The National Times - Mützenich hält an Äußerungen zu Einfrieren des Ukraine-Kriegs fest

Mützenich hält an Äußerungen zu Einfrieren des Ukraine-Kriegs fest


Mützenich hält an Äußerungen zu Einfrieren des Ukraine-Kriegs fest
Mützenich hält an Äußerungen zu Einfrieren des Ukraine-Kriegs fest / Foto: © AFP

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich will seine vielfach kritisierte Äußerung zum Einfrieren des Ukraine-Kriegs nicht korrigieren. "Ich finde es mittlerweile etwas erschöpfend, dass nur eine Debatte über Waffen geführt wird", sagte Mützenich am Dienstag in Berlin. Er habe diese Debatte um den Hinweis ergänzen wollen, dass sich in dem Konflikt zu irgendeinem Zeitpunkt ein "Fenster der Gelegenheit" öffnen könnte, diesen durch lokale Waffenruhen und humanitäre Feuerpausen zu entschärfen - auch wenn er aktuell eine solche Gelegenheit nicht sehe.

Textgröße ändern:

Ein Nachlassen der deutschen Unterstützung für die Ukraine stehe nicht zur Debatte, betonte Mützenich. "Ich will noch einmal sehr deutlich machen, dass unverbrüchlich ist, was wir immer gesagt haben: Wir unterstützen den Verteidigungskampf, den die Ukraine hat, auf der Grundlage der Charta der Vereinten Nationen."

Den umstrittenen Begriff des "Einfrierens" des Konflikts habe er der Politik- und Friedenswissenschaft entlehnt, sagte Mützenich - und er werde diesen Begriff auch weiter benutzen: "Ich kann es nicht lassen, das tut mir leid." Außen- und Sicherheitspolitik sei "eben nun einmal mehr als die Lieferung von Waffen".

Kabinettsmitglieder rückten derweil öffentlich von Mützenichs Wortwahl ab - sowohl Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) als auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) distanzierten sich von dem Begriff "Einfrieren".

"Ich hätte mir jetzt das Wort 'Einfrieren' nicht zu eigen gemacht", sagte Pistorius im Deutschlandfunk. Denn dies signalisiere, "man könne einen solchen Krieg einfach so einfrieren und dann hoffen, dass es besser wird. Wir wissen aus der Geschichte und der Erfahrung mit Putin, dass das niemals so sein wird."

Bundesaußenministerin Baerbock grenzte sich ebenfalls von Mützenich ab. "Heute vor zehn Jahren hat Wladimir Putin die Krim annektiert", schrieb die Grünen-Politikerin am Montagabend auf der Plattform X. "Wer glaubt, seinen Krieg gegen die Ukraine einfrieren zu können, der sollte in die Geschichte schauen."

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ging bei einer Diskussionsveranstaltung in Berlin auf Mützenich ein. Scholz griff das Wort "Einfrieren" dabei nicht auf, wollte sich der Kritik an Mützenich aber nicht anschließen. Er sei sich mit Mützenich und vielen anderen einig, "dass wir ein klares Signal an den russischen Präsidenten senden" - das Signal, dass die Ukraine so lange unterstützt werde wie nötig, sagte Scholz.

Bei der Veranstaltung übte Scholz generelle Kritik an der öffentlichen Debatte über deutsche Unterstützungsleistungen für die Ukraine. "Die Debatte in Deutschland ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten", sagte der Kanzler. "Ich wünsche mir eine Debatte in Deutschland, die Besonnenheit nicht diskreditiert als etwas, das zögerlich sei."

Scholz verwies darauf, dass Deutschland einer der größten Unterstützer der Ukraine sei - und sprach mit Blick auf die von ihm abgelehnte Lieferung deutscher Taurus-Marschflugkörper von einer "ziemlich wenig erwachsenen, peinlichen Debatte, die außerhalb Deutschlands niemand versteht".

Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) übte scharfe Kritik an der Wortwahl seines SPD-Kollegen Mützenich. "Der Vorschlag hat nicht nur in Koalition breites Entsetzen ausgelöst, sondern im Land, in Europa und in der internationalen Presse", sagte Merz. "Offensichtlich fällt ein großer Teil der SPD in die alte Naivität gegenüber Russland zurück."

Auch Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge übte Kritik. "Den Konflikt einzufrieren, ist aus meiner Sicht eine sehr schlechte Idee", sagte Dröge. "Aus meiner Sicht würde dieser Schritt dazu führen, dass Putin sich eingeladen fühlt weiter zu gehen."

Mützenich hatte die umstrittene Äußerung am Donnerstag in der Bundestagsdebatte über einen Antrag der Unionsfraktion zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine gemacht. Er stellte dabei die Frage: "Ist es nicht an der Zeit, dass wir nicht nur darüber reden, wie man einen Krieg führt, sondern auch darüber nachdenken, wie man einen Krieg einfrieren und später auch beenden kann?"

E.Reid--TNT

Empfohlen

Internationaler Strafgerichtshof bezeichnet Duterte als verhandlungsfähig

Der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) angeklagte frühere philippinische Präsident Rodrigo Duterte ist aus Sicht des Tribunals verhandlungsfähig. Das Gericht zeigte sich nach eigenen Angaben vom Donnerstag "überzeugt, dass der Angeklagte in der Lage ist, seine mit einem gerechten Verfahren verbundenen Rechte wirksam auszuüben". Die Einschätzung beruhe auf Angaben unabhängiger Sachverständiger sowie auf Angaben beteiligter Parteien.

Koalitionsausschuss lässt Fragen offen: "Gute Atmosphäre" aber wenig Greifbares

Ein "gutes Treffen" im Kanzleramt - aber keine greifbaren Ergebnisse: Beim mit Spannung erwarteten Koalitionsausschuss sind viele Fragen offen geblieben. Nach Angaben von Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) vereinbarten Union und SPD die "nächsten Schritte" bei den anstehenden Reformen. Beim Thema Rente gebe es allerdings "einige Klärungspunkte in der Koalition", sagte der SPD-Chef am Donnerstag in Luxemburg. Das deutsche Handwerk kritisierte, ein überzeugender Reformzeitplan sei "nicht erkennbar".

Stadt Mannheim muss umstrittenen Artikel zu Swingerparty doch veröffentlichen

Die Stadt Mannheim muss einen umstrittenen Artikel des fraktionslosen Stadtrats Julien Ferrat im Zusammenhang mit einer Swingerparty veröffentlichen. Der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof wies nach Angaben vom Donnerstag eine Beschwerde von Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) dagegen zurück. In dem Artikel kritisiert Ferrat die Stadt wegen Nichtveröffentlichung zweier Beiträge über eine mögliche Swingerparty im Rathaus.

"Danke für alles": Spanier trauern um von Zwangsräumung betroffene Maricarmen

Emotionaler Abschied von Maricarmen Abascal: Mit Blumen, Kerzen und Karten haben Menschen am Donnerstag vor dem Haus der verstorbenen 87-Jährigen in Madrid an das Schicksal der Rentnerin erinnert, die Opfer einer Zwangsräumung geworden war. Am Abend sollte ein Gedenkzug vom zentralen Platz Puerta del Sol in der spanischen Hauptstadt zum Haus der Verstorbenen führen, deren Schicksal inmitten der Wohnungskrise im Land international für Schlagzeilen sorgte.

Textgröße ändern: