The National Times - Russland will völlige Kontrolle über Donbass und Südukraine erreichen

Russland will völlige Kontrolle über Donbass und Südukraine erreichen


Russland will völlige Kontrolle über Donbass und Südukraine erreichen
Russland will völlige Kontrolle über Donbass und Südukraine erreichen / Foto: © AFP

Russland strebt im Krieg gegen die Ukraine die vollständige Kontrolle über den gesamten Donbass sowie den Süden des Landes an. Dies sei seit Beginn der "zweiten Phase der Spezialoperation" eine der Aufgaben der Armee, sagte Generalmajor Rustam Minnekajew am Freitag laut russischen Nachrichtenagenturen. Die UNO kam derweil zu der Einschätzung, dass sich die Taten der russischen Armee seit Kriegsbeginn "als Kriegsverbrechen erweisen" könnten.

Textgröße ändern:

Mit der Eroberung des Donbass und des Südens könne eine "Landverbindung" zur annektierten Krim-Halbinsel geschaffen werden, sagte Minnekajew. Seine Äußerungen waren die bislang detailliertesten Angaben zu Russlands Zielen in der "zweiten Phase" des Militäreinsatzes.

Die Ukraine, die in den vergangenen Tagen umfangreiche Waffenlieferungen westlicher Länder erhalten hatte, zeigte sich hingegen siegesgewiss. "Sie können das Unvermeidliche nur hinauszögern - den Zeitpunkt, an dem die Invasoren unser Gebiet verlassen müssen, insbesondere Mariupol", sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstagabend.

Moskau hatte die strategisch wichtige Hafenstadt am Donnerstag für "befreit" erklärt. Kiew widersprach und erklärte am Freitag, die ukrainischen Kämpfer, die sich im Stahlwerk der Stadt verschanzt haben, blieben "standhaft".

Regionalgouverneur Pawlo Kyrylenko beschrieb die Lage der verbliebenen Soldaten am Freitag als "sehr schwierig". Die Bombardierungen auf das Gelände hielten an. Die Kämpfer würden jedoch "so lange wie nötig durchhalten". Der Gouverneur bezeichnete den Ausgang der Gefechte in Mariupol als entscheidend für den gesamten Kriegsverlauf. "Der Erfolg der russischen Offensive im Süden hängt vom Schicksal von Mariupol ab."

In dem riesigen Industriekomplex in Mariupol halten sich laut Kyrylenko auch noch rund 300 zivilisten auf. Hoffnung auf ein Entkommen aus der zerstörten Stadt gab es für diese Menschen am Freitag nicht. Es könnten keine Fluchtkorridore eingerichtet werden, da die Lage zu gefährlich sei, erklärte Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk auf Telegram. "An alle, die darauf warten, in Sicherheit gebracht zu werden: Bitte wartet geduldig und haltet durch!"

Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Freitag, Russland sei "jederzeit" zu einer Feuerpause auf dem Industriegelände Asow-Stahl in Mariupol bereit. Voraussetzung für eine solche "humanitäre Pause" wäre, dass die ukrainischen Verbände die weiße Flagge hissten.

Die UNO erklärte am Freitag, Russlands Taten in der Ukraine seit Kriegsbeginn könnten auf Kriegsverbrechen hinauslaufen. "Die russischen Truppen haben wahllos Wohngebiete bombardiert, Zivilisten getötet und Krankenhäuser, Schulen und andere zivile Einrichtungen zerstört, lauter Taten, die sich als Kriegsverbrechen erweisen könnten", sagte Ravina Shamdasani, Sprecherin des UN-Menschenrechtskommissariats. So sei allein in Butscha die "unrechtmäßige Tötung" von 50 Zivilisten dokumentiert worden.

Jüngste Satellitenbilder der US-Firma Maxar Technologies zeigen nach Unternehmensangaben zudem "die Existenz einer Massengrabanlage im Nordwesten von Manhusch", einem Dorf 20 Kilometer westlich von Mariupol.

Allein in diesem Dorf "sollen die Besatzer zwischen 3000 und 9000 Bewohner begraben haben", erklärte die Stadtverwaltung von Mariupol auf Telegram. Bürgermeister Wadym Boitschenko schätzte, dass die russischen Angriffe seit Beginn der Belagerung mindestens 20.000 Menschen in Mariupol getötet haben.

Der ukrainische Präsident Selenskyj begrüßte unterdessen die jüngsten Zusagen westlicher Militärhilfe, darunter schwere Artilleriewaffen, dutzende Haubitzen und 144.000 Schuss Munition aus den USA.

Großbritannien erklärte sich am Freitag bereit, Polen bei der Lieferung schwerer Waffen wie Panzer an die Ukraine unterstützen. London prüfe die Möglichkeit, "Panzer nach Polen zu schicken", während Warschau seinerseits T-72-Panzer an Kiew liefere, sagte Premierminister Boris Johnson.

Er kündigte zudem an, dass die britische Botschaft in der kommenden Woche wieder zurück in die Hauptstadt Kiew verlegt werde. Anfang der Woche hatten bereits Italien und Spanien diesen Schritt bekannt gemacht, davor die Türkei und Frankreich.

L.Johnson--TNT

Empfohlen

Zusammenstöße zwischen Polizei und Rechtsradikalen in Den Haag

Im niederländischen Den Haag ist es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und hunderten Rechtsradikalen gekommen. Trotz eines Verbots zogen am Samstag rund 500 Demonstranten durch das Stadtzentrum, skandierten antisemitische Parolen und attackierten die Beamten mit Feuerwerk und Wurfgeschossen. Es gab mehrere Festnahmen, die Polizei setzte Schlagstöcke und Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein.

US-Abkommen mit Dänemark zu Grönland wird von jeder Seite als Erfolg verbucht

Die Einigung zwischen den USA und Dänemark zur Sicherheit Grönlands hat jede Seite für sich als Erfolg verbucht. Die Vereinbarung sei "gut für die Nato und für Europa", erklärte die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen am späten Freitagabend. US-Präsident Donald Trump betonte seinerseits, die Vereinbarung über die Zukunft der autonomen dänischen Arktisinsel übertrage die "dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Belange in Grönland" an Washington. Um die Zukunft Grönlands hatte es lange ein erbittertes Ringen mit Drohungen von Trumps Seite gegeben.

Trump setzt neues Sanktionspaket gegen Russland in Kraft

US-Präsident Donald Trump hat verschärfte Sanktionen gegen Russland in Kraft gesetzt. Er unterzeichnete am Freitag ein nach langen Verhandlungen vom US-Kongress beschlossenes Gesetz, das den Druck auf Russland zur Beendigung des Ukraine-Kriegs erhöhen soll. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dankte Trump für das Sanktionspaket, aus Moskau kamen neue Drohungen.

Parlamentswahl: Russland meldet Cyberangriff auf elektronisches Wahlsystem

Am zweiten Tag der Parlamentswahl in Russland ist das elektronische Wahlsystem in Moskau nach Behördenangaben Ziel eines Cyberangriffs geworden. In der Nacht zu Samstag sei das System in der Hauptstadt "einer massiven und anhaltenden Attacke" ausgesetzt gewesen, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Ria die Leiterin der zentralen Wahlkommission, Ella Pamfilowa. Die Lage sei jedoch "unter Kontrolle", versicherte sie. Die Sicherheit des Systems gewährleiste weiterhin eine elektronische Stimmabgabe.

Textgröße ändern: