The National Times - Früherer Tory-Chef rechnet mit Misstrauensabstimmung über Johnson

Früherer Tory-Chef rechnet mit Misstrauensabstimmung über Johnson


Früherer Tory-Chef rechnet mit Misstrauensabstimmung über Johnson
Früherer Tory-Chef rechnet mit Misstrauensabstimmung über Johnson / Foto: © UK PARLIAMENT/AFP

Ein Misstrauensvotum gegen den britischen Premierminister Boris Johnson wegen des "Partygate"-Skandals wird nach Einschätzung des früheren Parteichefs der Konservativen, William Hague, immer wahrscheinlicher. In der Regierungspartei herrsche seit der Vorlage des internen Untersuchungsberichts der Regierung zu dem Skandal eine "sehr, sehr besorgte" Stimmung, sagte Hague am Dienstag im "Times Radio".

Textgröße ändern:

Er äußerte die Erwartung, dass es angesichts des Skandals um Partys am Regierungssitz während des Corona-Lockdowns entweder schon kommende Woche oder "gegen Ende Juni" zu der Misstrauensabstimmung kommen werde. "Die Lunte kommt hier dem Dynamit näher, und sie wird schneller", sagte Hague, der von 1997 bis 2001 Parteivorsitzender der Tories war.

Damit ein Misstrauensvotums gegen Johnson zustande kommt, müssten sich 54 der 359 Tory-Abgeordneten im Unterhaus in Briefen an ein Komitee der Konservativen dafür aussprechen. Bislang wurde von fast 30 Tory-Abgeordneten öffentlich bekannt, dass sie solche Schreiben eingereicht haben. Da um das Verfahren viel Geheimhaltung betrieben wird, ist nicht bekannt, wieviele derartige Misstrauensbriefe bislang insgesamt vorliegen.

Kommt das Quorum von 54 Briefen zustande, findet innerhalb der Tory-Fraktion das Misstrauensvotum in geheimer Wahl statt. Für den Erfolg eines solchen Votums ist eine Mehrheit von mehr als 50 Prozent der konservativen Abgeordneten erforderlich.

Wenn eine solche Mehrheit erreicht würde, wäre Johnson zum Rücktritt vom Amt des Parteivorsitzenden verpflichtet. Dies würde zugleich sein Ende als Premier bedeuten, da in Großbritannien das Amt des Regierungschefs an jenes des Vorsitzenden der stärksten Partei gekoppelt ist.

In derzeitigen Umfragen vertritt eine klare Mehrheit der Bürger die Ansicht, dass Johnson zu "Partygate" gelogen habe und zurücktreten sollte. Zuletzt hatten weitere Mitglieder der konservativen Fraktion, darunter zwei frühere Minister, Zweifel an Johnsons Verbleib in den Spitzenämtern geäußert.

Die Unruhe bei den Tories wurde durch den am vergangenen Mittwoch vorgelegten Untersuchungsbericht der hochrangigen Beamtin Sue Gray geschürt, die ein vernichtendes Fazit zog. Die Regierungsspitze sei für die Verfehlungen während des Corona-Lockdowns verantwortlich, folgerte sie. Gray kritisierte vielfache Regelverstöße und "exzessiven Alkoholkonsum" am Regierungssitz.

Johnson bekundete Bedauern über die wiederholten Verstöße gegen die Corona-Restriktionen in seinem Haus, die Rücktrittsforderungen wies er aber zurück.

S.O'brien--TNT

Empfohlen

Merz hält an Reformkurs fest - trotz Wahlfiasko für CDU

Kurs halten - trotz beispielloser Wahlschlappe: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will die geplanten Reformen ungeachtet eines historisch schlechten Abschneidens der CDU in Mecklenburg-Vorpommern und der Niederlage gegen die Linke in Berlin fortsetzen. "Die Reformen müssen kommen", sagte der Kanzler am Sonntagabend in Berlin und erteilte damit zugleich Spekulationen über einen "Kanzlertausch" oder Rücktritt als Parteivorsitzender eine Absage. Auch die SPD bekräftigte das Festhalten am Reformkurs, meldete jedoch Nachbesserungsbedarf an.

Bürgermeisterwahl in brandenburgischem Strausberg: Stichwahl nötig

Bei der Wiederholung der Bürgermeisterwahl im brandenburgischen Strausberg hat keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit geholt. Auf dem ersten Platz landete mit 48,2 Prozent die parteilose Einzelkandidatin Annette Binder, auf dem zweiten mit 19,0 Prozent der parteilose Einzelkandidat Robert Krause, wie am Sonntagabend aus dem vorläufigen Wahlergebnis hervorging. Demnach kommt es am 11. Oktober zur Stichwahl.

Prognose: Putins Partei siegt wie erwartet bei Parlamentswahl in Russland

Die Partei von Präsident Wladimir Putin hat die Parlamentswahl in Russland laut Nachwahlbefragungen wie erwartet klar gewonnen. Der am Sonntagabend vom staatlichen Meinungsforschungszentrum veröffentlichten Prognose zufolge holte die Regierungspartei Geeintes Russland gut 49 Prozent der Stimmen und fuhr damit ein ähnliches Ergebnis ein wie bei der Wahl vor fünf Jahren. Die ebenfalls Kreml-treue Kommunistische Partei kam demnach auf rund 14 Prozent, die nationalistische LDPR auf knapp elf Prozent der Stimmen.

Macron: Frankreich und Kanada sind "große unabhängige Nationen und wollen es bleiben"

Nach wiederholten Sticheleien von US-Präsident Donald Trump gegen Kanada und die EU hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den kanadischen Premierminister Mark Carney demonstrativ im französischen Überseegebiet Saint-Pierre-et-Miquelon vor der kanadischen Küste empfangen. Frankreich und Kanada seien "zwei große unabhängige Nationen und wollen es bleiben", sagte Macron am Sonntag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Carney. Er setze auf eine engere Zusammenarbeit beider Länder in den Bereichen Fischerei, Sicherheit und Energie.

Textgröße ändern: