The National Times - Blockade von LGBTQ-Inhalten: Menschengerichtshof verurteilt Russland

Blockade von LGBTQ-Inhalten: Menschengerichtshof verurteilt Russland


Blockade von LGBTQ-Inhalten: Menschengerichtshof verurteilt Russland
Blockade von LGBTQ-Inhalten: Menschengerichtshof verurteilt Russland / Foto: © AFP/Archiv

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat Russland am Dienstag wegen Verstoßes gegen die Meinungsfreiheit verurteilt. Konkret ging es um den Fall von sechs Russen, deren Internetseiten und Onlineangebote wegen der "Förderung von Homosexualität von Minderjährigen" blockiert worden waren. Das Gericht sah darin einen Verstoß gegen Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention, der das Recht auf freie Meinungsäußerung sichert.

Textgröße ändern:

Die Russen hatten Internetseiten und Gruppen in Onlinenetzwerken betrieben, darunter die für die LGBTQ-Gemeinschaft wichtige Seite www.gay.ru und das Onlineprojekt "Kinder-404. LGBT-Jugendliche". Die englische Abkürzung LGBTQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer.

Im eigenen Land wurden sie dafür wegen der Ordnungswidrigkeit der "Förderung von nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen" verurteilt, die mit einer Geldstrafe geahndet wird. Der Zugang zu ihren Onlineangeboten wurde blockiert.

Nach Ansicht der Straßburger Richter wird durch die Blockade jedoch Kindern der Zugang zu Informationen verwehrt, "welche gleichgeschlechtliche Beziehungen als gleichwertig zu Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlichen Geschlechts darstellen", was einen Verstoß gegen die freie Meinungsäußerung darstellt.

In weiteren Fällen verurteilte das Gericht Russland zudem wegen der Verletzung des Rechts auf Achtung des Privat- und Familienlebens und Verstoßes gegen das Diskriminierungsverbot. Antragsteller waren drei russische Staatsbürger, darunter ein homosexuelles Paar, deren persönliche Daten über ihre sexuelle Orientierung in Onlinenetzwerken veröffentlicht worden waren. Alle leben mittlerweile als Flüchtlinge im Ausland.

In Russland herrscht seit Jahren ein feindliches Umfeld für die LGBTQ-Gemeinschaft. Anfang 2024 war die "LGBT-Bewegung" auf eine Liste verbotener extremistischer Gruppen gesetzt worden.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ist dafür zuständig, in den 46 Unterzeichnerstaaten die Einhaltung der Europäischen Menschenrechtskonvention zu überwachen. Russland wurde zwar nach Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 aus dem Europarat ausgeschlossen und ist seit September 2022 nicht mehr Teil der Konvention - für bis dahin begangene Verstöße muss sich das Land aber dennoch verantworten.

T.Allen--TNT

Empfohlen

Lettland wählt neues Parlament unter Druck russischer Bedrohung

In Lettland wird am Samstag unter dem Eindruck wiederholter Drohnenvorfälle und der Bedrohung durch Russland ein neues Parlament gewählt. Trotz Zugewinnen für populistische und Protestparteien wird erwartet, dass bei der Wahl der proeuropäische und proukrainische Kurs des baltischen Staates mit 1,8 Millionen Einwohnern bestätigt wird. In Umfragen führt die Mitte-rechts-Partei Vereinte Liste von Ministerpräsident Andris Kulbergs.

Ostbeauftragte Kaiser: Zeit ist reif für Bundespräsidentin aus Ostdeutschland

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, hat anlässlich des Tages der Deutschen Einheit mehr ostdeutsche Spitzenpolitiker gefordert und sich für eine Bundespräsidentin aus Ostdeutschland ausgesprochen. "Wenn die Spitzen der Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober in Bremen zum Tag der deutschen Einheit zusammenkommen, fällt wieder mal auf, dass von Ihnen derzeit niemand aus Ostdeutschland kommt", sagte Kaiser der Neuen Osnabrücker Zeitung (Samstag).

Kritik an brasilianischer Justiz wegen Einmischung in TV-Debatte vor Präsidentschaftswahl

Zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl in Brasilien ist die Justiz wegen ihrer Einmischung in die letzte geplante TV-Debatte vor dem Urnengang in die Kritik geraten. Drei brasilianische Medienverbände äußerten am Freitag ihre "tiefe Empörung über die richterliche Einmischung in zuvor festgelegte Regeln". Der Sender Globo hatte die Debatte nach zwei kurzfristigen Gerichtsentscheidungen abgesagt.

G7 geben bis zu 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel frei - Ölpreise fallen

Angesichts gestiegener Treibstoffpreise und auf Druck aus den USA haben die G7-Staaten am Freitag die Freigabe von bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus ihren Reserven vereinbart. Die Freigabe solle "sofort beginnen" und sich über vier Monate erstrecken, "einschließlich einer vorgezogenen umfangreichen Dieselfreigabe innerhalb der ersten 20 Tage", hieß es in der G7-Erklärung. Die Ölpreise gaben deutlich nach.

Textgröße ändern: