The National Times - Finanzen der Kommunen nach zwölf Jahren erstmals wieder im Defizit

Finanzen der Kommunen nach zwölf Jahren erstmals wieder im Defizit


Finanzen der Kommunen nach zwölf Jahren erstmals wieder im Defizit
Finanzen der Kommunen nach zwölf Jahren erstmals wieder im Defizit / Foto: © AFP/Archiv

Die Finanzen der Kommunen sind nach zwölf Jahren erstmals wieder im Defizit. Gemeinden und Gemeindeverbände ohne Stadtstaaten lagen im vergangenen Jahr 6,8 Milliarden Euro im Minus, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Laut der Kassenstatistik war dies das erste kommunale Finanzierungsdefizit seit 2011.

Textgröße ändern:

Durch eigene Steuereinnahmen und erhöhte Zuweisungen von Bund und Ländern während der Coronapandemie gab es zwischen 2011 und 2022 Finanzierungsüberschüsse. 2022 lag der Überschuss noch bei 2,6 Milliarden Euro.

Die Finanzen setzen sich aus kommunalen Kern- und Extrahaushalten zusammen. Bei den Kernhaushalten gab es ein Defizit von 6,2 Milliarden Euro, nach einem Überschuss von 2,2 Milliarden Euro 2022. Die Extrahaushalte lagen 0,7 Milliarden Euro im Minus, im Vorjahr hatte es noch einen Überschuss von 0,5 Milliarden Euro gegeben.

Binnen eines Jahres stiegen die bereinigten Ausgaben der Kommunen um zwölf Prozent auf 364,9 Milliarden Euro. Zu den Treibern der Ausgaben gehörten vor allem gestiegene Sozialausgaben. Sie stiegen um 11,7 Prozent auf 76 Milliarden Euro an.

Gründe dafür waren den Statistikern zufolge die zum 1. Januar 2023 erhöhten Regelsätze für das Bürgergeld und für die Sozialhilfe sowie Geflüchtete aus der Ukraine, die Bürgergeld beziehen dürfen. Dafür sanken die Ausgaben der Asylleistungen um 7,9 Prozent.

Kommunen zahlten beim Bürgergeld vor allem für Unterkunft und Heizung. Die Leistungen stiegen durch den Anstieg der Energiepreise um 14,7 Prozent. Gleichzeitig stieg die Beteiligung des Bundes an den Kosten für Unterkunft und Heizung um 19 Prozent. Auch die übrigen kommunalen Ausgaben für Sozialleistungen stiegen deutlich.

Neben den gestiegenen Sozialleistungen gab es in den Kernhaushalten höhere Ausgaben für Personal. Diese stiegen um 7,4 Prozent auf 80,9 Milliarden Euro. Als Grund dafür nannten die Statistiker den Tarifabschluss im öffentlichen Dienst. Von der allgemeinen Teuerung waren auch die laufenden Sachaufwendungen und die Sachinvestitionen betroffen.

Zwar lagen die bereinigten Einnahmen der Kern- und Extrahaushalte mit 358,1 Milliarden Euro neun Prozent höher als im Vorjahr, die gestiegenen Ausgaben konnten sie aber nicht ausgleichen. 2023 nahmen die Kommunen 130,3 Milliarden Euro netto aus Steuern ein - ein Plus um 7,3 Prozent. In Rheinland-Pfalz, wo die Gewerbesteuereinnahmen 2022 besonders hoch waren, gingen die Einnahmen nun um 26,9 Prozent zurück. In allen anderen Ländern stiegen die Gewerbesteuereinnahmen im Schnitt um 9,5 Prozent.

F.Lim--TNT

Empfohlen

Mehr als 70.000 Teilnehmer bei neuen Schülerprotesten in Frankreich

Bei neuen Schülerprotesten in Frankreich sind landesweit mehr als 70.000 Menschen auf die Straße gegangen. Das Innenministerium in Paris sprach am Donnerstag von 71.500 Demonstranten. Etwa 55.000 von ihnen hätten an Protestaktionen vor Schulgebäuden teilgenommen. Die restlichen hätten sich an Protestmärschen beteiligt. Mehr als 500 Menschen seien festgenommen worden, knapp 50 Sicherheitskräfte seien verletzt worden, teilte das Ministerium mit.

Bundestag fordert breitere Datengrundlage bei Pränataltests

Für vorgeburtliche Bluttests, mit denen bestimmte genetische Auffälligkeiten beim ungeborenen Kind festgestellt werden können, sollen nach dem Willen des Bundestages genauere Regeln geschaffen werden. Die Abgeordneten votierten am Donnerstag in namentlicher Abstimmung mit großer Mehrheit für einen entsprechenden fraktionsübergreifenden Antrag. Mehr als hundert Abgeordnete von CDU, CSU, SPD, Grünen und Linken fordern eine genauere Regelung, wann diese sogenannten "nicht invasiven Pränataltests" (NIPT) zur Feststellung von Trisomie-Erkrankungen angewendet werden sollen.

Ukraine-Team zu Gespräch mit Trump-Unterhändlern am Freitag und Samstag in den USA

Inmitten des Ukraine-Kriegs wird ein ukrainisches Verhandlungsteam am Freitag und Samstag in den USA mit den Unterhändlern von US-Präsident Donald Trump zusammentreffen. Die Delegation werde mit Jared Kushner und Steve Witkoff sprechen, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag gegenüber Journalisten. Die Gespräche sollten zwei Tage dauern. Auch ein europäisches Team solle dazustoßen.

Strafrechtliche Ermittlungen: Niedersachsens SPD-Fraktionschef Politze tritt zurück

Angesichts strafrechtlicher Ermittlungen ist der Fraktionschef der SPD im niedersächsischen Landtag, Stefan Politze, von seinem Amt zurückgetreten. "Die Immunitätsaufhebung und die Berichterstattung der letzten Tage darüber belasten das Amt", begründete der 61-Jährige am Donnerstag nach einer Fraktionssitzung in Hannover seinen Schritt. "Auch wenn ich fest von meiner Unschuld überzeugt bin, spüre ich die Belastung für die Partei, die Fraktion und mich."

Textgröße ändern: