The National Times - Putin stellt zwei Jahre nach Angriff auf Ukraine Russlands Verteidigungsspitze um

Putin stellt zwei Jahre nach Angriff auf Ukraine Russlands Verteidigungsspitze um


Putin stellt zwei Jahre nach Angriff auf Ukraine Russlands Verteidigungsspitze um
Putin stellt zwei Jahre nach Angriff auf Ukraine Russlands Verteidigungsspitze um / Foto: © Sputnik/AFP/Archiv

Mehr als zwei Jahre nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat Kreml-Chef Wladimir Putin eine Erneuerung an der Spitze des russischen Verteidigungssektors angeordnet. Der bisherige Verteidigungsminister und Putin-Vertraute Sergej Schoigu wird laut einem Kreml-Dekret vom Sonntagabend seines Amtes enthoben und soll künftig den Nationalen Sicherheitsrat leiten. Sein Nachfolger soll der Ökonom Andrej Beloussow werden. Im westlichen Ausland gab es am Montag wenig Hoffnung auf eine Änderung des russischen Kriegskurses infolge des Postenwechsels.

Textgröße ändern:

Putin schlug Beloussow als Schoigus Nachfolger vor, wie aus einer Liste von Ministernominierungen zur Regierungsumbildung für das russische Oberhaus hervorgeht. Beloussow hat offenbar keine Erfahrung im Militärbereich, vielmehr fungierte er in den vergangenen Jahren als einer der wichtigsten Wirtschaftsberater Putins.

Der britische Verteidigungsminister Grant Shapps machte Schoigu nach Bekanntwerden des Postenwechsels für hunderttausende Tote und Verletzte im Ukraine-Krieg verantwortlich. Schoigu habe "mit einem illegalen Feldzug in der Ukraine über 355.000 Opfer unter seinen eigenen Soldaten und massenhaftes Leid unter der Zivilbevölkerung zu verantworten", schrieb Shapps im Onlinedienst X.

"Russland braucht einen Verteidigungsminister, der dieses katastrophale Erbe überwindet und die Invasion beendet", schrieb Shapps und fügte mit Blick auf Russlands Staatschef Putin an: "Aber alles, was sie bekommen werden, ist eine weitere Marionette Putins."

Auch der CDU-Verteidigungspolitiker Johann Wadephul äußerte sich wenig hoffnungsvoll. Putin habe Russland "auf Kriegswirtschaft umgestellt", sagte Wadephul den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Dazu passe der neue Minister, "der diesen Kurs als Ökonom weiter verfolgen soll". Für Deutschland seien dies "besorgniserregende Entwicklungen", mahnte der CDU-Politiker.

Schoigu war seit 2012 Verteidigungsminister. Er verkörperte zusammen mit Außenminister Sergej Lawrow die Kontinuität der verschiedenen Regierungen unter Putin. Der russische Präsident hielt auch trotz einer Reihe von Rückschlägen für die russischen Truppen zu Beginn des Kriegs in der Ukraine 2022 an Schoigu fest, obwohl es teils deutliche Kritik aus dem Militär an dem Minister gab. Auch nach dem - letztlich gescheiterten - Aufstand der Wagner-Kämpfer unter Führung von Jewgeni Prigoschin im Juni 2023 behielt Schoigu noch sein Amt.

Nun wird der 68-jährige Putin-Vertraute Sekretär des wichtigen Nationalen Sicherheitsrates. Er wird damit Nachfolger von Nikolai Patruschew, der diesen Posten seit 2008 innehatte. Die Zukunft des einflussreichen früheren Chefs des Inlandsgeheimdienstes werde "in den kommenden Tagen" mitgeteilt, erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow mit Blick auf Patruschew. Außenminister Lawrow behält sein Amt ebenso wie der FSB-Chef Alexander Bortnikow und Auslandsgeheimdienstchef Sergej Narischkin.

Der Kreml begründete den Zeitpunkt der Entscheidung damit, dass das Verteidigungsministerium "innovativ" bleiben müsse. Es müsse "offen" sein für "die Schaffung von Bedingungen für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Auf dem Schlachtfeld gewinne derjenige, "der offener für Innovationen ist", fügte er hinzu.

Schoigu galt lange Zeit nicht nur als politischer Verbündeter Putins, sondern auch als einer seiner wenigen Freunde innerhalb der Moskauer Führung. Ihre Männerfreundschaft stellten beide demonstrativ zur Schau: Sie sonnten sich gemeinsam halbnackt in Sibirien, angelten, sammelten Pilze und spielten zusammen Eishockey.

Die von Putin vorgenommenen Änderungen sollen am Montag und Dienstag vom russischen Parlament abgesegnet werden, dies ist aber eine reine Formalität.

Die russische Verfassung sieht vor, dass ein neu gewählter Präsident die Mitglieder der Regierung neu ernennen beziehungsweise im Amt bestätigen muss. Nach Putins Sieg bei der Präsidentschaftswahl im März war darüber spekuliert worden, ob er Veränderungen in der Regierung vornehmen würde. Am Freitag hatte Putin Ministerpräsident Michail Mischustin in seinem Amt bestätigt.

N.Johns--TNT

Empfohlen

Länder-Unionsfraktionschefs stellen Milliardenhilfen für Berlin infrage

Die Länder-Unionsfraktionschefs Klaus Holetschek (CSU) und Andreas Bühl (CDU) stellen die finanzielle Unterstützung Berlins infrage. In einem Gastbeitrag für den "Focus" anlässlich der Klausurtagung des CDU-Präsidiums am Sonntag kritisieren die Politiker aus Bayern und Thüringen insbesondere die vorgesehenen Kulturausgaben im Rahmen des Hauptstadtvertrags. "Warum Berlin 2,9 Milliarden Euro für Kultur bekommen soll, das erschließt sich den Bürgerinnen und Bürgern in Flensburg und Rostock genauso wenig wie in Konstanz und Berchtesgaden", schreiben sie.

Nouripour warnt Berliner Grüne vor Koalition mit der Linkspartei

Bundestags-Vizepräsident Omid Nouripour (Grüne) warnt seine Berliner Parteifreunde vor einer Koalition mit der Linkspartei, der in Teilen Antisemitismus und eine Nähe zur Organisierten Kriminalität vorgeworfen wird. "Eine Partei, die hier die regierende Mehrheit stellen will und an dieser Stelle eine offene Flanke hat, ist ein Sicherheitsrisiko – nicht nur für Berlin", sagte Nouripour der "Bild"-Zeitung laut Mitteilung vom Samstagabend.

"Russlands Google": Beeinträchtigungen durch Drohnenangriff auf Yandex-Rechenzentrum

Ein Rechenzentrum des als "Russlands Google" bekannten Technologieunternehmens Yandex ist durch einen Drohnenangriff lahmgelegt worden. Die Infrastruktur des Datenzentrums in Wladimir östlich von Moskau sei beschädigt worden, teilte das Unternehmen am Sonntag im Onlinedienst Telegram mit. Nun werde geprüft, wie die vollständig ausgesetzten Aktivitäten des Rechenzentrums wieder aufgenommen werden könnten. Verletzt wurde bei dem Angriff nach Unternehmensangaben niemand.

Lulas Team wirft US-Konzern Meta Einmischung in brasilianischen Wahlkampf vor

Das Wahlkampfteam von Brasiliens Staatschef Luiz Inàcio Lula da Silva hat dem US-Tech-Konzern Meta Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf vorgeworfen. Online-Plattformen von Meta wie etwa Instagram hätten die Verbreitung seiner Inhalte eingeschränkt, erklärte Lulas Wahlkampfteam am Samstag (Ortszeit). So sei bei einer Veröffentlichung auf Lulas offiziellem Nutzerkonto die Zählung der Abrufzahlen unterbrochen worden, was die Reichweite verringert habe.

Textgröße ändern: