The National Times - Gewalt in Syrien: Aktivisten berichten von "ethnischen Säuberungsaktionen"

Gewalt in Syrien: Aktivisten berichten von "ethnischen Säuberungsaktionen"


Gewalt in Syrien: Aktivisten berichten von "ethnischen Säuberungsaktionen"
Gewalt in Syrien: Aktivisten berichten von "ethnischen Säuberungsaktionen" / Foto: © AFP

Im Zuge der tödlichen Gewalt im Westen Syriens ist es nach Angaben von Aktivisten zu "ethnischen Säuberungsaktionen" gekommen. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag mitteilte, wurden bei zahlreichen Massakern in Küstengebieten und im Latakia-Gebirge mindestens 973 Zivilisten getötet. Darunter seien auch Frauen und Kinder. Derweil sicherte Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa eine Bestrafung aller Verantwortlichen zu.

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Der Beobachtungsstelle zufolge sind die "Tötungen, Exekutionen vor Ort und ethnischen Säuberungsaktionen" im Zuge der tödlichen Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften der neuen islamistischen Führung und Kämpfern der alawitischen Minderheit noch nicht vorbei. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Aktivisten vor Ort. Ihre Angaben können oft nicht unabhängig überprüft werden.

Drei Monate nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad hatten Einsatzkräfte der neuen islamistischen Machthaber nach übereinstimmenden Berichten in den vergangenen Tagen Massaker an hunderten Zivilisten im Westen des Landes verübt.

Der Beobachtungsstelle zufolge wurden im Nordwesten des Landes seit Donnerstag mehr als 1300 Menschen getötet, darunter mindestens 830 Angehörige der alawitischen Minderheit. Augenzeugen berichteten am Wochenende von regelrechten Jagdszenen, Patriarch Johannes X. sprach von Massakern auch an Christen.

Die Beobachtungsstelle sprach von regelrechten "Massakern" und "Hinrichtungen", bei denen auch Kinder getötet worden seien. Die Opfer würden aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu den Alawiten oder ihres Wohnorts ausgesucht.

In der mehrheitlich von Alawiten bewohnten Region Latakia war es am Donnerstag zu heftigen Gefechten zwischen Kämpfern der neuen islamistischen Führung und Anhängern Assads gekommen, welcher der alawitischen Minderheit angehört. Am Freitag startete die neue Führung einen Großeinsatz gegen "die Überreste von Assads Milizen und deren Unterstützer".

Die Regierung der halbautonomen Kurdenregierung im Nordosten Syriens verurteilte am Sonntag die Gewalt und warnte in einer Erklärung vor einer Rückkehr "in eine dunkle Zeit, welche die Syrer nicht noch einmal erleben wollen".

Übergangspräsident al-Scharaa, dessen islamistische Regierung sich seit dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad gemäßigt gibt, rief in einer Moschee in Damaskus dazu auf, "die nationale Einheit" und den "inneren Frieden" des Landes "so weit wie möglich" zu bewahren. Er fügte an: "So Gott will, werden wir in der Lage sein, in diesem Land so weit wie möglich zusammen zu leben."

Das syrische Präsidialamt setzte nach eigenen Angaben eine "unabhängige" Untersuchungskommission ein, welche "die Übergriffe auf Zivilisten untersuchen und die Verantwortlichen identifizieren" soll.

In Damaskus lösten Sicherheitskräfte unterdessen einen Schweigemarsch für die Opfer auf, nachdem es zu zu Zusammenstößen mit Gegendemonstranten gekommen war. Die Protestierenden wurden mit Warnschüssen vertrieben.

Später sagte al-Scharaa in einer von der syrischen Nachrichtenagentur Sana verbreiteten Videobotschaft: "Wir werden mit Entschlossenheit und ohne Nachsicht jeden zur Rechenschaft ziehen, der am Blutvergießen unter der Zivilbevölkerung beteiligt war oder die die Befugnisse des Staates überschritten hat."

Die islamistische HTS-Miliz von al-Scharaa und verbündete Milizen hatten am 8. Dezember Damaskus erobert und die jahrzehntelange Schreckensherrschaft von Assad beendet. Seit der Machtübernahme hat al-Scharaa wiederholt versichert, die Minderheiten im Land schützen zu wollen. Die HTS ging einst aus der Al-Nusra-Front hervor, dem syrischen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

C.Stevenson--TNT

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