The National Times - Scholz und Frankreichs Premierminister uneins mit Blick auf Mercosur

Scholz und Frankreichs Premierminister uneins mit Blick auf Mercosur


Scholz und Frankreichs Premierminister uneins mit Blick auf Mercosur
Scholz und Frankreichs Premierminister uneins mit Blick auf Mercosur / Foto: © AFP

Deutschland und Frankreich sind sich mit Blick auf das von der EU ausgehandelte Freihandelsabkommen mit den lateinamerikanischen Mercosur-Staaten weiterhin uneins. Während Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) seinen Wunsch bekräftigte, das Abkommen bald in Kraft zu setzen, bezeichnete Frankreichs Premierminister Gabriel Attal es erneut als unausgereift. Dieses Abkommen habe eine "geostrategische Bedeutung", betonte Scholz nach seinem Treffen mit Attal am Montag in Berlin.

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Man könne sich nicht "auf der einen Seite darüber beklagen, dass der Einfluss Europas abnimmt, (...) und auf der anderen Seite keine Wege finden, über gute wirtschaftlichen Beziehungen die Wachstumsperspektiven unseres Kontinents zu verbessern", betonte der Bundeskanzler. Die Verhandlungen mit den Mercosur-Staaten dauerten schon 20 Jahre, da sei es wünschenswert, dass sie bald zum Abschluss kämen, fügte er hinzu.

Der französische Premierminister hingegen bekräftigte die Ablehnung seines Landes, "weil die Bedingungen nicht stimmen". Es dürfe nicht sein, dass Europa bestimmte Produktionsweisen verbiete, dann aber Produkte importiere, die auf diese Weise hergestellt seien. "Das nennt sich unlautere Konkurrenz", sagte Attal. "Es kann passieren, dass wir uns nicht einig sind, und da stehen wir auch zu", sagte er an Scholz gerichtet.

Attal verteidigte sich gegen die jüngste indirekte Kritik des Bundeskanzlers an der in Europa ungleich verteilten Last der Ukraine-Hilfen. "Unser Engagement wird sich ausweiten, aber es geht nicht nur um die Höhe der Finanzmittel, sondern auch um die Qualität der Rüstungsgüter", sagte Attal. Frankreich schicke "Material der jüngsten Generation" in die Ukraine, betonte er.

Scholz bekräftigte seinerseits, dass er weiter dafür werbe, "dass die USA und alle Mitgliedstaaten in Europa einen so großen Beitrag leisten, dass die Rechnung des russischen Präsidenten nicht aufgeht". Kremlchef Wladimir Putin wolle die Sache aussitzen. "Er hofft, dass wir irgendwann einfach nicht mehr weitermachen", sagte Scholz. Dazu werde es jedoch nicht kommen.

Kurz vor seinem Antrittsbesuch bei Scholz hatte Attal zum verstärkten kulturellen Austausch zwischen Frankreich und Deutschland und zum Erlernen der jeweiligen Partnersprache aufgerufen. "Das müssen wir weiterhin pflegen", sagte er vor Vertretern der in Deutschland lebenden Französinnen und Franzosen. "Vielleicht hat meine Generation den Preis und das Gewicht der deutsch-französischen Freundschaft manchmal vergessen", sagte der 34-Jährige.

"Die Stärke Europas misst sich an der Festigkeit der deutsch-französischen Freundschaft", betonte er. Die Populisten warteten nur darauf, dass sich beide Länder uneins seien. "Sie liegen auf der Lauer, um die geringsten Differenzen zwischen uns auszunutzen, um niedere Instinkte zu bedienen und Europa zu schädigen", sagte er.

Er habe sich bewusst für Deutschland als Ziel seiner ersten Auslandsreise entschieden. "Ich werde mich immer weigern, eine Schwächung der deutsch-französischen Freundschaft hinzunehmen", betonte er.

Attal hatte am Vormittag in der Pariser Nationalversammlung seine erste Vertrauensabstimmung überstanden. Die linkspopulistische Partei La France Insoumise (LFI) hatte den Schritt damit begründet, dass sie die Bevölkerung vor höheren Strom- und Medikamentenpreisen sowie der Verringerung des Arbeitslosengeldes "schützen" wolle. Attals Vorgängerin Elisabeth Borne hatte während ihrer gut eineinhalbjährigen Amtszeit mehr als 30 Misstrauensanträge überstanden.

Attal ist mit 34 Jahren der jüngste Politiker auf diesem Posten und der erste, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt. Sein Ex-Partner Stéphane Séjourné ist Außenminister. Präsident Emmanuel Macron wollte mit der Regierungsumbildung nach dem umstrittenen Einwanderungsgesetz ein neues Kapitel aufschlagen.

M.A.Walters--TNT

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