The National Times - Russland drohen nach Gräueltaten von Butscha weitere harte Sanktionen

Russland drohen nach Gräueltaten von Butscha weitere harte Sanktionen


Russland drohen nach Gräueltaten von Butscha weitere harte Sanktionen
Russland drohen nach Gräueltaten von Butscha weitere harte Sanktionen

Nach den Gräueltaten im ukrainischen Butscha drohen Russland weitere Sanktionen und eine verschärfte internationale Isolation. Der Nationale Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Jake Sullivan, kündigte noch für diese Woche Wirtschaftssanktionen an, mit den Verbündeten würden mögliche Maßnahmen "im Zusammenhang mit Energie" diskutiert. Die EU-Finanzminister wollten am Dienstag über ein mögliches Öl- und Kohle-Embargo beraten. Kiew warnt unterdessen immer eindringlicher vor einer Großoffensive Russlands im Süden und Osten des Landes.

Textgröße ändern:

Die ukrainischen Behörden hatten nach dem Abzug der russischen Truppen aus Butscha hunderte Leichen in der Kleinstadt bei Kiew entdeckt. Die ukrainische Regierung und westliche Verbündete warfen Russland deshalb Kriegsverbrechen vor und kündigten weitere Sanktionen an.

Die EU-Finanzminister wollten bei ihrem Treffen am Dienstag über ein mögliches Öl- und Kohle-Embargo gegen Russland beraten. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire sagte am Rande des Treffens in Luxemburg, er werbe als amtierender Ratsvorsitzender um die Zustimmung aller 27 Mitgliedsländer. Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian wollte in Berlin auch mit Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) über weitere Strafmaßnahmen sprechen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte bereits für einen Einfuhrstopp für Öl und Kohle plädiert. Aus der FDP kam Zustimmung für eine Abkehr von russischem Öl. Bei Öl könne die Umstellung - anders als bei Gas - "innerhalb weniger Wochen gelingen", sagte FDP-Energieexperte Michael Kruse. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte sich am Montag gegen einen Stopp der Gasimporte ausgesprochen, Maßnahmen im Bereich Öl und Kohle aber offengelassen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte noch für diese Woche einen Besuch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew an. Gemeinsam mit dem EU-Außenbeauftragen Josep Borrell wolle sie dort den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen, sagte ihr Sprecher.

Nach Deutschland und Frankreich wiesen auch Italien und Dänemark unterdessen dutzende russische Diplomaten aus. Großbritannien und die USA streben zudem Russlands Ausschluss aus dem UN-Menschenrechtsrat an.

Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensia nannte das westliche Vorgehen "unglaublich". Der Westen versuche, Russland von "multilateralen Foren" auszuschließen. Das sei "beispiellos" und werde die "Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine weder erleichtern noch fördern".

Moskau bestreitet jegliche Verantwortung für die getöteten Menschen in Butscha. Es gibt an, dass die Leichen erst nach dem Abzug der russischen Truppen am 30. März aufgetaucht seien und spricht von "Fälschung". Satellitenbilder der US-Firma Maxar Technologies sollen jedoch zeigen, dass einige der Leichen bereits Mitte März auf den Straßen von Butscha lagen.

Ein Antrag Russlands auf eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats über die "abscheuliche Provokation der ukrainischen Radikalen in Butscha" wurde vom derzeitigen Ratsvorsitzenden Großbritannien abgelehnt. Stattdessen soll Selenskyj am Dienstag vor dem UN-Sicherheitsrat sprechen.

Selenskyj zeigte sich in seiner abendlichen Videoansprache sichtlich erschüttert von einem Besuch in Butscha. Die Zeit werde kommen, "wenn jeder Russe die ganze Wahrheit darüber erfährt, wer von ihren Landsleuten getötet hat. Wer die Befehle gegeben hat."

Noch ist das ganze Ausmaß der Morde und weiterer Gräueltaten in Butscha und anderen Orten unklar. Selenskyj sprach von einer Spitze des Eisbergs: Ihm lägen Informationen vor, dass in Orten wie dem nahe gelegenen Borodjanka noch mehr Menschen getötet worden seien. AFP-Reporter, die das Gebiet kurz besuchten, sahen keine Leichen auf den Straßen, doch berichteten Einheimische von vielen Toten.

Die russischen Streitkräfte hatten angekündigt, ihre Angriffe rund um Kiew deutlich zu verringern. Die ukrainischen Behörden gehen jedoch davon aus, dass sich das russische Militär nun auf den Osten und Süden des Landes konzentriert.

Der Gouverneur der zum Donbass gehörenden Region Luhansk, Serhij Gaidaj, warnte vor einem "massiven Angriff" der russischen Truppen und forderte die Bewohner auf, die Region so schnell wie möglich zu verlassen. In der Nacht wurde die Großstadt Kramatorsk von der russischen Armee massiv bombardiert, wie ein AFP-Reporter berichtete.

A.M.James--TNT

Empfohlen

CDU-Mittelständler wollen Verbeamtungen stark beschränken

Der Mittelstandsflügel der CDU will Staatsangestellte nur noch in Ausnahmefällen verbeamten. In einem Antrag für den CDU-Bundesparteitag kommenden Monat in Stuttgart fordert die CDU-Mittelstandsunion (MIT) laut einem Bericht der "Bild" vom Montag, die Verbeamtungen in Deutschland künftig auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren.

Proteste gegen Besuch von Syriens Präsident al-Scharaa in Berlin geplant

Aus Protest gegen den verschobenen Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin haben mehrere Organisationen für Montag (16.00 Uhr) zu einer Großkundgebung aufgerufen. Hinter den geplanten Protesten am Brandenburger Tor in Berlin stehen Organisationen und Vereine wie die Kurdische Gemeinde Deutschland und die Gesellschaft für bedrohte Völker. Damaskus verschob Al-Scharaas für Dienstag geplanten ersten Besuch in Berlin aufgrund der innenpolitischen Situation in Syrien, wie eine Sprecherin der Bundesregierung mitteilte. Die Organisatoren der Großkundgebung reagierten zunächst nicht auf die Verschiebung des Besuchs.

CDU-Vorstand verabschiedet Programmpapier mit Reformvorschlägen

Die CDU-Spitze will am Montag politische Weichenstellungen für das neue Jahr vornehmen. Der Bundesvorstand soll bei einer Sitzung in Berlin eine Erklärung verabschieden, die Vorschläge zur Belebung der Wirtschaft, zur Reform des Sozialstaats und zur Staatsmodernisierung enthält (Pressekonferenz 13.30 Uhr). Eigentlich hätte diese "Mainzer Erklärung" bereits Anfang Januar bei einer Vorstandsklausur in Mainz verabschiedet werden sollen; die Klausur war aber wegen des strengen Wintereinbruchs abgesagt worden.

Nato-Generalsekretär Rutte empfängt Minister Dänemarks und Grönlands

Vor dem Hintergrund des andauernden Konflikts um Grönland treffen der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen und die grönländische Außenministern Vivian Motzfeldt am Montag Nato-Generalsekretär Mark Rutte zu Gesprächen in Brüssel. Bei dem Treffen dürfte es um die US-Drohungen gegen Grönland und die nächsten Schritte der Nato hinsichtlich der Sicherheit in der Arktis gehen.

Textgröße ändern: