe "nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland trotzdem sparen muss", sagte sie den Sendern RTL und ntv. Die Finanzen seien der größte Brocken für die Verhandlungsrunde.

SPD-Chef Klingbeil betonte, Ziel müsse es sein, "etwas Großes zu formulieren", was den Herausforderungen in der aktuellen Weltlage Rechnung trage. Dabei gehe es aus seiner Sicht um die Modernisierung Deutschlands, eine wettbewerbsfähige Wirtschaft und Verbesserungen für die Leistungsträger der Gesellschaft. Esken nannte auch das Ziel, dass Menschen von ihrer Arbeit gut leben müssten und gegebenenfalls auch auf Solidarität setzen könnten, wenn sie Probleme bekämen.

Merz betonte, der Koalitionsvertrag müsse "ganz wesentliche Veränderungen" beinhalten. Der CDU gehe es dabei insbesondere um den Bereich Migration, die Wettbewerbsfähigkeit und die Haushaltsführung über die gesamte Legislaturperiode bis 2029.

M.A.Walters--TNT

Empfohlen

Berliner Linke trifft sich mit Grünen und SPD zu Gespräch vor möglichen Sondierungen

Elf Tage nach der Abgeordnetenhauswahl in Berlin treffen sich Linke, Grüne und SPD am Donnerstag (11.00 Uhr) zu einem ersten Gespräch vor möglichen Sondierungen. Bei dem Treffen auf Einladung der Linken soll geklärt werden, ob die Voraussetzungen für Sondierungsgespräche gegeben sind. Die Linke gewann die Wahl am 20. September deutlich. Spitzenkandidatin Elif Eralp kündigte anschließend an, eine Regierung mit Grünen und SPD anzustreben.

Bundesgericht prüft Herstellung von Impfstoff gegen Coronavirus durch Arzt

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt am Donnerstag (11.30 Uhr) darüber, ob ein Arzt selbst einen Impfstoff gegen das Coronavirus für seine Patienten herstellen darf. Der Mediziner aus Baden-Württemberg meldete dem Karlsruher Regierungspräsidium im Sommer 2021, dass er einen solchen Impfstoff anfertige. Die Behörde verbot ihm das. (Az. 3 C 11.24)

EU-Innenminister beraten über Abschiebungen

Die EU-Innenminister treffen sich am Donnerstag in Luxemburg, um über weitere Möglichkeiten zur Förderung von Abschiebungen zu diskutieren. Laut Tagesordnung sollen die Minister darüber beraten, wie die Abschiebung von Menschen ohne Aufenthaltsrecht durch eine "verstärkte Zusammenarbeit" mit "prioritären" Drittstaaten verbessert werden kann. Gleichzeitig prüfen Deutschland und vier weitere Länder Optionen zur Einrichtung von Abschiebezentren außerhalb der EU.

Wadephul trifft europäische Außenminister in Montenegro und reist nach Italien

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) berät am Donnerstag in Montenegro mit weiteren europäischen Außenministern über die Annäherung der Westbalkanstaaten an die Europäische Union. Das Treffen in der Hauptstadt Podgorica findet im Rahmen des sogenannten Berlin-Prozesses statt, den Deutschland 2014 initiiert hatte. Zum Westbalkan gehören Albanien, Bosnien und Herzegowina, das Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien. Alle sechs Staaten bewerben sich seit vielen Jahren um eine Mitgliedschaft in der EU.

Textgröße ändern: