The National Times - Gedenkdebatte für Hamas-Opfer von Parteipolitik überlagert

Gedenkdebatte für Hamas-Opfer von Parteipolitik überlagert


Gedenkdebatte für Hamas-Opfer von Parteipolitik überlagert
Gedenkdebatte für Hamas-Opfer von Parteipolitik überlagert / Foto: © AFP/Archiv

Die Debatte im Bundestag zum Gedenken an den Überfall der radikalislamischen Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 ist am Donnerstag von innenpolitischen Kontroversen überlagert worden. Redner von Union und AfD machten hier lebende Migranten für den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland mitverantwortlich und kritisierten deutsche Zurückhaltung bei Waffenlieferungen an Israel. Politikerinnen von SPD und Grünen warfen daraufhin der Opposition vor, das Gedenken an die Opfer für Parteipolitik zu nutzen.

Textgröße ändern:

"Ein wesentlicher Beitrag zur Begrenzung des Antisemitismus in Deutschland ist und bleibt der Stopp der ungehinderten massenhaften Zuwanderung vor allem von nicht schutzbedürftigen Männern aus dem arabischen Raum", sagte CDU-Chef Friedrich Merz in seiner Rede. In deren Herkunftsländern sei "nicht der Schutz Israels, sondern die Vernichtung Israels Teil der politischen Sozialisation".

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt verlangte, Antisemitismus als "besonders schweren Fall der Volksverhetzung" und solche Straftaten als regelhaften Ausweisungsgrund von Ausländerinnen und Ausländern zu verankern.

Merz und Dobrindt kritisierten zudem, dass die Bundesregierung Israel Lieferungen von Munition und militärischen Ersatzteilen verweigere und sich bei der UNO zu Israel-kritischen Resolutionen der Stimme enthalten habe. "Wer in Deutschland gegen jüdisches Leben auf die Straße geht, der hat in diesem Land nichts zu suchen, denn er teilt unsere Werte nicht", sagte auch FDP-Fraktionschef Christian Dürr.

AfD-Parlamentsgeschäftsführer Bernd Baumann führte ebenfalls die Verdopplung antisemitischer Straftaten in Deutschland seit dem Hamas-Überfall unter anderem auf die Zuwanderung von Muslimen zurück. Allerdings liegt die Verantwortung nach seinen Worten bei "der deutschen Migrationspolitik vor allem in den 16 Jahren Unions-geführter Regierung", weil in dieser Zeit "Judenhasser hunderttausendfach ins Land gekommen" seien. Hinzu komme heute ein "linksextremistischer Mob, der sich mit ihnen verbündet", sagte Baumann weiter.

Ihr sei "nicht erklärlich", wie man aus dem Gedenken an die Hamas-Opfer "eine innenpolitische Debatte machen kann" sagte SPD-Fraktionsvize Gabriele Heinrich mit Blick auf Merz.

"Das ist kein Thema für Parteipolitik", mahnte auch Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne). Die Unterstützung für Israel müsse für die demokratischen Parteien "deutsche Staatsräson sein, unabhängig davon, wer das Land regiert". Der AfD warf sie vor, in Deutschland lebenden Migrantinnen und Migranten "die Würde der Menschlichkeit abzusprechen".

Scharfe Kritik gab es in der Debatte auch an Äußerungen von BSW-Chefin Sahra Wagenknecht am Mittwochabend in einer Debatte des TV-Senders "Welt". Wagenknecht hatte darin Israel eine "barbarische Kriegsführung" vorgeworfen, bei der im Gaza-Streifen "wahllos Frauen und Kinder ermordet werden". Hier würde Israel "Terror mit Terror bekämpfen", sagte Wagenknecht weiter. Angesichts solcher Äußerungen sei mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht "kein Staat zu machen, weder hier noch an anderer Stelle", sagte dazu Dürr.

P.Jones--TNT

Empfohlen

Einen Tag nach tödlichen Angriffen: Huthis attackieren erneut Flughafen in Riad

Einen Tag nach ihren tödlichen Luftangriffen auf Saudi-Arabien haben die pro-iranischen Huthis das Königreich erneut attackiert. Huthi-Sprecher Jahja Saree erklärte am Donnerstag im Onlinedienst X, die jemenitische Miliz habe den wichtigsten internationalen Flughafen der saudiarabischen Hauptstadt Riad "erfolgreich" mit einer ballistischen Rakete angegriffen. Tags zuvor waren bei Angriffen auf mehrere internationale Flughäfen in Saudi-Arabien drei Menschen getötet worden. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition kündigte daraufhin Vergeltungsmaßnahmen an.

Steinmeier beginnt zweitägigen Staatsbesuch in Frankreich

Zum Auftakt seines zweitägigen Staatsbesuchs in Frankreich wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag (10.00 Uhr) vom französischen Staatschef Emmanuel Macron mit militärischen Ehren am Pariser Triumphbogen begrüßt. Anschließend sind ein Gespräch mit Macron im Elysée-Palast und eine gemeinsame Presseerklärung geplant. Am Abend soll ein Staatsbankett im Elysée stattfinden.

Bundestag debattiert über Einkommensteuerreform

Der Bundestag debattiert am Donnerstag (09.00 Uhr) über die geplante Einkommensteuerreform. Die Abgeordneten befassen sich in erster Lesung mit dem Vorhaben, das innerhalb der Koalition kontrovers diskutiert wird und vorsieht, vor allem kleine und mittlere Einkommen und insbesondere Familien zu entlasten. In erster Lesung wird außerdem über die geplante Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe sowie die Neuregelung des Wohngeldes debattiert.

Britischer Premierminister Burnham zu Antrittsbesuch bei Merz

Der britische Premierminister Andrew Burnham kommt am Donnerstag zu seinem Antrittsbesuch nach Berlin. Dabei wollen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der seit Juli amtierende Premier die Ratifikationsurkunden zum deutsch-britischen Freundschaftsvertrag austauschen, der damit in Kraft tritt. Der sogenannte Kensington-Vertrag sieht eine engere Zusammenarbeit in zahlreichen Bereichen vor, darunter in der Außen- und Sicherheitspolitik wie auch in der Wirtschaft. Unterzeichnet worden war der Vertrag im Juli 2025 von Merz und Burnhams Vorgänger Keir Starmer.

Textgröße ändern: