The National Times - Landesweite Proteste gegen Gewalt an Frauen in Frankreich

Landesweite Proteste gegen Gewalt an Frauen in Frankreich


Landesweite Proteste gegen Gewalt an Frauen in Frankreich
Landesweite Proteste gegen Gewalt an Frauen in Frankreich / Foto: © AFP

"Die Scham muss die Seite wechseln": In zahlreichen Städten Frankreichs haben am Samstag tausende Menschen gegen Gewalt an Frauen demonstriert - darunter viele Frauen, aber auch Männer. Mehr als 400 Organisationen und Persönlichkeiten hatten zu Protesten unter anderem in Paris, Bordeaux, Marseille und Lille aufgerufen.

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In Paris bewegte sich der Protestzug am Nachmittag vom Gare du Nord in Richtung Bastille. "Alle zwei Minuten eine Metro, alle sieben Minuten eine Vergewaltigung", war auf einem Transparent zu lesen.

"Je mehr wir sind, desto sichtbarer werden wir", sagte die Lokalpolitikerin Peggy Plou der Nachrichtenagetur AFP in Paris. "Das geht alle etwas an, nicht nur die Frauen".

Es müsse ganz schnell ein Gesetz eingeführt werden, sagte die 78-jährige Krankenschwester im Ruhestand, Marie-Claire Abiker. "Nur weil man nichts sagt, heißt das nicht, dass man einverstanden ist".

In Marseille versammelten sich laut Polizei etwa 800 Menschen am Alten Hafen. "Brechen wir das Schweigen, die Scham muss die Seite wechseln" oder "Nein heißt Nein" war auf Schildern der Teilnehmer zu lesen.

"Wir haben alle eine Rolle, insbesondere die Männer", sagte der 38-jährige Demonstrant Arnaud Garcette in Marseille. "Wir sind die Quelle des Problems und auch die Quelle der Lösungen".

Die landesweiten Proteste fanden zwei Tage vor dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen statt, der jährlich am 25. November begangen wird.

Dieses Jahr stehen die Kundgebungen unter dem Eindruck des aufsehenerregenden Vergewaltigungsprozesses von Avignon, in dem am Montag das Plädoyer der Staatsanwaltschaft beginnt. Die heute 71-jährige Gisèle Pelicot wurde von ihrem Ehemann über zehn Jahre hinweg regelmäßig mit Schlafmitteln betäubt und von diesem sowie von Fremden vergewaltigt. Der Fall erschütterte ganz Frankreich - das Opfer wird mittlerweile für ihren Mut gefeiert.

In Lille nahmen mehr als 800 Menschen an einer Tanzdemonstration zu Musik von Beyoncé, Clara Luciani und Aretha Franklin teil. "Im Jahr 2018 waren wir fast nur Frauen. Heute sind es (...) 30 Prozent Männer. Das ist wirklich eine sehr gute Nachricht" sagte die Aktivistin Amy Bah von #Noustoutes.

Die Verbände, darunter Planning familial, Fondation des femmes und #Noustoutes fordern, die aktuelle "zerstückelte und unvollständige" Gesetzgebung durch ein neues "umfassendes Rahmengesetz" zu ersetzen sowie ein Gesamtbudget von 2,6 Milliarden Euro für den Kampf gegen Gewalt an Frauen.

Die großen Gewerkschaften CGT und die CFDT schlossen sich dem Aufruf an. Die Regierungen der vergangenen Jahre hätten zahlreiche Versprechen gegeben - die Mittel seien jedoch "lächerlich gering und nehmen weiter ab", kritisierten sie.

T.Ward--TNT

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