The National Times - Hamas-Politbüro-Chef Hanija bei Angriff in Teheran getötet - Iran droht mit Vergeltung

Hamas-Politbüro-Chef Hanija bei Angriff in Teheran getötet - Iran droht mit Vergeltung


Hamas-Politbüro-Chef Hanija bei Angriff in Teheran getötet - Iran droht mit Vergeltung
Hamas-Politbüro-Chef Hanija bei Angriff in Teheran getötet - Iran droht mit Vergeltung / Foto: © AFP

Der Chef des Hamas-Politbüros, Ismail Hanija, ist nach Angaben der islamistischen Palästinenserorganisation sowie des Iran in Teheran getötet worden. Hanija sei bei einem "zionistischen Angriff auf seine Residenz in Teheran" gestorben, erklärte die Hamas am Mittwoch. Die iranische Führung, die Hamas und deren Verbündeten drohten Israel Vergeltung an. Auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, die Türkei, Russland, China sowie das im Gaza-Krieg vermittelnde Katar reagierten empört.

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Laut Hamas wurde Hanija nach seiner Teilnahme an der Vereidigung des neuen iranischen Präsidenten Massud Peseschkian in Teheran in seiner dortigen Residenz getötet. "Die Vorgehensweise wird von unseren iranischen Kollegen geklärt, die die Ermittlungen leiten", ergänzte der ranghohe Hamas-Vertreter Taher al-Nunu.

Für "dieses Attentat" sei Israel verantwortlich "und auch die USA tragen die Verantwortung", gab sich al-Nunu überzeugt. Hamas-Politbüro-Mitglied Musa Abu Marsuk erklärte, diese "feige Tat" bleibe "nicht unbeantwortet".

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten zunächst, wer Hanija und einen seiner Leibwächter bei dem Angriff auf Hanijas Residenz in Teheran getötet habe, werde noch untersucht. Später machte die iranische Führung jedoch Israel verantwortlich und rief drei Trauertage für Hanija aus.

"Mit dieser Tat hat das verbrecherische und terroristische zionistische Regime den Boden bereitet für eine harsche Bestrafung", erklärte Irans geistlicher Führer Ayatollah Ali Chamenei laut amtlicher Nachrichtenagentur Irna. Der Iran habe die "Pflicht, Rache für sein Blut zu üben". Der iranische Präsident Peseschkian schrieb im Onlinedienst X, sein Land werde seine "territoriale Integrität" verteidigen und "die terroristischen Eindringlinge ihre feige Tat bereuen lassen".

Hanija war am Dienstag zu Peseschkians Vereidigung in Teheran angekommen und hatte sich mit dem neuen Präsidenten sowie Ayatollah Chamenei getroffen. Iranischen Medien zufolge starb Hanija am Mittwoch gegen 02.00 Uhr (Ortszeit, 00.30 Uhr MESZ) bei einem Luftangriff auf ein Wohnhaus für Kriegsveteranen im Norden Teherans.

Am Dienstag hatte die israelische Armee nach eigenen Angaben im Libanon den ranghöchsten Hisbollah-Militärkommandeur Fuad Schukr getötet, den sie für den tödlichen Raketenangriff auf den Golanhöhen verantwortlich macht. Die proiranische Miliz erklärte am Mittwoch, Schukr habe sich zwar in dem bombadierten Gebäude in einem Vorort von Beirut aufgehalten, sein Verbleib sei aber unklar. Zur Tötung Hanijas erklärte die Hisbollah, diese Tat werde "die Entschlossenheit" der Verbündeten im Kampf gegen Israel "verstärken".

Die Hisbollah-Miliz gehört wie die Huthi-Miliz im Jemen und die Hamas zur von Teheran ausgerufenen und gegen Israel gerichteten "Achse des Widerstands". Mohammed Ali al-Huthi vom Politbüro der Huthi-Miliz bezeichnete die Tötung Hanijas als "abscheuliches terroristisches Verbrechen".

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die Tat "aufs Schärfste" als "schwere Eskalation". Das palästinensische Volk müsse weiter "entschlossen gegen die israelische Besatzung auftreten".

Die palästinensischen Bewegungen im Westjordanland sprachen von "zionistischem Staatsterrorismus" und riefen in einer gemeinsamen Erklärung zu einem Generalstreik und "Märschen der Wut" in den Palästinensergebieten auf.

Die israelische Armee wollte die Berichte über Hanijas Tod nicht kommentieren. Regierungschef Benjamin Netanjahu hat nach dem Angriff vom 7. Oktober das Ziel ausgegeben, die Hamas im Gaza-Krieg zu vernichten. Bei dem Angriff der Hamas und verbündeter islamistischer Kämpfer auf den Süden Israels waren israelischen Angaben zufolge 1197 Menschen getötet und 251 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden.

Hanija, der 2006 nach dem Sieg der Hamas bei der Parlamentswahl im Gazastreifen Regierungschef des Palästinensergebietes geworden war, wurde 2017 der Nachfolger von Chaled Meschaal als Chef des Hamas-Politbüros. Er lebte im Exil und hielt sich in der Türkei und in Katar auf. Die Hamas erklärte, Hanija werde nach Trauerfeierlichkeiten in Teheran am Freitag in Doha beerdigt.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan verurteilte auf X die "hinterhältige Ermordung" seines "Bruders" Hanija. Das Außenministerium in Ankara erklärte: "Dieser Angriff zielt auch darauf ab, den Gaza-Krieg auf eine internationale Dimension auszuweiten". Netanjahus Regierung habe erneut gezeigt, dass "sie nicht die Absicht hat, Frieden zu schaffen".

Katar, das zu den Vermittlerländern im Gaza-Krieg gehört, verurteilte die Tötung Hanijas als "abscheuliches Verbrechen" und "gefährliche Eskalation". Regierungschef Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani sieht damit seine Vermittlungsbemühungen zwischen Israel und der Hamas in Frage gestellt. "Politische Morde und fortgesetzte Angriffe auf Zivilisten im Gazastreifen, während die Gespräche fortgesetzt werden, führen uns zu der Frage, wie Vermittlung gelingen kann, wenn eine Partei den Verhandler der anderen Seite ermordet", schrieb er auf X.

Der russische Vize-Außenminister Michail Bogdanow sprach laut staatlicher Nachrichtenagentur RIA Nowosti von einem "vollkommen inakzeptablen politischen Mord", der zu einer "weiteren Eskalation der Spannungen" führen werde. Das syrische Außenministerium warnte, die Tötung Hanijas könne "die gesamte Region in Brand stecken".

Der chinesische Außenamtssprecher Lin Jian sagte, Peking verurteile "die Ermordung" und befürchte "weitere Instabilität" in der Region. In China hatten sich die Hamas, die Fatah und weitere palästinensische Gruppierungen vergangene Woche für die Nachkriegszeit im Gazastreifen auf eine nationale Interimsregierung der "Versöhnung" geeinigt.

S.Lee--TNT

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