The National Times - Griechenland: Prozess um Schiffsunglück mit hunderten Toten eingestellt

Griechenland: Prozess um Schiffsunglück mit hunderten Toten eingestellt


Griechenland: Prozess um Schiffsunglück mit hunderten Toten eingestellt
Griechenland: Prozess um Schiffsunglück mit hunderten Toten eingestellt / Foto: © AFP

Im Prozess in Griechenland um eines der folgenreichsten Schiffsunglücke im Mittelmeer sind die Anklagen gegen neun Beschuldigte am Dienstag fallengelassen worden. Das Gericht in Kalamata folgte der Argumentation der Verteidigung und erklärte sich für nicht zuständig, da das Schiff in internationalen Gewässern gesunken sei.

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Der überladene Trawler "Adriana" war im Juni vergangenen Jahres vor der griechischen Küste mit schätzungsweise mehr als 750 Migrantinnen und Migranten an Bord gesunken, nur 104 Passagiere überlebten und lediglich 82 Leichen wurden geborgen.

Neun Ägypter, die das Unglück überlebt hatten, waren wegen fahrlässiger Tötung, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Beihilfe zur illegalen Einreise angeklagt. Die Männer im Alter zwischen 21 und 37 Jahren saßen elf Monate lang in Untersuchungshaft. Im Falle einer Verurteilung hätte ihnen eine lebenslange Haftstrafe gedroht.

Ihre Anwälte erklärten, die Männer seien zu Sündenböcken gemacht worden, um vom Fehlverhalten der griechischen Küstenwache abzulenken, die es versäumt habe, nach dem Unglück eine wirksame Rettungsaktion einzuleiten. "Ich habe meinen gesamten Besitz für diese Reise verkauft", sagte einer der Angeklagten am Dienstag vor Gericht. "Ich weiß nicht, warum ich im Gefängnis bin."

Die Verteidiger beklagten außerdem Verfahrensfehler bei den Ermittlungen. Ihre Mandanten seien keine 24 Stunden nach dem Untergang des Schiffes und auf der Grundlage von nur neun Zeugenaussagen festgenommen worden, von denen einige nicht richtig übersetzt worden seien. Nach Darstellung der Anwälte gaben einige Überlebende außerdem an, von der griechischen Polizei unter Druck gesetzt worden zu sein, die Verdächtigen auf unscharfen Fotos zu identifizieren.

In dem Fall gibt es weiterhin viele offene Fragen, Ermittlungen zum Agieren der griechischen Behörden dauern an.

Die EU-Grenzschutzagentur Frontex und die NGO Alarm Phone hatten den griechischen Behörden gemeldet, dass sich die "Adriana" in der griechischen Such- und Rettungszone befand. Überlebende berichteten, dass die griechische Küstenwache versucht habe, den überladenen Trawler abzuschleppen, woraufhin dieser gekentert sei. Die griechischen Behörden bestreiten die Vorwürfe.

I.Paterson--TNT

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